Geschichte der Bibel

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Karlo Vegelahn

Geschichte der Bibel

aus verschiedenen Aufsätzen zusammengestellt


Holy Bible

Entstehungsgeschichte - rund 1500 Jahre. Das Wort „Bibel" leitet sich ab von „biblia", d.h., die  Bücher" (griech.). Die Bibel ist also eine Sammlung von Büchern. Sie gliedert sich ins „Alte Testament" (AT) und ins „Neue Testament" (NT). Seit dem 4. Jahrhundert hat sich die jetzige Gestalt des Kanons durchgesetzt. Es gibt eine griechische Übersetzung des AT, die "Septuaginta". Sie wurde um 250-150 n. Chr. in Ägypten um der zahlreichen dort ansässig gewesenen Juden willen angefertigt. Die Sage berichtet, daß siebzig (septuaginta = siebzig) Gelehrte unabhängig voneinander wörtlich übereinstimmend das AT übersetzt hätten. Der Text, welcher der Septuaginta zugrunde liegt, ist älter als der Text unserer hebräischen Bibeln. Die lateinische Übersetzung, die "Vulgata" (die allgemein verbreitete) hat innerhalb von zwanzig Jahren Hieronymus etwa seit 383 n. Chr. geleistet. Ihr Text, der eine Verbesserung der früheren Jtala" darstellt, hat in der römisch-katholischen Kirche kanonischen Rang, ist also den Grundtexten der Bibel gleichgestellt. Ins Gotische wurde im 4. Jahrhundert von dem westgotischen Bischof Ulfilas (oder Wulfilas) ein größerer Teil der Bibel übertragen. Bruchstücke aus den Evangelien werden als sogenannter „Codex argenteus" (silberner Codex) in der Universitätsbibliothek von Uppsala (Schweden) aufbewahrt.

 

Von vorreformatorischen Bibelübersetzungen gilt als die bedeutendste die von Wiclif die er in Zusammenarbeit mit Nikolaus von Herford zustande brachte. Luther hat seine überragende Bibelübersetzung in Zusammenarbeit mit Melanchthon - das NT hat Lutherselbständig aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt - 1534 vollendet und bis 1541 verbessert. Zu seinen Lebzeiten wurde sie zehnmal herausgegeben. dvSeitdem hat es immer wieder Bibelübersetzungen gegeben. Ich erinnere an die sprachlich originelle Übertragung des AT ins Deutsche von dem jüdischen Gelehrten Martin Buber, ferner an die "Mengebibel" und die "Zürcher Bibel". Neuerdings wird die revidierte Lutherbibel benutzt. In einer modernen einfühlsamen Sprache präsentiert sich die „Gute Nachricht", eine Übertragung des NT. Hans Bruns hat sich an die Eindeutschung des AT gewagt. Am meisten verbreitet ist die Übersetzung des NT durch den Stuttgarter Pfarrer Jörg Zink. Die Bibel bzw. Bibelteile sind in 2935 der rund 7000 Sprachen der Menschheit übersetzt worden. Die vollständige Bibel liegt freilich erst in 563 Sprachen vor. Volksgruppen in Afrika, Asien und Südamerika haben 1977 erstmals eine vollständige Bibel erhalten, z. B. die mexikanischen Indianer (Chol-Tumbala). Das NT gibt es in 1334 Sprachen, einzelne Bibelteile wurden in 1038 weitere Sprachen übertragen. Die Übersetzungsarbeit schreitet immer weiter voran, ebenso ihre Verbreitung: sie stieg seit 1971, wo bereits 171 Millionen Bibeln verbreitet waren, um 159 Millionen weiter an, d.h. auf 428 Millionen im Jahr 2014. Das wird an Luther deutlich. Ihm ist es in seiner Beschäftigung mit dem Grundtext immer zugleich darum gegangen, den Sinn einer biblischen Stelle in ihrem Zusammenhang zu finden. Er hat gesucht, um zu finden, anders als Picasso, der gesagt hat: „Ich suche nicht. Ich finde." Es gab bereits Bibelübersetzungen ins Deutsche vor Martin Luther. Es sind nicht weniger als 203 Handschriften bekannt, außerdem 18 gedruckte Vollbibeln, 22 Psalmenübersetzungen und 12 Drucke anderer Bibelteile. Die erste gedruckte Deutsche Bibel erschien vor 1466 in Straßburg. Herausgeber war Johann Mentelin (1447—1478) aus Schlettstadt. Ebenfalls in Straßburg erschien vor 1470 die Bibel des Magisters Heinrich Eggestein. Es folgte die Augsburger Bibel (um 1475) des Günther Zainer aus Reutlingen. In Nürnberg erschien 1476 die Bibel von Johann Sensenschmidt aus Eger und Magister Andreas Friesler aus Wunsiedel. Heinrich Quentel aus Straßburg gab um 1478 eine Bibel in Köln heraus. Sie ist in niederdeutscher Sprache abgefaßt und reich illustriert. Das oberdeutsche Gegenstück ist die Nürnberger Bibel Johann Kobergers (1483). Sie übernahm zahlreiche Holzschnitte der Kölner Bibel. Koberger beschäftigte zeitweise 100 Gesellen an 24 Pressen. In Lübeck erschien 1494 die Bibel von Steffen Arndes. Alle diese vorlutherischen deutschen Bibeln legten die lateinische Volksbibel (Vulgata) zugrunde, die auf den Kirchenvater Hieronymus zurückgeht. Das Deutsch ist sehr altertümlich, verwendet z.T. noch mittelhochdeutsche Wortformen, und steif, nach unserem heutigen Geschmack geradezu barbarisch. Der im 15.Jh. aus Italien vordringende Humanismus verlangte aber: zurück zu den Quellen! Das hieß für die Bibel: zurück zum Grundtext, dem Hebräischen für das Alte Testament (AT) und zum Griechischen für das NT. Martin Luther, durch die Schule des Erfurter Humanismus gegangen, entsprach dieser Forderung. Er erlernte die biblischen Grundsprachen. Die unfreiwillige Muße auf der Wartburg benutzte er zur Übersetzung des NT. Sie kam im September 1522 bei Melchior Lotter d.J. in Wittenberg heraus und heißt daher „Septemberbibel". Die 5000 Exemplare gingen reißend weg, obwohl der Preis (1 1/2 Gulden) dem eines Pferdes gleichkam. Überall gab's „Raubdrucke". Trotzdem mußte Luther bereits im Dezember 1522 eine Neuauflage (Dezemberbibel) herausbringen; er hat darin 574 Korrekturen vorgenommen. Nun ging Luther unterstützt von seinen Amtsbrüdern im Pfarramt und an der Universität, an die Übersetzung des AT. Schon 1523 erschienen die sog. Geschichtsbücher und die Psalmen (1524). Die Übersetzung der Prophetenbücher nahm 8 Jahre in Anspruch. Die ganze Bibel konnte 1534 erstmals erscheinen, nun bei Hans Lufft in Wittenberg. Der neue Verleger bemühte sich, Raubdrucke zu verhindern, aber es erschienen trotzdem nicht weniger als bis zur letzten Ausgabe von Luthers Hand (1545).Über die Grundsätze seiner Übersetzertätigkeit hat sich Luther mehrfach ausgesprochen, so im „Sendschreiben vom Dolmetschen", 1530, und „Von Ursachen des Dolmetschens", 1531. Er wollte volkstümlich sein im Text („Den Leuten aufs Maul schauen") und verbesserte ihn laufend — man kann also mit Recht sagen, die Revision der Lutherbibel beginnt schon bei Luther selbst. Luther war nicht nur ein tiefgründiger Theologe und Sprachgelehrter, sondern auch ein Meister der deutschen Sprache, ein begnadeter Dichter. Der Rhythmus und der Klang der Lutherbibel ist bis heute unerreicht. Mit der Bibel hat Luther den Deutschen ihr wichtigstes Sprachdenkmal gegeben. Er legte die sächsische Kanzleisprache zugrunde. Sein Bibeldeutsch wurde zum Einheitsband der Niederdeutschen und der Oberdeutschen. Das schloss aber keineswegs aus, dass Luthers Freund Bugenhagen zuerst Teile der Bibel und dann ab 1534 auch Vollbibeln in Niederdeutsch herausgebracht hat. Bis 1621 gab es nicht. weniger als 24 Ausgaben in Plattdeutsch. Bis in die Gegenwart hinein hat die Übersetzertätigkeit in die plattdeutsche Umgangsprache nicht aufgehört. Auch die Schweizer fühlten das Bedürfnis, manche Wendungen der Luther-Bibel, die für sie ungewohnt waren, durch alemannische Ausdrücke zu ersetzen. So entstand ab 1525 die Zürcher Bibel, gedruckt bei Froschauer. Man wartete das Erscheinen von Luthers Vollbibel nicht ab, sondern übersetzte die Propheten und die Apokryphen selbständig. Das war vor allem das Werk des Alttestamentlers Leo Jud. Aber Zwingli scharte noch weitere Mitarbeiter um sich, man nannte ihren Arbeitskreis „Prophezei". Sie wurde zur Vorform der Theologischen Fakultät der Züricher Universität. Schon 1529 war man mit der Übersetzung der ganzen Bibel fertig, also 5 Jahre vor Luther. Eine Zweitausgabe konnte bereits 1531 erscheinen, 1540 eine dritte. Die Sprache wurde dabei jeweils an die Veränderungen der Umgangssprache angepasst. Sehr stark ans Neuhochdeutsche lehnte sich die „Biblia" an, die der pietistische Pfarrer am Fraumünster, l.C. Ullrich, erarbeitet hatte (1755/56). Sie wurde nach ihm die „Ullrichsbibel" genannt. Die Anhänger der Aufklärung waren mit ihr ganz und gar nicht einverstanden. Sie sorgten dafür, dass die Revision der Züricher Bibel von 1772 ganz in aufklärerischem Geist erfolgte. Doch nach Beendigung der Revolutions- und napoleonischen Zeit hatte man von der Aufklärung genug. Die Neurevision von 1817 kehrte im Zeichen der „Erweckung" zu den alten biblischen Wahrheiten zurück. Eine weitere Revision war 1931 nötig. Sie wurde eine sprachlich hervorragende Leistung. Eine Neuauflage erfolgte 1954.Bern aber zog die Piscator-Bibel vor, die der Herborner Professor Johann Piscator (Fischer aus Straßburg, geb. 1546) um 1602/4 hat erscheinen lassen. Piscator strebte wörtliche Übersetzung des Urtextes an. Die Folge war ein recht unbeholfenes Deutsch. Die Piscatorsche Berner Kirchenbibel erschien 1845 (NT) und 1848 (AT) zum letzten Mal, dann übernahmen auch die Berner die Zürcher Bibel in ihrer revidierten Gestalt.Luthers Gegner Emser brachte 1527 eine NT-Übersetzung heraus. Sie wollte Luther widerlegen, beutete ihn aber ausgiebig aus. Emser legte die Vulgata zugrunde, die doch selber eine Tochterübersetzung war. Ein weiterer Luthergegner, Johann Eck, Professor in Ingolstadt, ließ 1537 eine NT-Übersetzung erscheinen. Er schrieb Emser und Luther aus, aber in einem miserablen Deutsch. Trotzdem erlebte das Werk mehrere Auflagen. Der Dominikaner Dietenberger hatte bereits 1534 eine Vollbibel herausgebracht (Mainz), er lehnte sich im AT an Leo Jud, im NT an Emser und Luther an.Caspar Ulenberg verbesserte sie (Köln 1630), eine weitere Bearbeitung von Mainzer Theologen erschien 1662 in Köln.Eine weitere Bearbeitung schuf Th. Aug. Erhard in Augsburg (1722).Die Benediktiner von Ettenheimmünster (Südbaden) brachten 1751 in Konstanz eine Vollbibel heraus.Die Bibel von H. Braun (Augsburg 1788-1805) wurde von M. Feder von 1803 an verbessert und erschien in Nürnberg. Zahlreiche Auflagen, bis in die Gegenwart hinein, erlebte die Übersetzung von J.-Friedrich Allioli, Professor in Landshut und München, zuletzt Dompropst in Augsburg (1793 — 18 3). Sie erschien in 6 Bänden. Das NT wurde 1947 von Karl Thieme neu bearbeitet, noch 1966 kam eine weitere Neubearbeitung von E. Beck und G. Müller heraus. Karl und Leander van Eß schufen 1807 eine NT-Übersetzung, 1839 kam eine solche des AT hinzu. Hier war der Grundtext maßgebend. Die katholische Bibelgesellschaft für das Eichsfeld übernahm die Verbreitung. Die Mainzer Grünewald-Bibel geht auf E. Dimmler, P. Rießler und R. Storr zurück (12. Aufl. 1956). Auch die Vollbibel von E. Henne (AT) und E. Rösch, erstmals Paderborn 1921, erlebte 1956 die 12. Auflage. Pius Parsch (1884-1954) hat zusammen mit J. Gabriel und J. Edmayer und L. Schabes die Klosterneuburger Vollbibel (ab 1934) geschaffen. Eine „Familienbibel" verfaßten Vinzenz Hamp, Meinrad Stenzel (AT) und Josef Kürzinger — mit Holzschnitten. Sie erschien, ohne Jahr — im Pattloch-Verlag Aschaffenburg, im Katholischen Bibelwerk Stuttgart und im Borromaus-Verein in Bonn. Eine katholische „Hausbibel" gab es 1947 in Zürich. Die Übersetzer sind Th. Schwegler, F A. Herzog, H. Haag und J. Perk . Von Perk stammt auch eine selbständige NT-Übersetzung (Düsseldorf 1947). Der Rottenburger Bischof P. W. Keppler(1852 - 1926) ist der Verfasser einer NT-Übersetzung, die 1915 erstmals erschien. In der Bearbeitung von V. Schweizer und P. Ketter erreichte sie 1950 bereits das 1 025. Tausend. F. Tillmann schuf das „Bonner NT" in 10 Bänden, erstmals 1912, die 4. Auflage erschien 1931. Die Neubearbeitung von Becker erlebte bis 1966 zwei Auflagen. Eine kleinere Ausgabe erschien 1927, die Zweitauflage 1947. Otto Karrer gab 1950 eine sprachlich hervorragende Übersetzung des NT heraus, Neuauflage 1973.Franz Sigge (1950), A. Zwettler (1960) und Fr. Streicher (1964) folgten. Der Freiburger Herder-Verlag gab 1968 die „Jerusalemer Bibel" heraus. Der Name hängt zusammen mit der von französischen Dominikanern 1890 in Jerusalem gegründeten Ecole Biblique. Nach einer wissenschaftlichen Ausgabe in 43 Teilbänden wurde 1956 eine französische Volksausgabe mit Erläuterungen herausgebracht. Diese Erläuterungen sind in der Freiburger Jerusalem-Bibel verarbeitet. Diese ist 1800 Seiten stark, zuzüglich ein Anhang von 54 Seiten. Bearbeiter sind Diego Arenhoevel und die beiden Freiburger Bibel Professoren Alfons Deißler (AT) und Anton Vögtle (NT). Im Jahre 1973 war schon die 5. Auflage erreicht. Der deutsche Bibeltext wurde übernommen von der im selben Verlag erschienenen „Hl. Schrift, für das Leben erklärt" von E. Kalt und W. Lauck, 16 Bände von 1935 an, mit. Die katholischen Bischöfe Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, Luxemburgs, der Bischof von Lüttich (für die deutschsprechenden Belgier in Eupen-Malmedy, St. Vith), der Bischof von Brixen-Bozen (für die Südtiroler) beriefen eine Kommission mit dem Auftrag, eine Einheitsübersetzung der Hl. Schrift zu erarbeiten. Außer Theologen beider Konfessionen wurden auch Germanisten und Schriftsteller, wie etwa Heinrich Böll, berufen. Auch Prof. Jens -Tübingen, von dem noch die Rede sein wird, arbeitete mit. Ab 1970 erschien das AT in einzelnen Bänden, 1974 war die Übersetzung vollständig. Ab 1972 erschien dann das NT, die 4. Auflage bereits 1973, jeweils in der Katholischen Bibelanstalt Stuttgart. Ein vielbändiges Lektionar für den Gottesdienst erschien dann in verschiedenen Verlagen. Es gingen rund 15000 Verbesserungsvorschläge ein. Sie wurden in der Endfassung des NT, 1969, verarbeitet. Kardinal Höffner hat sie am 2. Oktober 1969 im Fernsehen vorgestellt. Auch Prof. Lohse, Landesbischof von Hannover und Ratsvorsitzender der Evang. Kirche in Deutschland, von Hause aus Neutestamentler, hat das Werk offiziell begrüßt und gelobt. Da auch die Gesellschaft für Deutsche Sprache, Wiesbaden, mitarbeitete, ist ein gutes, gehobenes Deutsch zustande gekommen. Fremdwörter wurden tunlichst vermieden. Obwohl keine Rücksicht auf den Klang und Rhythmus der Lutherbibel genommen werden mußte, ist eine gute Übersetzung zustande gekommen, wirklich ein Einheitsband aller deutsch sprechenden Katholiken. Auch jüdische Theologen betätigten sich als Übersetzer des AT ins Deutsche. Sie wurden alle überboten durch Martin Buber und Franz Rosenzweig. Hier wirkt der Grundtext bis in neue deutsche Wortprägungen hinein. Diese Übersetzung erschien erstmals 1925/29. Ein Neudruck wurde 1956/5 veranstaltet.Bereits im Zeitalter der lutherischen Orthodoxie (Rechtgläubigkeit — ab 1580) erschienen zahlreiche Neubearbeitungen der Lutherbibel. Sie aufzuzählen, hätte nur antiquarischen Wert. Als August Hermann Francke in Halle/Saale Versuche zu einer Neuübersetzung im Geiste des Pietismus unternahm, wurde er von orthodox-lutherischer Seite sofort scharf angegriffen. Denn jede Übersetzung ist immer zugleich eine Auslegung. Doch sein Schüler, der Reichsgraf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, machte sich an die Übersetzung des NT (Ebersdorfer Bibel 1726). Die Rechtgläubigkeit konnte man nicht bestreiten, doch stieß man sich „am kavaliersmäßigen Ton". Der mystische Pietismus meldete sich in der Übersetzung von H. Horche (Marburg 1712) und noch mehr in der Berleburger Bibel von F. J. Haug, 1726—49, in acht Bänden. Hier wurde — ganz im Sinne Jakob Böhmes — der Urmensch Adam vor der Erschaffung Evas „aus seiner Seite" als doppelgeschlechtlich geschildert. Von diesen Absonderlichkeiten ist die NT-Übersetzung des nüchternen schwäbischen Klosterpräzeptors Johann Albrecht Bengel (1753) frei. Dieses Werk, 650 Seiten stark, ist immer noch im Buchhandel! Bengel war zu seiner Zeit einer der besten Kenner der Handschriften des NT. Das kam seiner Auslegungskunst zugute. Eine Kurzauslegung schrieb er in seinem „Gnomon des NT" (Fingerzeig) in lateinischer Sprache. Das Werk erlebte viele Auflagen bis in die Gegenwart hinein. John Wesley, John "hat den „Gnomon" ganz besonders geschätzt. Es wurde auch eine deutsche Übersetzung geschaffen. Die „Aufklärer" betätigten sich auch bei der Bibelübersetzung. Der „radikale Kandidat" J. L. Schmidt ist der Verfasser der Wertheimer Bibel von 1735, die über die 5 Bücher Mosis nicht hinauskam. Es schritt nämlich der „Reichshofrat" dagegen ein. Der Kandidat war Hofmeister der Gräfin von Wertheim-Freudenberg. Der Graf mußte Schmidt einsperren, er gab ihm aber Gelegenheit zur Flucht, die dieser auch wahrnahm. Er „tauchte unter" und lebte unter anderem. Namen in Wolfenbüttel. Seine „vernunftgläubige" Auslegung zeigt sich in der Übersetzung von 1. Mose 19, 26: „Lots Frau blieb zurück und sähe sich eine Weile um, wurde aber vom Feuer ergriffen und lag nachgehends da, von harzigtem Dampf angelaufen und erstarrt, wie ein steinernes Bild". Schmidts Geschmacklosigkeiten wurden noch weit überboten von C. F. Bahrdts „Neuesten Offenbarungen Gottes, verteutscht", Riga 1734 Bände, 3. Aufl., Berlin 1783. Als Kostprobe diene die Übersetzung der Seligpreisung Matth. 5, 4: „Wohl denen, welche die süßen Melancholien der Tugend den rauschenden Festen des Lasters vorziehen, sie werden reichlich dafür getröstet werden". Bahrdt (1741-92), Prof. in Erfurt und Gießen, dann Leiter des „Philanthropins" in Marschlins (Graubünden), Generalsuperintendent in Dürkheim/Pfalz, dann wieder Professor in Halle/Saale, wo er unter riesigem Zulauf las, war zuletzt Gastwirt in Nietleben bei Halle. Er gilt als das „enfant terrible" der Aufklärung. Goethe hat sein Gehabe im „Prolog" von 1774 verspottet. Einen einseitigen Parteistandpunkt nahmen auch im 20. Jh. die „Deutschen Christen" ein. Dieser äußerte sich außer in ihren Predigten und Reden bei Massenversammlungen auch in eigenwilligen Übersetzungsversuchen. Als Beispiel diene das von dem damaligen Landesbischof von Bremen, Lic. Dr. Weidemann, herausgegebene Johannesevangelium (Bremen 1936). Es ist eine Gemeinschaftsarbeit. Als Motto steht voran: „Alle Buchstabilisten dürfen sich an uns ärgern!" Ähnliche Versuche gab und gibt es bei den „Religiösen Sozialisten" nach dem Ersten und Zeiten Weltkrieg. Heute wird die Forderung nach einer „materialistischen Auslegung der Bibel lautstark erhoben. Ernst Bloch hat sie bereits vorher praktiziert in seinem „Prinzip Hoffnung" (1959) und „Atheismus im Christentum" (1968). Die „Basisbibel" von Arnulf Zittelmann, Weinheim, 1972, übersetzt die Bibel im Jargon der „Jungen Linken". Jesus ist in erster Linie Revolutionär: er trat auf mit der Befreiungsbotschaft: "Der, Befreiungstheologie" fühlt sich auch Walter Jens, der Inhaber des traditionellen Lehrstuhls für Rhetorik in Tübingen, der nach dieser Tradition ein klassischer Philologe sein muß, verpflichtet. Das kommt nicht nur zum Ausdruck in der Widmung seiner Matthäusübersetzung an den damals noch lebenden Ernst Bloch, sondern auch in dem der Übersetzung angehefteten Zitat aus Blochs „Traktat zum Frieden": „Denkbar wäre sie schon, die große christliche Revolution, der Kommunismus der Liebe, der Erlösungsstrom, der alles hinwegfegt, mächtig fließend und nicht zu hemmen: die Rebellion der Rebellionen, die alle anderen Veränderungen weit übertrifft und zu der der Christ, der die Verheißung gehört hat, aufgerufen ist aufgerufen, die Gewißheit seiner Hoffnung schon in der Gegenwart zu praktizieren". Ich lege die 2. Auflage 1972 zugrundeKehren wir nunmehr zu den „unpolitischen" Bibelübersetzungen zurück! Im beginnenden 19. Jh. brachte Wilhelm Martin Leberecht de Wette (1780 — 1849) - damals Prof. in Heidelberg - dann in Berlin und Basel eine Übersetzung des AT (1809) und dann des NT (1814) heraus. Der preußische Diplomat Christian Josias von Bunsen (1791 —1860) veröffentlichte von 1858 ab ein „Vollständiges Bibelwerk für die Gemeinde". Es wuchs auf 9 Bände an. Der Theologieprofessor Heinrich Holtzmann (in Heidelberg und Straßburg) brachte nach Bunsens Tod das umfangreiche Bibelwerk zum Abschluß (1870). Eduard Reuß (1809 -1891), Professor für AT in Straßburg, gab von 1874-1881 eine französische AT-Übersetzung in 16 Bänden heraus. Der Erfolg bewog ihn, eine deutsche Übersetzung zu wagen. Sie erschien von 1892-1894 in Braunschweig, besorgt von seinen Schülern Horst und Erichsohn. Gleichzeitig brachte Emil Kautzsch (1841 -1910), Prof. für AT in Basel, Tübingen und Berlin, unter „Mitwirkung zahlreicher Fachgenossen" eine Übersetzung des AT zustande (1890-94). Sie erlebte — bis in die Gegenwart - zahlreiche Auflagen.Das weitverbreitete NT von Carl Heinrich von Weizsäcker in Tübingen (1822-99) erstmals 1875 — wurde 1899 mit dieser AT-Übersetzung zur „Textbibel" kombiniert. Neben diesen Neuübersetzungen lief dieRevision der Lutherbibel einher. Luther hat selbst den Anstoß dazu gegeben, wie wir schon sagten. Die deutsche Sprache wandelt sich, wie jede gesprochene Sprache. Schon im 17. und 18. Jh. wurde Bibelrevision betrieben. Nach dem Aufkommen der Bibelgesellschaften hatte bald jede einen anderen Luthertext. Es gibt mindestens 12 Varianten. Es bestand die Gefahr, daß das Einheitsband des Protestantismus und darüber hinaus der deutschen Kultur zerschliß. Der hallenser Bibliothekar H. E. Bindseil hatte 1836 für die Cansteinsche Bibelgesellschaft eine Textrevision durchgeführt. Er verfaßte zusammen mit H.A. Niemeyer darüber ein Werk in 7 Bänden (1840—55). Der Hamburger Pfarrer C. Mönkeberg verlangte in mehreren Programmschriften eine durchgehende Revision. Bei der seit 1852 bestehenden Eisenacher Konferenz der Kirchenregierungen fand er Gehör. Die Kirchentage von Stuttgart (1857) und Hamburg (1858) und die Eisenacher Konferenzen von 1861 und 1868 trieben das Projekt voran.Eine Revisionskommission wurde eingesetzt. Sie brachte 1883 eine Probebibel heraus. Sofort setzten die Proteststürme von beiden Seiten ein. Diese Einwände wurden verarbeitet. So kam 1891 die „Durchgesehene Bibel" zustande. Sie enthielt aber immer noch viele altertümliche Wendungen, so z.B. „zween" für „zwei". Schon 1912 war eine Neurevision nötig. Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Revision wieder in Gang. Doch bekam jetzt die konservative Front starken Zuzug durch bewußt evangelische Dichter wie Rudolf Alexander Schröder, Jochen Klepper und Kurt Ihlenfeld. Symptomatisch war ein Zusammenstoß zwischen Schröder und Prof. Hans Lietzmann-Berlin, einem Mitglied der Revisionskommission, in Wittenberg (1936). Schröder erhob allen Ernstes die Forderung einer vorbehaltlosen Rückkehr zum Deutsch der Lutherbibel. Das hätte die Aufgabe der Bibel als Volksbuch bedeutet. Denn die Lutherbibel in ihrer unveränderten Gestalt nötigt die wissenschaftliche Beschäftigung mit der deutschen Sprache (Germanistik) auf, und diese kann man nicht einmal den „Intellektuellen", geschweige denn dem „Volk", zumuten. Als 1938 das „Probetestament" erschien, fasste der Kreis um R. A. Schröder seine Einwände zusammen in dem Sammelband „Die Stunde des Christentums" (1939). Der Dichterkreis verwies auf das sehr konservative englische Volk, das unentwegt an der King-James-Version von 1611festhalte. Das „altmodische" Englisch aus der Zeit Shakespeares störe es nicht. Das war aber nur bedingt richtig. Denn in den USA hatte es bereits 18 0 eine Revision gegeben, 1900 erschien ein neues NT, 1901 dann die ganze Bibel (American Standard-Version). Gewiss liebten die Engländer dieses amerikanische Bibel-Englisch nicht. Aber trotzdem gab es auch im Mutterland eine Bibelrevision. Das NT erschien 1881, das AT 1885. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die „Revised Standard Version" geschaffen (NT-1946, AT-1952). Dieses NT wurde 1961 und 1970 erneut revidiert, 1970 erschien dann die Gesamtbibel. Der Absatz war reißend. Die konservativen Engländer waren begeistert. Viele Nachdrucke waren nötig. Auch die Amerikaner revidierten erneut, 1946 erschien das NT in New York, das AT folgte 1952, die Apokryphen 1957.Die Revisionsarbeit an der Lutherbibel ging weiter. 1949 war ein neuer Revisionsentwurf fertig. Daraus wurde der revidierte Text des NT von 1956 erarbeitet. Der für das AT folgte 1964. Vielen galten diese Entwürfe als viel zu konservativ. So beschloss der Rat der EKiD 1970, einen neuen Entwurf zu wagen. Der Probedruck von 1974 wurde an die Landeskirchen, Theologischen Fakultäten und Bibelgesellschaften versandt. Mehrere tausend Abänderungsvorschläge wurden gemacht. Im August 19 wurden Änderungen beschlossen, im Mai 1978 erfolgte der Neudruck. Die endgültige Entscheidung soll 1982 erfolgen.Viele, mit diesen Revisionen aus den geschilderten Gründen unzufrieden, griffen zu vollständigen Neuübersetzungen. Eine solche ist die Elberfelder Bibel (1871). Sie geht auf den Lehrer Carl Brockhaus (1822-99) zurück. Er hatte eine „Bekehrung" im Geiste des englischen Theologen John Nelson Darby (1800-1882) erlebt. Diese Übersetzung will wörtlich sein, das geht aber notwendigerweise auf Kosten des Stils. Übersetzungen des NT (1855) und der Psalmen (1859) waren vorausgegangen. Auch hier waren Revisionen nötig, die letzte erfolgte 1974. In Gemeinschaftskreisen sehr beliebt ist auch die Übersetzung von Franz Eugen Schlachter (1859—1911). Er stammte aus Mühlhausen/Elsaß, war zuerst Kaufmann, besuchte dann die Predigerschule Basel und wirkte dann als Evangelist. 1908 wurde er Pfarrer der Freien Gemeinde Bern. Er gab 1905 eine „Miniaturbibel" heraus, sie erlebte 13 Auflagen. Die Württembergische Bibelgesellschaft nahm sie 1916 in Verlag. Hermann Menge (1841-1939) aus Bad Seesen am Harz war zuletzt Gymnasialdirektor in Goslar. Er gab ein vielgebrauchtes Griechisch-deutsches Wörterbuch heraus. Bereits 1900 pensioniert, machte sich der versierte Gräcist an die Übersetzung des NT. Sie war ein voller Erfolg. Ersterscheinung 1909 in Braunschweig, seit 1923 im Verlag der Württembergischen Bibelgesellschaft. Der Erfolg bewog Menge, auch noch das Hebräische zu erlernen. Die AT-Übersetzung war 1926 fertig. Auch sie erlebte viele Auflagen. Menge versuchte eine wortgetreue und doch stilvolle Übertragung, gerade diese Aufgabe mußte den erfahrenen Schulmann reizen. Hans Bruns (1895-1971) war nach Pfarrämtern in Drochtersen bei Stade und Hollen bei Leer seit 1936 Leiter des Neu-Vandsburger Diakonissenhauses in Marburg/Lahn. Er betätigte sich auch als Evangelist. Er veröffentlichte 1961 eine Psalmenübersetzung, im selben Jahr noch die Psalmen mit dem NT. Im Jahre 1965 war schon das 261. - 266. Tausend erreicht. Die 14. Auflage von 1978 ist noch im Handel. Die evangelistische Sprache formt weithin die Wortwahl Neuere Übersetzungen des NT gibt es viele. Kurt Stage (1866 -1931), Pfarrer in Berlin und Hamburg, seit 1903 Hauptpastor an St. Katharinen, legte 1896 ein NT vor „in der Sprache unserer Zeit", das der Reclam-Verlag übernommen hat.Karl Heinrich Wiese (1855-1937) gab sein NT 1905 heraus. Er musste 1908 wegen Krankheit sein Pfarramt aufgeben, in Bonn und Göttingen arbeitete er an seinem Lebenswerk weiter und gab auch eine Hiob-Übersetzung heraus. Der Berliner Professor für NT, Bernhard Weiß, legte 1908 ein NT in zwei Bänden vor, 1909 gab es eine Taschenausgabe. Ludwig Albrecht (1861-1931), seit 1889 im Dienst der altapostolischen Gemeinde, zuletzt in Bremen, legte 1920 ein NT vor; es wird heute noch in der 11. Auflage angeboten. Oskar Holtzmann (1859-1934) veröffentlichte 1926 ein NT mit Kurzkommentar in zwei Bänden.Adolf Schlatter, der aus St. Gallen stammende Tübinger Neutestamentier (1852-1938), legte 1931 seine NT-Übersetzung vor. Wilhelm Michaelis, Professor für NT in Bern, brachte 1934/35 eine zweibändige NT-Übersetzung heraus. Sie war bestimmt, die Übersetzung von Heinrich Schmidt (1919) abzulösen. Friedrich Pfäfflin, zuletzt Dekan in Brakkenheim (Wttbg), trat 1935 hervor mit einem NT „in der Sprache der Gegenwart", die . Auflage erschien 1965.Schließlich übersetzte auch Theodor Schlatter, württembergischer Prälat, auf den Spuren des Vaters, 1955 das NT. Ludwig Thimme (1873—1963), zeitweise Diakonissenhauspfarrer in Marburg, ließ 1946 sein NT erscheinen, die letzte Auflage datiert von 1966. Gemeinschaftskreise schätzen diese Übersetzung sehr. Ein Bestseller unserer Tage ist die „Übertragung" des NT durch den Stuttgarter Pfarrer Jörg Zink. Vorausgegangen war 1963 das Andachtsbuch „Wovon wir leben können". Es brachte Neu-Übersetzungen biblischer Texte, die großen Anklang fanden. Das ermutigte zur Übertragung des ganzen NT. Es erschienen allein 1965 drei Auflagen mit 225000 Exemplaren. Die 20. Auflage kam 1980 heraus. Doch gab es von wissenschaftlicher Seite auch manche Kritik. Zink erreicht daher viele Menschen, die religiös ansprechbar sind. Aber er hat die Wirklichkeit der Bibel ebenso reduziert, wie die Härte des modernen Lebens. Er mutet den Menschen weniger zu als die Bibel."In zwei Verlagen, einem evangelischen und katholischen, kam 1972 die Fotobibel heraus (Quell-Verlag Stuttgart, Butzon und Bercker, Kevelaer). Der Obertitel lautet: Das neue Testament für Menschen unserer Zeit. 185 ganzseitige Fotos sollen den Text verdeutlichen. Bedenklich ist, wenn neben Matth. 12, 36 („Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, müssen sie Rechenschaft geben"), ein Foto vom Bonner Bundestag erscheint. Doch werden von Auflage zu Auflage Bilder ausgetauscht und der Text verbessert. Dabei wird wie bei Zink sehr oft die Wucht biblischer Aussagen ermäßigt. „Sünde" wird durch Schuld ersetzt, Glaube durch Vertrauen, Gerechtigkeit durch Frömmigkeit, „offenbaren" wird vermieden und durch Umschreibungen ersetzt. Aber Offenbarungseide müssen nach wie vor vor Gericht beschworen werden und jeder weiß, was gemeint ist. Ebenso wird Verwerfen vermieden, aber von Verwerfungen berichtet jede Zeitung im geologischen Sinn etwa bei Erdbeben. „Selig" wird durch glücklich oder gesegnet umgangen. Bei Riethmüller wird der „Nächste" durch „Mitmensch" ersetzt, Bannach behält den „Nächsten" bei. Riethmüller behält den „Jünger" bei, Bannach ersetzt ihn. Otto Kehr, der die Offenbarung übersetzt hat, ist dabei sehr weitschweifig verfahren: 1, 2: „Er hat schauen dürfen", 3, 4: „Sie dürfen mich in weißen Kleidern begleiten". Anstatt von: „ich weinte sehr" heißt es 5,4: „Da brach ich in lautes Weinen aus". In 2, 14 werden Balak und Bileam nicht erklärt, dasselbe geschieht mit Harmagedon in 16,16. Apostelgeschichte und Hebr. 11 bleiben ohne jeden Hinweis auf das AT. Ebenfalls in katholischen und evangelischen Verlagen erschien das NT von Ulrich Wilckens, Professor für NT in Hamburg, 2. Aufl. 1972, und zwar im Hamburger Furche-Verlag und dem Theologischen Verlag in Zürich, sowie dem Benziger-Verlag in Köln und Zürich.Außer den evangelischen Praktischen Theologen Jetter und Lange hat der katholische NT-Professor Rudolf Pesch beratend mitgewirkt. Wilckens hält sich oft peinlich genau an den Grundtext und bringt doch ein gutes Umgangsdeutsch zustande.. Die Erklärungen und Anmerkungen sind als gelungen zu bezeichnen.Die „Gute Nachricht" hat eine amerikanische Vorgeschichte. Robert C. Bratcher von der Amerikanischen Bibelgesellschaft veröffentlichte 1965 Good News for Modern Man, Today's English Version (TEV). Ein Team von Journalisten und Theologen brachte 1967 in der Württembergischen Bibelanstalt heraus: „Gute Nachricht für Sie — NT 68". 360000 Exemplare wurden verkauft. Die Übersetzung wollte nicht umschreibend, sondern „dynamisch" sein. Die Übersetzung wurde heftig kritisiert. Das führte dann zu zahlreichen Verbesserungen, Die dritte Auflage erschien dann mit verändertem Titel: „Gute Nachricht". Bis Ende 1973 wurden 400000 Exemplare verbreitet. Die vierte Auflage ist von 1976. Evangelische und katholische. Bibelgesellschaften haben sie herausgebracht. Sie ist also ökumenisch. Die Übersetzer werden auf S. 586 aufgeführt, unter ihnen sind auch der Benediktiner Benedikt Schwank und der Dominikaner Anton Steiner. Schon die Übersetzung von Evangelium mit „Gute Nachricht" ist bedenklich, denn das Evangelium will ja ergreifen, will persönliche Beteiligung, eine „Nachricht" verlangt das nicht unbedingt. Ein Nachricht kann den Empfänger kalt lassen, selbst wenn er sie weitergibt. Die „Gute Nachricht" weist also den Menschen ein Mitwirken zu. Eine Abschwächung der neutestamentlichen Aussagen, in der Absicht, sie dem Menschen unserer Tage mundgerechter zu machen, ist unverkennbar. Leider geht das sehr oft auf Kosten der religiösen Substanz. Auch das Alte Testament oder Teile davon erlebten in den letzten Jahrzehnten Neuübersetzungen. Es sei hingewiesen aufJörg Zink: Das Alte Testament (1. Aufl. 1. - 30. Tausend) 1966. Es ist eine Auswahl, die, wie Perlen an einer Perlenschnur, aufgereiht ist an der Geschichte Israels. Der deutsche Übersetzungstext lehnt sich weithin an den Revisionstext von 1964 an. Gleichzeitig arbeiteten Hanns-Martin Lutz, Hermann Timm und Eike Christian Hirsch an einem ähnlichen Unternehmen; sie konnten ihre Arbeit aber erst 1970 im Piper-Verlag in München veröffentlichen: „Altes Testament, Einführungen, Texte, Kommentare". Gerhard von Rad hat das Vorwort geschrieben. Apokryphe Stücke sind nicht verwendet. Das Buch Daniel beschließt das Werk von 580 Seiten. Auch die „Gute Nachricht" bekam 1977 einen AT-Teil von 720 Seiten. Er hält sich an die Reihenfolge der biblischen Bücher. Aus ihnen wird eine Auswahl geboten. diese Übersetzung mutet doch recht aufklärerisch an. Zum Schluß sei noch eine Psalmenübersetzung besprochen, die 1972 — wieder ökumenisch — erschienen ist im Neukirchener Verlag und bei Benziger. Verfasser sind E. Gerstenberger, Konrad Jutzler und H. J. Boecker. Das Vorwort schrieb der Heidelberger Alttestamentier Hans Walter Wolff. Überall liegen Abschwächungen der religiösen Aussage vor. Die satten biblischen Bilder verblassen. Aber vielleicht kann diese oft recht blasse Übersetzung zum Luthertext hinführen, der ihr sprachlich und inhaltlich weit überlegen ist.Es sei zum Schluß noch auf weitere Hilfsmittel zum Bibelstudium hingewiesen für solche Bibelleser, die die biblischen Ursprachen nicht erlernt haben und für die daher die wissenschaftlichen Kommentare einen unnötigen Ballast darstellen. Da ist die „Bibelhilfe für die Gemeinde", herausgegeben von Erich Stange, 1935 ff. Mitarbeiter waren Herzberg, Jepsen, Kroeker, Herbst, Schütz, Smidt, Emil Brunner, Burkhardt, Le Seur, Puttkammer, Knappe, Schneider, Lilje, mit vielen Neuauflagen nach 1945. Ein schweizerisches Parallelunternehmen ist die „Prophezei, Bibelwerk für die Gemeinde", Zürich 1942/49. Mitarbeiter sind Zimmerli, Robert Brunner, Kühner, Michaelis, Spörri, Gaugler, Meyer, Maurer, Bieder, Eduard Schweizer, C. Brütsch. Die Wuppertaler Studienbibel wurde begründet von Rienecker 1934 ff. Sie wurde weitergeführt von Werner de Boor, Hans Brandenburg, Hans Bürki, Fritz Laubach, Fritz Grünzweig, Uwe Holmer, Adolf Pohl, Gerhard Maier und Dieter Schneider, erschienen im Brockhaus-Verlag Wuppertal. Jakob Kroeker, von Geburt Rußlanddeutscher und Direktor des Missions-Bundes „Licht im Osten", brachte von 1932 an 11 Bände alttestamentlicher Auslegungen heraus (im Brunnen-Verlag Gießen), Hans Brandenburg setzte das Werk fort mit 15 Bänden neutestamentlicher Übersetzungen. Das „Neue Göttinger Bibelwerk" brachte von 1933 an allgemeinverständliche Bibelkommentare mit Übersetzungen heraus. Die alltestamentliche Reihe hieß „AT-Deutsch". Herausgeber war Herntrich unter Mitarbeit von v. Rad, Herzberg, Galling, Weiser und Elliger. Nach 1945 gab es viele Neuauflagen. Im Calwer-Verlag in Stuttgart erschien ab 1935 die „Botschaft des AT", Herausgeber war H. Frey unter Mithilfe von Gutbrod, Lamparter, Abramowski, Rudolf, Keßler. Auch hier viele Neuauflagen nach 1945. M. Thilo schuf eine „Auslegung des AT für Bibelleser" in 4 Bänden, Gütersloh 194 -51.Die neutestamentliche Reihe des Göttinger Bibelwerks wurde herausgegeben von Althaus und Behm, 1933 ff. Mitarbeiter waren Beyer, Büchsel, Hauck, Heinzelmann, Jeremias, Oepke, Rendtorff (sen.)Rengstorf, Schniewind, Strathmann. Es erscheinen seit 1945 Neuauflagen. Die „Urchristliche Botschaft", herausgegeben von Prof. Otto Schmitz -Münster, erschien ab 1934 im Furche-Verlag. Mitarbeiter waren G. Dehn, Hanns Lilje, Joh. Wilkens, Rendtorff u.a. Liljes Erklärung der Offenbarung Johannis wurde immer wieder aufgelegt. Nach 1945 durfte Martin Albertz in Zollikon-Zürich seine dreibändige Botschaft des NT (1947—57) herausgeben. In Stuttgart erschien nach der Währungsreform von 1948 „Christus heute", herausgegeben von G.Siegel. Mitarbeiter waren Funke, Lauk, Lorch, Pfeil und Oehlmann. Der Verlag Oncken gibt die „Kleine Kasseler Bibelhilfe" heraus . Es wirken zumeist angelsächsische Autoren wie Barclay, Beasley-Murray, Hunter, Throckmorton u.a. mit, aber auch Horst Balz, Ulrich Betz, Suzanne de Dietrich und Eduard Schütz.Auch katholische Verlage brachten gute Bibelwerke allgemeinverständlicher Art heraus. So die Bonner Bibel von Feldmann und Herkenne (1930, ff.), die Herder- Bibel (1945 ff.), das Regensburger NT von Wikenhauser und Kuß (1938 ff.), die Echter-Bibel (Würzburg), das AT von F. Nötscher, das NT von K. Staab, 4 Bände ab 1947, eine Neubearbeitung für das AT wurde 1955-60 unternommen.