Niedersachsen

Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig geriet in Gefangenschaft


KALEFELD, (ako) Herzog Heinrich der Jüngere, der von 1514 bis 1568 über das Land Braunschweig herrschte, war ein erbitterter Feind der Reformation. Anfangs mit dem Grafen Philipp von Hessen, dem Haupte des Schmaikaldischen Bundes befreundet, schlug dann die Freundschaft in eine unheilvolle Feindschaft um, die für beide böse Folgen hatte.

Die Städte Goslar und Braunschweig, die schon früh die Reformation eingeführt hatten und zum Schmaikaldischen Bunde gehörten, wurden von Heinrich hart bedrängt und wandten sich in ihrer Not um Hilfe an ihre Bundesgenossen, die ihnen auch von dem Landgraf Philipp von Hessen, dem Kurfürsten Johann von Sachsen, dem Herzog Moritz von Sachsen, dem Schwiegersohn von Philipp, sowie von verschiedenen Städten zugesagt wurde. Mit einem starken Heer rückten sie 1542 in das Land Braunschweig ein, besetzten es und forderten die Einführung der protestantischen Lehre. Heinrich mußte fliehen.

Vergeblich suchte er beim Kaiser V. Hilfe zur Wiedergewinnung seines Landes. Da entschloß er sich, sein Land selbst wieder zu erobern.

Er ließ im Sommer 1545 in Norddeutschland Truppen anwerben, zog mit ihnen ohne nennenswerten Widerstand in sein Land und begann die Belagerung seiner von Schmaikaldischen Hauptleuten verteidigten Hauptstadt Wolfenbüttel. Auf die Nachricht hin, daß seine Gegner ein stattliches Heer bei Northeim sammelten, gab er am' 14. Oktober 1545 die Belagerung von Wolfenbüttel auf und zog mit seinem Heere über Bockenem und Gandersheim nach Kalefeld, das damals braunschweigisch war, wo er südlich und westlich vom Dorfe am 16. Oktober das Lager aufschlug.

Die beiden feindlichen Heere, waren zwölf Kilometer voneinander entfernt. Heinrich hatte etwa 11000 Mann Fußvolk und 3500 Reiter, aber nur wenig grobe Geschütze. Die Verbündeten zählten über 20000 Mann Fußtruppen, 3000 bis 4000 Heiter und führten zahlreiche Geschütze mit sich. Der kriegserfahrene Wolf Tiefstätter, Hauptmann unter Herzog Moritz, schreibt in seinem Bericht, daß er ein solch starkes Heer - es waren zusammen über 40000 Mann - noch nie gesehen hätte. War auch das Bundesheer an Zahl überlegen, so bestand doch das Heer der Braunschweiger aus alten, in Kämpfen erprobten Truppen. Freilich ließ die Disziplin zu wünschen übrig. Die landgräfliche und die kurfürstlichsächsische Armee lagerte zwischen Northeim und Höckelheim, also östlich der Leine. Moritz dagegen, der von Mühlhausen kam, hatte warscheinlich bei Sudheim die Leine überschritten, in und beim Dorfe Hillerse das Lager aufgeschlagen und am 17. Oktober den zwischen Hillerse und Höckelheim gelegenen Berg Eichenberg besetzt.

Schon auf dem Marsch am 1. Oktober hatte Moritz, der eine blutige Entscheidung des Streites verhindern wollte, brieflich Heinrich vorgeschlagen, sächsische Räte zur Verhandlung in seinem Lager zu empfangen. Bevor diese Verhandlungen begannen, erschienen plötzlich an demselben Tage mittags um zwei Uhr auf einem Hügel bei Northeim braunschweigische Schützen und Reiter und machten einen Vorstoß gegen das Bundesheer, der aber abgeschlagen wurde. - Moritz sprach Heinrich brieflich seine Verwunderung über den Beginn der Feindseligkeiten aus und fragte an, ob Heinrich die Verhandlungen als abgebrochen betrachte, oder die Räte empfangen wollte.

Heinrich antwortete aus seinem Lager bei Kalefeld am 18. Oktober, daß er die Räte erwarte. Diese Antwort konnte Moritz kaum erhalten haben, als um sechs Uhr morgens braunschweigische Truppen auf einem Berge nördlich von Höckelheim (dem Hassel- bzw. dem Lämmerberge) Stellung nahmen. Der Landgraf zog mit dem Heere über die Leine und versuchte, die Feinde aus ihrer Stellung zu verdrängen. Auch Moritz ließ seine Truppen unter Hauptmann Tiefstätter an dem Gefechte, das sich um die Besetzung von Höckelheim drehte, teilnemen. So kam es zu Höckelheim zwar zu einem blutigen Kampfe, zur Entscheidung aber an diesem Tage nicht.

Noch während des Kampfes hatte Moritz durch seine Räte Heinrich die Forderung des Landgrafen mitteilen lassen. Nach weiteren Verhandlungen und auf fortwährendes Drängen gab Philipp schließlich zu, daß bis zum 19. Oktober abends ein Waffenstillstand abgeschlossen wurde, und daß während desselben zwischen Moritz und Heinrich Beratungen abgehalten werden sollten. Die Verhandlungen, zu denen die beiden Fürsten mit großem Gefolge erschienen waren, fanden erfolglos im Kloster Wiebrechtshausen statt.

(wird fortgesetzt)

KALEFELD, (ako) Heute setzen wir unseren Bericht über die große Schlacht bei Kalefeld fort. Die ; Schlacht fand im Jahre 1545 statt.—Im Bundeslager wurde nun beschlossen, Heinrich in der Nacht vom Dienstag (20. Oktober) auf Mittwoch (21. Oktober) in seinem Lager zu überfallen. Kundschaftler hatten gemeldet, daß Heinrich eine Landwehr innehätte, wenn man ihm diese entreißen könnte, so wäre er schon geschlagen. Mit dieser Landwehr ist jedenfalls die bei der Schneda gemeint, die sich südlich von Heinrichs Lager befand.


Der Landgraf schickte um Mitternacht Schützcn und Reiter vor, die die braunschwoi-g ischc Wachc aus der Landwehr vertrieben, diese besetzten und auch am nahen Bierberg Stellung nahmen. Inzwischen hatten sich im braunschweigischen Lager die Mannschaften in Schlachtordnung aufgestellt. Nachrückende braunschweigischo Schützen besetzten die Landwehr und durch ihr Feuer entstand in den Reihen der heranrückenden Hauptmacht des Bundesheeres Unordnung, so daß die Lage bedrohlich wurde. Da gelang es Philipp, seine Geschütze an der schon vom Vortrupp besetzten Stelle am Bierberg östlich der Schneda aufzufahren und durch ihr Feuer die Gegner aus der Landwehr abzudrängen. Heinrich vorsuchte vergeblich, durch Geschützfeuer aus seinem Lager den Vormarsch des Bundesheeres aufzuhalten.

Als die braunschweigischen Führer einsahen, daß die Schlacht verloren war, knüpften sie, ohne Heinrichs Wissen, noch während des Kampfes mit Moritz Verhandlungen an und boten dem Landgrafen die Abnahme des von Heinrich abgelehnten Vertrages an. Philipp lohnte das Anerbieten ab und forderte, daß sich Heinrich und sein Sohn in seine Hände begeben sollten. Da Heinrich erkannte, daß der Tag für ihn vorloren war, nahm er den Vorschlag an und traf mit Moritz auf der braunschwoigi-schen Seite eines die feindlichen Heere trennenden Baches zusammen. Es ist jedenfalls der Bach, der von Eboldshausen kommt und bei Kalefeld in die Aue mundet. Auf dringendes Anraten von Moritz, der noch immer auf die Nachgiebigkeit seines Schwiegersvaters hoffte, erklärte sich Heinrich bereit, sich dem Landgrafen zu ergeben. Als Philipp die Erklärung Heinrichs durch Moritz erfahren hatte, ließ er den Kampf abbrechen.

Heinrich ritt nun mit seinem Sohn Karl Viktor und Gefolge über den erwähnten Bach und Moritz, der ihnen entgegenritt, führte sie zu Philipp. Welche Worte bei diesen Vorgängen gewechselt wurden, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. In der Nacht vom 21. zum 22. Oktober 1545 wurden Vater und Sohn als Gefangene nach Kassel abgeführt, von wo aus Heinrich nach Ziegenheim kam. Das Gefolge wurde weggeschickt, nachdem die Hauptleute ihr Ehrenwort gegeben hatten, in den nächsten zwei Monaten nicht gegen die Evangelischen zu kämpfen.

Erst nach der Schlacht bei Mühlberg 1547 erhielt Heinrich sein Land und die Freihoit wieder, während der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen und etwas später in Halle der Landgraf Philipp von Hessen in Gefangenschaft gerieten.

In der Feldmark Kalefeld führt das Land westlich von Schnedekruge den Flurnamen »Landwehr« und ein Acker westlich vom Dorfe heißt »Moritzwiese« und »Unter der Moritzwiese«. Das Lager Heinrichs hat jedenfalls bis zu dieser Wieso gereicht, ob sie aber der Ort der Zusammenkunft zwischen Moritz und Heinrich gewesen und nach Moritz von Sachsen benannt ist, wie man annehmen könnte, ist kaum festzustellen.

Am 2. Ostertage vollendete Friedrich Heidelmann das 75. Lebensjahr. Die Bürgerschützengesellschaft hat an diesem Tage ehrend der Verdienste gedacht, die sich der Altersjubilar um das Northeimer Schützenwesen erworben hat. Sie im einzelnen zu schildern, ist hier nicht der gegebene Ort; es sei aber festgestellt, daß Friedrich Heidelmann das Schriftgut der BSG, von dem nur weniges den Rathausbrand von 1832 überdauert hat, und das seitdem hinzugekommene mit Sorgfalt bewahrt und geordnet hat. So kann es jetzt einer in Arbeit befindlichen Geschichte des Northeimer Schützenwesens als Grundlage dienen.
 
Wie ein Blick in die mehr als 300jährige Geschichte des Northeimer Geschlechtes Heidelmann zeigt, krönte Friedrich Heidelmann mit seinen Bemühungen um den Northeimer Schützenhof eine Familientradition, die schon bei dem Stammvater aller Northeimer Heidelmann einsetzt. Mit Christian Heidelmann, der 1627 in Northeim Kontribution zahlt (vom Kothaus, außerdem vom Vermögen — das damals nicht mehr viele Northeimer hatten — 6 Groschen), tritt uns dieses Geschlecht hier erstmalig entgegen. Als am 25.10.1633 bei Salzderhelden die Northeimer Schützen-Compagnie gemustert wird, die auf herzoglichen Befehl „für Hildesheim in die Belagerung commandirt gewesen", d. h. die dem Herzog Waffenhilfe gegen das mit Northeim befreundete Hildesheim leisten muß, gehört Christian Heidelmann ihrer zweiten Corporalschaft (Sergeant: Jürgen Deppe, Corporal: Andreas Alland) an. Er steht in dieser Corporalschaft, die dem heutigen Zuge entspricht, als Gefreiter, er führt eine Rotte. Da Christian Heidelmann damals noch nicht sehr lange in Northeim seßhaft sein kann und auch noch ziemlich jung war, ist sein Einsatz als Unterführer beachtenswert. 1634 wird er unter den Steuerzahlern genannt; es ist also mehrfach als Northeimer Bürger ausgewiesen und hat vor 1628 Catharina Mori heimgeführt, die noch sehr jung gewesen sein muß, denn nach Christians Tode ist sie am 3.10.1669 — damals wohl eine Endfünfzigerin — eine zweite Ehe mit Claus Fischer in Edesheim eingegangen.
 
Daß Andreas (geb. um 1628), Johann Henrich (geb. um 1630), Christian (geb. um 1638) und Jürgen (geb. um 1644) Söhne des Christian Heidelmann sind, läßt sich erst durch mancherlei Kombinationen mit Gewißheit feststellen, weil unsere Kirchenbücher, erst um 1650 beginnend, darüber keine direkte Aussage enthalten. Von den Söhnen Christians, des Stammvaters, bleibe Johann Henrich, der Pastor wurde und den das Leben in die Wetterau verschlug, hier unberücksichtigt — seine Schicksale sind interessant genug, um einmal gesondert betrachtet zu werden. Andreas, Christian und Jürgen begründen Northeimer Zweige des Heidelmann-Geschlechts.
 
Der mittlere beginnt mit Christian, dem Sohn des gleichnamigen Stammvaters. Dieser jüngere Christian wird hier nicht mehr genannt, nachdem er 1663 einen Sohn Jürgen taufen ließ, ist also wahrscheinlich bald danach verstorben — das erst 1676 beginnende Sterberegister nennt ihn daher nicht. Sein Sohn Jürgen wird am 9.1.1699 Bürger und Brauer und ist Ackermann in einem Hause, das an der Stelle der jetzigen Brandgasse zwischen den Grundstücken Mühlenstraße 26 und Neustadt 71 stand — wahrscheinlich ist dieses das Kothaus, für das der Stammvater 1627 Kontribution zahlt. Jürgen führte am 23.11.1698 Anna Elisabeth Kaiser aus Northeimer Schmiedegeschlecht zum Traualtar; aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Mit Jürgen erlosch der mittlere Zweig in der zweiten Generation.
 
Der jüngere Zweig ist in Northeim Mitte des 18. Jahrhunderts abgestorben. Er beginnt mit Jürgen und seiner Frau Anna Ilsabey Catharina Winant; bei der Traung (7. 11. 1665) wird Jürgen als Ackergesell bezeichnet. Er besaß das Haus Mühlenstraße 9, war also Bürger, wird aber im Bürgereidbuch nicht genannt. Unter seinen fünf Kindern sind zwei Söhne; die den Stamm hier fortführten: Hans Jürgen und Christoph. Hans Jürgen, seit 9.1.1716 Bürger und Ackermann Holzhäüserstraße 35, später Holzhäuserstraße 32, heiratet am 4. 4. 1712 Marie Elisabeth Siegmann verwitwete Otten. Das Haus Holzhäuserstraße 35, offenbar erheiratet, gelangt von ihm an seinen Bruder Christoph, ebenfalls seit 9.1.1716 Bürger und Ackermann, der in die gleiche Sippe heiratet wie Hans Jürgen: am 1.12.1711 führt er Margareta Christina Kaiser zum Traualtar, und nach deren Tode wird am 19. 7.1718 Ortie Margareta Otten seine zweite Frau. Er hatte unter seinen acht Kindern zwei Söhne, von denen aber keiner den Namen Heidelmann hier am Orte weiterreichte.
 
Der ältere Zweig wurde von Andreas Heidelmann begründet und blüht hier noch. Andreas wohnte in jenem Hause, das nach ihm sein Neffe Jürgen vom mittleren Zweige besaß, und heiratete zweimal: am 5.12.1654 Anna Arens (begraben 30.7.1684), am 23.11.1686 Margarete Ahlborn, Witwe des Bürgers Johann Wilhelm Kasten (Christiani). Unter den vier Kindern des Andreas ist ein Sohn, der hier eine Familie gründet: Christoffel, seit 3. 5.1687 Bürger, Brauer und Ackermann, Holzhäuserstraße 13; er heiratete in dieses Haus ein, als er am 2.12.1686 Catrina Gertrud Sösemann die Hand zum Ehebunde reichte. Sein Sohn Christian setzt den Stamm fort. Er ist Bürger, Brauer und Ackermann in seines Vaters Hause, seit 1716 auch Mitglied der Schmiedegilde. Obwohl zweifellos Bürger, wird er im Bürgereidbuch nicht genannt. Seit dem 12.6. 1727 verheiratet mit Maria Elisabeth Süper, hat er unter sieben Kindern zwei Söhne, die hier Familien gründen: Conrad und Wilhelm. Dieser ist seit 29. 4.1777 Bürger, Brauer und Ackermann im väterlichen Hause, seit 1796 aber Hagenstraße 6; er bekommt 1768 die Schmiedegilde geschenkt „durch' Accord, das Holz zum Bau des Gildenhauses zu fahren" und verheiratet sich am 19. 6.1777 mit Friederica Knoke, Tochter eines hiesigen Schmiedes. Sie schenkt ihm außer fünf Töchtern einen Sohn; ein Enkel Heidelmann wurde ihm hier nicht geboren. — Sein Bruder Conrad, seit 15. 1. 1760 Bürger, Brauer und Ackermann Braunschweiger Gasse 1 (Südteil), erweckt 1768 die Schmiedegilde seines Vaters und heiratet am 5.2.1760 Ilse Margarethe Saltzkahr, eine Tischlermeisterstochter. Deren Sohn Friedrich, Bürger, Brauer und Ackermann (im Bürgereidbuch nicht genannt), wohnt im väterlichen Hause und heiratet am 21.4.1807 Christine Sophie Ahrens, Witwe des Schafmeisters Christian Fahlbusch, und hatte drei Söhne, die zu hochzeitlichen Ehren gelangten: Heinrich, Wilhelm und Daniel. Wilhelm' der erst mit 31 Jahren die 13 Jahre ältere Ackermannswitwe Woltmann, geb. Niemeyer, eine Gastwirtstochter, heiratete und dadurch Hausherr Schaupenstiel 7 wurde, hatte keine Kinder. Heinrich, seit 22. 3. 1838 Bürger, Brauer und Ackermann, heiratete Charlotte Rolf, Tochter eines Ackerbürgers; unter seinen fünf Kindern war ein Sohn; einen Enkel, der den Namen Heidelmann hier weiterführt, hatte er nicht. Daniel, seit 10. 7.1841 Bürger und Bäckermeister Mühlenstraße 22, seit 1853 Neustadt 53, ließ sich am 21. 4. 1842 mit Christiane Isermeyer trauen; aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, die den Stamm fortsetzten: Wilhelm und Daniel.
 
Daniel, Bäckermeister und seit 1886 Gastwirt („Altdeutsche"), heiratete' dreimal: am 24.10. 1882 in Hamburg die dort geborene Northeimerin (beide Eltern waren aus Northeim) Johanne Berkhan; nach deren Tode reichte er am 5.8.1884 in Northeim Dorette Niemeyer, Tochter eines Ackerbürgers, die Hand. Als ihm auch diese Frau entrissen wurde, führte er die hiesige Kürschnerstochter Marie Wessel heim. Unter den neun Kindern aus diesen drei Ehen waren fünf Söhne, von denen Wilhelm als Bücherrevisor in Plauen/Vogtland heiratete und drei, nämlich Friedrich, Bernhard und Eduard, 1914/18 fielen; nur Franz, Elektromonteur, hat einen Sohn Bernhard, der die jüngste, die zehnte Generation des Geschlechts Heidelmann, in Northeim vertritt.
 
Daniels Bruder Wilhelm, Bäckermeister im väterlichen Hause Neustadt 53, war verheiratet mit Karoline Hoffmann — und dieses sind die Eltern unseres Altersjubilars Friedrich Heidelmann (geb. Northeim 15. 4.1888), seit dem 20.5. 1919 verheiratet mit Johanne Ahrens, einer Bäckermeisterstochter von der Neustadt.
 
Natürlich kann in einem solchen Ueberblick nicht die ganze Fülle der Geschehnisse auch nur angedeutet werden, die die Geschichte des Geschlechts Heidelmann ausmachen, das hier mehr als 300 Jahre überdauert hat, obwohl es mehrfach nur mit einem einzigen Vertreter den Fortbestand am Ort sichern konnte. Es muß aber auch gesagt werden, daß die Heidelmann-Töchter in vielen Northeimer Häusern die trefflichen Hausmütter waren und sind, so bei den Ahrens, Böttcher, Engelmann, Francke, Kaiser, Lüllemann, Niemeyer, Raulf, Reichert, Schleiß, Schwärzel, Sebode, Sievers, Sommer, Strangmann, Tacke, Vogelsang und Wessel. Dadurch kommt es, daß wohl jeder, der gebürtige Northeimer zu Großeltern hat, irgendwie mit den Heidelmann verwandt oder verschwägert oder doch weitschichtig versippt ist.
 
Wie sehr die Northeimer Stadtgeschichte der letzten 300 Jahre mit der Geschichte des Geschlechts Heidelmann verquickt ist, kann hier nur am Beispiel des Schützenwesens angedeutet werden. Der Stammvater Christian marschierte als junger Bürger und Gefreiter in der Schützen-Compagnie mit dieser vor 330 Jahren aus; er gehörte, wie wir aus seiner Charge erkennen können, schon jener Gemeinschaft an, die wir heute Bürgerschützengesellschaft nennen. Sein Ururenkel Friedrich, der heutige Senior des Geschlechts, hat sich als langjähriger Vorsitzender der BSG unvergeßliche Verdienste um sie erworben. Zwischen beiden stehen Generationen wackerer Heidel-männer und die große Zahl der Söhne von Heidelmanntöchtern, die als Northeimer Schützen dabei waren, wenn in Northeim Schüttenhoff vorbereitet, gefeiert und nachgefeiert wurde. 
Arn 24. 2. 1964 starb in Hardegsen der Rentner Louis Ebbrecht im Alter von 74 Jahren. Mit ihm ist eine Familie ausgestorben, die einmal eine bedeutende Rolle in Hardegsen gespielt hat. Sie stellte der Stadt Hardegsen im 17. und 18. Jahrhundert einen Pastor und drei Bürgermeister und war darüber hinaus im 18. Jahrhundert auch im Rat mehrerer anderer südhannoverscher Städte vertreten.
 
Es war mitten im Dreißigjährigen Kriege, als Adam Ebbrecht aus Bühle im Jahre 1629 die Rektorstelle der Hardegser Schule und 1633 die dortige zweite Pfarrstelle übernahm. 38 Jahre wirkte er in Hardegsen als Pfarrer und half unter den tüchtigen Superintendenten Julius Hartwig Reiche und Johann Georgius Schräder mit, das kirchliche Leben 4n der Stadt wieder aufzurichten. 1670 wurde er nach Lutterhausen berufen, wo er am 8. 8. 1678 verstarb. Sein Name und Beruf erinnern an den Augustinermönch Johannes Ebbrecht, der 1522 in Hullersen bei Einbeck als einer der ersten lutherischen Prediger in Südhannover auftrat. Da die Familie Ebbrecht schon seit dem Mittelalter im Räume Northeim und Umgebung zahlreich vertreten war, läßt sich eine nahe Verwandtschaft des Hardegser Pfarrers mit Prediger der Reformationszeit nicht nachweisen. Adam Ebbrecht heiratete in Hardegsen Ilsabeth Eggerdes (auch Eggers oder Eckhardt genannt). Sie stammte aus der wohlhabenden Lohgerberfamilie Eggerdes, die mehrfach im Hardegser Rat vertreten war und mit den berühmtesten Familien der Stadt, den Spangenbergs, den Letzners und Petreus verwandt war. Durch seine Heirat begründete Adam Ebbrecht den besonders aus Lehns-ländereien bestehenden Wohlstand seiner Familie.
 
Aus seiner Ehe gingen eine Reihe von Kindern hervor. Die beiden Töchter heirateten Hardegser Pastoren und Ratsherren. Im Jahre 1664 studierten zwei von seinen vier Söhnen, darunter auch der spätere Hardegser Bürgermeister Johann Ebbrecht. Auffallend sind die starken Bindungen der Familie Ebbrecht zur Stadt Münden, woher drei Söhne ihre Ehefrauen nahmen. Christoph Ebbrecht heiratete in Münden Anna Elisabeth Spangenberg aus der bedeutenden Mündener Bürgermeister und Beamtenfamilie. Später zog er wieder nach Hardegsen, wo er nach dem großen Brande von 1678 das stattliche Giebelhaus Lange Straße 23 (Haus Illemann/Seifert neben dem Rathaus) wieder aufbaute; von seinen Kindern ist der 1681 in Hardegsen geborene Johann Gabriel nach städtischen Akten sicherlich mit dem 1759 gestorbenen Northeimer Postmeister und Ratsherrn gleichen Namens identisch. Somit war auch dessen Sohn Otto Wilhelm Ebbrecht (1712 - 1779), der von 1749 bis 1779 Bürgermeister von Uslar war, ein naher Verwandter der Hardegser Bürgermeister! Er ist besonders durch seine Reimchronik, in der er über die Ereignisse des Siebenjährigen Krieges in der Stadt Uslar berichtete und seine Beschreibung der Stadt Uslar bekannt geworden. Ein Enkel des Northeimer Postmeisters war übrigens 1767 in Dänemark ansässig. Während Christoph Ebbrecht wieder von Münden nach Hardegsen zurückkehrte, blieb sein jüngster Bruder Julius Bernhard in Münden, nachdem er 1680 eine Tochter des Mündener Ratsherrn Johann Herberhausen geheiratet hatte. Als Kaufmann wurde er im 18. Jahrhundert Mündener Senator. Seine Familie, die zeitweise Essigbrauerei betrieb, war vermutlich noch um 1900 in Münden ansässig.
 
In Hardegsen war Johann Ebbrecht der erste Bürgermeister aus dieser Familie. Im Jahre 1653 konfirmiert, war er also um 1640 geboren. 1666 finden wir ihn auf der Helmstedter Universität. 15 Jahre später wurde er Hardegser Ratsherr, 1687 Stadtsekretär und 1688 nach dem Rücktritt des Bürgermeisters Paul Sartorius dessen Nachfolger im Bürgermeisteramt, wobei er als erster Bürgermeister das Amt des Stadtschreibers beibehielt. Er war auch der erste Bürgermeister, bei dem sich ein Studium nachweisen läßt. Johann Ebbrecht heiratete 1684 Anna Dorothea Herberhausen, eine Schwester seiner Mündener Schwägerin. Nach ihrem frühen Tode nahm er 1690 eine Tochter des Pastors Nicolaus Götze aus dem Nachbardorfe Hevensen zur Frau. Sie schenkte ihm am 9. Dez. 1690 den Stammhalter Johann Bernhard. Ein Jahr nach dem Tode seiner zweiten Frau starb Johann Ebbrecht im Oktober 1720 im Alter von 80 Jahren.
 
Johann Bernhard Ebbrecht studierte seit 1711 in Marburg die Rechtswissenschaft. 1719 heiratete er Anna Maria Magdalena Holschen, eine Pfarrerstochter aus Lutterhausen. Sein Vater konnte 1716 noch seine Ernennung zum Stadtsekretär herbeiführen. Da nunmehr aber nur noch ein Bürgermeister dem Hardegser Magistrat vorstehen sollte, wurde zunächst Johann Ebbrechts Mitbürgermeister Johann Domeier und anschließend dessen Sohn Christian Domeier, der gleichaltrig mit Johann Bernhard Ebbrecht war, Nachfolger Johann Ebbrechts. So kam es, daß Johann Ebbrecht von 1716 bis zum Tode Christian Domeiers im Jahre 1753, also 37 Jahre lang, nur das Stadtsekretariat bekleiden konnte und erst im Alter von 63 Jahren das Bürgermeisteramt übernahm, das er dann noch 16 Jahre ausüben sollte. In seine Amtszeit fielen die schweren Jahre des Siebenjährigen Krieges. 1760 schrieb deshalb Johann Bernhard Ebbrecht „wie sehr mir die schwierige Lage der Stadt Hardegsen durch die mehrfachen Einquartierungen und Bedrückung durch die französischen Truppen in meinem hohen Alter ans Herz treten müsse, wie gerne wünschte ich meine noch übrige Lebenszeit in Ruhe zuzubringen". Deshalb ließ er sich in diesem Jahre seinen Sohn und Nachfolger Johann Friedrich Ebbrecht als Bürgermeister beiordnen. Es darf noch bemerkt werden, daß sich Johann Bernhard Ebbrecht ebenso wie sein Uslarer Neffe und Amtskollege Otto Wilhelm Ebbrecht schriftstellerisch betätigte. Von ihm stammt die erste gedruckte Beschreibung der Stadt Hardegsen aus dem Jahre 1756. Er starb am 15. 3. 1769 im 79. Lebensjahre und wurde am 20. 3. beerdigt, „nachdem ihm als Bürgermeister einer althergebrachten Gewohnheit gemäß ein dreitägiges Trauergeläut vom 16. - 18. 3. von 11 bis 12 Uhr geschehen war". Seine Töchter heirateten den Hardegser Steuereinnehmer Henrich Zacharias Compe und den Hohnstedter Superintendenten Christian Heinrich Schilling.
 
Auf Johann Bernhard Ebbrecht folgte sein Sohn Johann Friedrich. Er war am 21. 1. 1722 geboren und am 10. 4. 1744 in Göttingen immatrikuliert worden. Durch seine Tätigkeit als Stadtsekretär seit 1752 und als beigeordneter Bürgermeister seit 1760 hatte er sich auf sein Amt vorbereitet. Am 30. 3. 1758 heiratete er Anna Regina Domeier, die Tochter des letzten Hardegser Bürgermeisters Domeier. Bei dem hohen Alter seines Vaters hatte er sich im Siebenjährigen Kriege manche Verdienste um die Stadt Hardegsen erworben. Einmal war er auch von den Franzosen als Geisel nach Münden fortgeführt worden. Wie der Hardegser Chronist Börries Ludewig Domeier jedoch 1813 erwähnt, sei er in seiner Eigenschaft als Richter1 zu nachsichtig und gelinde zum Nachteil des Ganzen und seines obrigkeitlichen Ansehens gewesen. Bei seinen beiden leicht aufsässigen Senatoren, dem Kämmerer Johann Friedrich Domeier und dem Postverwalter Johann Georg Jahns, konnte er sich nicht immer den nötigen Respekt verschaffen, obwohl der Erstere sein Schwager war und den Letzteren durch seine Stimme zum Senatorenamt verholfen hatte. Kurz vor seinem Tode durfte er es noch erleben, daß zur Behebung der durch den Siebenjährigen Krieg hervorgerufenen Notlage, die auch die Familie Ebbrecht zum Verkauf von Besitzungen veranlaßt hatte, im Jahre 1777 eine Linnenlegge in Hardegsen errichtet wurde. Johann Friedrich Ebbrecht erreichte nicht das hohe Alter seines Vaters und Großvaters. Am 13. 6. 1779 starb er nach einer siebenmonatigen Gichtkrankheit im Alter von 57 Jahren. Von sieben Töchtern überlebten nur drei den Vater. Eine Tochter heiratete 1784 den Einbecker Superintendenten Dietrich Lauenstein, eine andere 1794 den aus Einbeck stammenden Hardegser Senator Georg David Ernst, der 1799 zum Bürgermeister seiner Vaterstadt gewählt wurde.
 
Da Johann Friedrich Ebbrecht keinen Sohn hinterließ, war die Bürgermeisterfamilie Ebbrecht im Jahre 1779 in Hardegsen schon ausgestorben. Doch 1790 war wieder ein Ebbrecht in Hardegsen ansässig und bewarb sich um die erledigte Posthalterstelle. Es handelte sich um Adolf Ludwig, den 1728 geborenen jüngeren Bruder des letzten Bürgermeisters. Er konnte jedoch nicht die verlangte Sicherheit stellen. Der Bericht des Amtes Hardegsen vom 24. 3. 1790 gibt hierüber Aufschluß. „Der hiesige Kaufmann Ebbrecht ist ehemals in blühenden Glücksumständen gewesen, indem er eines reichen Kaufmanns Witwe zu Nienburg geheiratet und daselbst eine zeitlang dessen Geschäfte fortgesetzt. Derselbe ist aber teils durch eine schlecht geführte Wirtschaft und andernteils durch eine aus dem letzten Siebenjährigen Kriege herrührende unberichtigte Forderung an das englische Commissariat von etwa 50 000 (?) Talern dermaßen in Armut geraten, daß er und seine Familie gegenwärtig von der Prinzen königl. Hoheiten zu Göttingen Almosen genießet. Mit eigenem Vermögen wird derselbe -sicher keine hinlängliche Sicherheit zu beschaffen im Stande sein und die Hoffnung, solche durch Bürgschaft zu leisten, ist gleichfalls fehlgeschlagen". So erhielt er nicht die begehrte Stelle.
 
Seine Nachkommen lebten wieder in besseren Vermögensverhältnissen, doch die frühere Stellung der Familie Ebbrecht vermochten sie nie wieder einzunehmen. Als Bäckermeister waren zwei Ebbrechts vor 100 Jahren Bürgervorsteher in Hardegsen, aber ein Senatorenoder gar Bürgermeisteramt hat die Familie während des 19. Jahrhunderts in Hardegsen nicht mehr bekleidet. So ist die Familie Ebbrecht selbst ein Abbild der Geschichte der Stadt Hardegsen geworden — ein Abschnitt Hardegser Familiengeschichte, der nunmehr zu Ende gegangen ist.
Ende des 16. Jahrhunderts drang von Spanien und Frankreich eine neue Bartmode vor, die sich aber nur langsam durchsetzte. Hing der Bart bis dahin oft bis zum Gürtel stattlich herab, so ward er nun größtenteils geschoren, und nur ein Schnurrbart und Lippenbart blieben stehen. Diese Mode fand besonders in den protestantischen Geistlichen erbitterte Gegner und ward von ihnen „als eine Erfindung des Teufels der Sünde gegen den heiligen Geist (weil nämlich der Tempel Gottes, der Leib des Menschen dadurch geschändet werde") völlig gleichgestellt. Offenbar huldigte Martin Luther nicht dieser Ansicht, denn er ließ sich zeilebens mit Ausnahme seiner Wartburgzeit als Junker Jörg seinen Bart scheren. Auch die Päpste müssen ähnlich gedacht haben, denn sie geboten den „Geistlichen bei Androhung des Kirchenbannes das Abscheren des Bartes" und trugen selber keinen solchen.
 
Trotzdem die protestantischen Geistlichen von den Kanzeln mächtig gegen die neue Bartmode wetterten, setzte sie sich mit der Zeit immer mehr durch, und in den achtziger und neunziger Jahren des 16. Jahrhunderts kamen unter den „Elegants" die Unbärte immer mehr in Mißkredit, und immer mehr Landesherren setzten sich für ihre Beseitigung ein. So ließ z. B. Herzog Heinrich Julius (zugleich postulierter Bischof von Halberstadt) „seinen Hofleuten und Räthen die Bärte abschneiden, daß sie nur einen Zwickel behielten. Da ihm aber immer noch zu viele Langbärte übrig blieben, erließ er i. J. 1605 an den „Harz Embter Oberamtmann" Philipp Knochenhauer ein Reskript, in dem es u. a. heißt: .... „Demnach der Herr Curfürst zu Sachsen und Bruggraffe zu Magedburg unser freundlicher lieber Oheimt, Schwager, Bruder und Gefatter, wie auch wir unsere Unterbärte haben abschneiden lassen und solches von dir und allen unseren Beambten, Amtsschreibern und Voigten in deiner Inspektion gehabt haben wollen; Alß befehlen Wir dir hiermit in Gnaden, daß du Ihnen solches mit Ernste anzeigen lässest, daß ein jeder sich den Unterbardt mit dem Schermesser bei Verlust des Knebelbarts rein wegnehmen lasse."
 
Trotz aller fürstlichen Befehle hat sich aber die protestantische Geistlichkeit die Bärte nicht nehmen lassen. Sogar der Hofprediger des Herzogs Heinrich Julius, Dominicus Satler, „behielt seinen Bart bis an sein seliges Ende. Ja. . . . in den vierziger und fünfzier Jahren des 17. Jahrhunderts trugen die Prediger noch lange Unterbärte. . . . Am Ende des 17. Jahrhunderts waren nur Zwickel- und Lippenbärte (wie Herzog August selbst trug) zu sehen. Selbst auf der Kanzel erschien kein Langbart mehr. Auch jene Bartreste schwanden im Anfang des 18. Jahrhunderts."
 
So ist die Bart- wie auch die Haartracht von jeher der Mode unterworfen und sehr veränderlich gewesen. Wir dürfen also Hoffnung haben, daß die heutige Bart- und Haartracht kein Dauerzustand bleiben wird.
 
Ich habe nichts gegen Vollbärte, im Gegenteil. Aber der Bart und sein Besitzer müssen zu einander passen. Wenn eine „halbe Portion" von einem Jüngling einen „Vollbart" trägt, bei dem die Haare stehen wie bei armen Leuten das Sommerkorn", so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als sollte hier eine Männlichkeit vorgetäuscht werden, von der außer der Andeutung eines Vollbartes nicht die geringsten Spuren zu erkennen, sind.
 
Zu einem richtigen Vollbart gehört nun einmal ein üppiger Haarwuchs, ein kräftiger Körper und eine entsprechende Figur. Mit respektvollem Wohlgefallen ruhte in vergangenen Zeiten das Auge beispielsweise auf einem Förster mit wallendem Blondbart und kurzer Tabakspfeife, wie ihn Defregger so gern malte oder auf einem deftigen Seebären mit der damals üblichen „Seemannskrause" und ähnlichen Männern. Verglichen mit solchen Gestalten wirken viele der bärtigen Jünglinge von heute doch geradezu wie lächerliche Karikaturen. Es soll nicht bestritten werden, daß das nicht auf alle zutrifft. Es gibt auch unter den Jugendlichen solche, die sich mit ihren Bärten und Figuren wohl sehen lassen können.
 
In einer Zeit wie der unsrigen, in der der längst abgemeiert geglaubte Vollbart fröhliche Urständ feiert, dürfte es nicht uninteressant sein, sich einiges über die Geschichte der Bärte ins Gedächtnis zurückzurufen. Eines seltenen Exemplars von Bart aus der Zeit Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts möchte ich noch kurz gedenken. Dieser Bart gehörte dem Obergeschworenen Michael Hartzig in Andreasberg. Als im Jahre 1687 der Pastor Johann Georg Ellissen in Wollershausen seinem Vater, dem Pastor M. Georg Ellissen in Adreasberg andjungiert werden sollte, wollten einige der angesehensten Bürger das verhindern. Es kam zu einem regelrechten Aufruhr, in dessen Verlauf sogar der Gottesdienst gewaltsam verhindert wurde. Mit an der Spitze der Unruhestifter stand der Obergeschworene Michael Hartzig. Er wurde mit noch einigen anderen zur Rechenschaft gezogen und seines Amtes entsetzt. Nun war guter Rat teuer, und Hartzig flehte bei der Regierung in Hannover um Begnadigung und Wiedereinsetzung in sein Amt. Aber was die devotesten Gnadengesuche nicht erreichten, das bewirkte sein wunderbarer Bart. „Dieser Bart, der ihn einem unirdischen Weltweisen ähnlich machte, war eine Spanne dick und ein viertel Lachter (etwa 50 bis 60 cm) lang, weißgrau und glänzend, an beiden Seiten mit Knötchen versehen. „In diese Knötchen pflegte Hartzig, wie es die Jahreszeit mit sich brachte, wohlriechende Blumen oder Rosmarinstengel zu stecken." Mit diesem wunderbaren Barte reiste Hartzig nach Hannover, um den Herzog Ernst August (den späteren Kurfürsten) persönlich um Gnade zu bitten. Der Herzog wollte ihn zuerst gar nicht empfangen, wurde dann aber durch seine Tochter Sophie Charlotte umgestimmt. Er mußte zugestehen, daß in seinem ganzen Lande kein so großbärtiger Mann zu treffen sei und entließ den Bittsteller mit den Worten: „Um eures Bartes willen sollt ihr euren Dienst wieder haben!" Michael Hartzig „hielt fortan seinen Bart noch mehr in Ehren als früher. Jedes ausgekämmte Haar sammelte er in einer Schachtel und verwahrte diese mit der besonderen Bestimmung, daß sie einst mit ihm in den Sarg gelegt werden sollte. Er lebte nachher nicht sehr lange mehr, und sein Wunsch . . . ward bei seiner Bestattung erfüllt."
 
Nach dem „Neuen vaterländischen Archiv" 1825 waren die Bärte am Ende des 16. Jahrhunderts wieder einmal einer großen Revolution unterworfen. Bis ungefähr um das Jahr 1550 standen sie in unseren Gegenden in höchsten Ehren, und je stattlicher der Bart des Mannes, desto größer war sein Ansehen. Heinrich der Jüngere z. B. bekannt als der „böse Heinz von Wolfenbüttel", der letzte katholische Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, trug einen stattlichen schwarzen Bart. Wenn sein Sohn, der Herzog Julius (ein eifriger Förderer des Harzer Berg- und Hüttenwesens) einen ungleich schwächeren Bart als sein Vater hatte, so führten das manche Zeitgenossen auf die „schwächere Leibesbeschaffenheit" dieses Fürsten zurück.

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