Osterode am Harz

Eine historische Darstellung, nach alten Unterlagen neugestaltet für die Freunde der ANTON PILLER KG [um 1960 herausgegeben]

Der Stadtkern von Osterode ist in seinem mittelalterlichen Aufbau, wie umseitig dargestellt, heute im wesentlichen noch unzerstört erhalten. Enge und winklige Straßen, sehenswerte Fachwerkbauten aus dem 16. und 17. Jahrhundert, gut erhaltene Stadtmauern und Wehrtürme geben dem Stadtbild seinen Charakter.

Am Ausgang des Sösetals in einer reizvollen Landschaft gelegen, ist Osterode das westliche Tor zum Harz, der von jeher durch die Schönheit seiner Landschaft die Menschen zum Wandern und Verweilen angezogen hat.

Die Stadt, die im 15. Jahrhundert der Hanse beitrat, lag im Kreuzungspunkt wichtiger Handelswege von Nord nach Süd und West nach Ost.

Heute liegt Osterode, das einst vierhundert Kilometer von der West- und Ostgrenze entfernt in der Mitte Deutschlands lag, hart an der Zonengrenze.


Hergestellt als Freundschaftsgabe im Auftrag der Firma Anton Piller KG, Osterode/Harz 


Die Industriestadt Osterode entwickelte sich vorwiegend im Tal der Söse außerhalb der Stadt. Zu den ältesten Zeugen gewerblicher Tätigkeit in diesem Gebiet, schon im 15. Jahrhundert, zählen die Eisenhütten, die zum Teil bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert bestanden. Ihnen folgten, von unternehmenden Bürgern aus der Sphäre des Zunft-Handwerks zu ,,Manufakturen" entwickelt, Wollspinnereien und Webereien

Diese, vornehmlich im Sösetal gelegenen Fabriken, fanden für die damalige Zeit ideale Vorbedingungen durch das Wasser der Söse für den Antrieb ihrer Wasserräder und zum Färben und Spülen der Tuche, und durch das in den nahen Wäldern geschlagene Holz den notwendigen Brennstoff. Die Zahl der Unternehmungen der Textil- und einer daneben entstandenen holzver-arbeitenden Industrie war so bedeutend, daß Osterode noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts als ,,die erste Fabrikstadt des Königreichs Hannover" bezeichnet wurde

Im Sösetal, an der Stelle eines solchen alten Textilbetriebes, liegt heute das Hauptwerk der ANTON PILLER KG und daneben auf dem leicht ansteigenden Talhang die Wohnsiedlung für die Mitarbeiter. In diesem Werk, wie in den Zweigwerken Moringen und Duderstadt schaffen tüchtige Fachleute, zum Teil bodenständig und seit Generationen dem Unternehmen verbunden, zum Teil als Vertriebene hier ansässig geworden. Von diesen Werken, die mit modernsten Fertigungseinrichtungen ausgestattet sind, gehen Ventilatoren, Elektromotoren, Generatoren und viele Spezialerzeugnisse des Maschinenbaues seit Jahrzehnten in alle Welt

Die abseitige Lage der Werke an der Zonengrenze, abgeschnitten von einem wesentlichen Teil der einstigen natürlichen Absatzgebiete im Osten, entfernt von den industriellen Schwerpunkten im Westen unserer Bundesrepublik, verlangt von allen Mitarbeitern des Unternehmens besondere Anstrengungen, um die erschwerten Wettbewerbsbedingungen auszugleichen

ANTON PILLER KG ■ OSTERODE/HARZ

 siehe auch unter: Anton Piller

Die Entwicklung der genossenschaftlichen Selbsthilfeeinrichtüngen

LERBACH. Im 18. Jahrhundert war der in einem tief eingeschnittenen Tale bei Osterode gelegene Bergflecken Lerbach bewohnt von Eisensteinsbergleuten, Köhlern, Waldarbeitern, Schindelmachern, Pfählhauern und nach 1789 audi von Eisenhüttenleuten.

Es gab zwei Wirtshäuser, einen Krämer,der zugleich Chirurg war, und dessen Tochter als Demolselle bezeichnet wird, einen Lehrer und einen Pfarrer. Pastor, Lehrer und Chirurg sind die bedeutendsten Persönlichkeiten im Ort. Die Inhaber der kleinen, manchmal nur mit 1 bis 3 Bergleuten belegten Eisensteinsgruben wurden als Steiger bezeichnet. An Gewerbetreibenden, die selbständig sind, gibt es noch einen Müller, Schneider, Schuhmachermeister. Alle anderen Berufstätigen stehen im herrschaftlichen Dienste der Forst und des Bergbaues und der Eisensteinshütte. Nur selten lassen sich Fremde in der kleinen Gemeinde nieder. Die Verkehrsstraße Osterode - Goslar führte auf einem Höhenrücken an dem langgestreckten Orte vorüber, der um 1790, etwa 300 Einwohner gezählt haben dürfte, aber bis zum Jahre 1820 auf 1100, im Jahre 1832 auf 1358 Einwohner anwuchs. Der Ortsvorsteher wurde von der Berg- und Forstbehörde eingesetzt, diese war auch gerichtlich zuständig. Kirchlich war die Gemeinde von 1727 an unabhängig. Die Energiequelle, des Ortes war das Holz des Waldes und der Lerbach. An das große Wasserversorgungssystem des Oberharzes mit seinen 70 Stauteichen war Lerbach nicht angeschlossen.

Die Eisenhütte bestand mit einer Hochofenanlage, die vom Berghauptmann von Rheden 1789 angelegt wunde, zunächst nur bis zum Jahre 1805. Es entwickelte sich aber aus dieser Anlage Gießereien und Verarbeitungsbetriebe. Im 19. Jahrhundert wurden die wirtschaftlichen Beziehungen (Pendler) nach Osterode immer stärker. Im 18. Jahrhundert war aber die Verflechtung in das System des Erzbergbaues der Oberharzer Hochfläche entscheidend für die Beschäftigungslage und Entwicklungsmöglichkeit in genossenschaftlicher und beruflicher Beziehung.

Während die in den großen Erzgruben des Oberharzes beschäftigten Steiger und Bergarbeiter Belegschaften bis zu 200 Mann bildeten und für die Kranken-, Alters- und Invalidenversorgung in den Gnadenlöhnen der Knappschaften sozial erfaßt waren, gab es in Lerbach etwa 15 kleine Eisensteinsgruben in Familienbesitz. Der geförderte Eisenstein wurde von der Eisenhütte - vor 1789 der Sollinger, nach 1789 der Lerbacher Hütte - nach Bedarf abgenommen und fuderweise gezahlt. Die Eigentümer (Eigenlöhner) der Gruben standen also in einem Lohn Verhältnis zu den herrschaftlich-staatlichen Hütten und durften nicht an Private liefern. Bei Bedarf wurde ihnen von der Bergverwaltung Arbeitskräfte zugeteilt. Die Aufsicht über die Grubensicherheit, Abbauverfahren usw. hatte ein Eisensteingeschworener, der dem Bergamt Clausthal angehörte. Der Betriebsleiter einer Eisensteinsgrube führte die Bezeichnung „Steiger", auch wenn die Grube ein Ein-Manm-Betrieb war. Die Gruben waren seit Jahrzehnten im Besitz bestimmter Eigenlöhner-Familien. Von der Hütte wurde den Eigenlöhnern fuderweise vierzehntägig der Lohn ausgezahlt,, die Betriebskosten der .Gruben wurden von. den Eigentümer selbst getragen, auch die zugewiesenen Arbeitskräfte von ihnen gelohnt. Der Lohn wurde nach den Betriebskosten. berechnet. Im ganzen standen sich die Eisensteinieigenlöhner bei diesem „Langerlohn" etwas besser als die Bergarbeiter im Oberharz, sie hatten auch mehr Beweglichkeit, um einen Gewinn zu erzielen, allerdings manchmal auf Kosten der Betriebssicherheit.

Da es nicht wie im Oberharzer Erzbergbau eine wöchentliche zentrale Entlohnung gab, war auch eine zentrale soziale Maßnahme wie die Knappschaft nicht vorhanden. Deshalb griffen die Eisensteinsbergleute in Lerbach im Jahre 1770 zur genossenschaftlichen Selbsthilfe. Sie gründeten mit Genehmigung und unter Beratung des zuständigen Eisensteingeschworenen Beermann eine genossenschaftliche Mehrzwecksparkasse.

siehe auch: Unter dem Harze Nr.864: Die Eisensteinsbergleutegnadenkasse zu Lerbach (1770)

 

Ich werde in meiner Beschreibung über das Plumpsklo bei den einfachsten Formen beginnen. Die wohl ältesten Überlieferungen, wie Menschen ihre Exkremente beseitigten, finden wir in der Bibel, es wir darin berichtet, daß die Israeliten bei ihrer vierzigjährigen Wüstenwanderung besonderen wert auf eine hygenische Beseitigung ihrer Exkremente legten. Dies war notwendig um Krankheiten und Epedemien zu vermeiden. es wurde allgemein angeordnet, daß jede Person einen Grabestock ständig bei sich zu tragen habe. Bei Bedarf der Notdurft, sollte man sich außerhalb des gesamten Lagers begeben und mit dem Grabestock ein entsprechendes Loch in den Wüstensand graben und nach verrichteter Notdurft, diese mittels des Grabestabes wieder mit Sand zuzudecken. Wie wir aus der Bibel wissen hat diese Vorkehrung erfolgreich funktioniert.

Aus frühen Überlieferungen aus dem soldatischen Bereich kann man erfahren, daß auch bei diesen wegen Seuchengefahren und Krankheiten, eine verordnete Verhaltensweise bestanden hat. Es wurde ein nicht sehr tiefer und auch nicht sehr breiter Graben ausgehoben, über den man sich einfach hockte. Hier bestand die Kunst darin, die Exkremente in den Graben zu befördern. Ungeübte sollen die unerwünschten Dinge in ihrer Hose wiedergefunden haben, was äußerst peinlich war. Später wird berichtet, daß man einen metertiefen Graben ausgehoben habe und darüber ein Sitzgerüst errichtet hat. Das Gerüst bestand aus nur wenigen Holzstangen. Die Oberstange war so angeordnet, daß wenn man sich mit seinem Hintern sitzend über die Stange reckte, die Exkremente genau in den Graben fielen. Des weiteren war eine Fußstütze in Form eines Holzes angebaut, wo man seine Füße draufstellen konnte. Da man nun Beine und Hose nach vorn ausstreckte, konnte nichts mehr ungewollt in der Hose landen. Dies betraf jedoch nur die festeren Ausstöße, die flüssigen konnten bei ungünstiger Stellung durchaus noch einmal das Beinkleid befeuchten. Man kann durchaus davon ausgehen, daß dies schon Entwicklungen waren, die im Plumpsklo ihre weitere Entwicklung fanden. Nur von den Zigeunern behauptete man, daß sie eine natürlichere Form bevorzugt haben. Man sagt von ihnen, sie haben sich nach getaner Arbeit, einen mit Gras bewachsenen Abhang runterrutschen lassen und so Befreiung von den lästigen Rückständen am Hinterteil gesucht. Ich vermochte diese Lebensart nicht nachzuvollziehen, mir fehlte einfach der Mut dazu.

Kommen wir nun zu den frühesten Ausführungen von Plumpsklos. Ich gestehe, daß  ich diese Modelle nur noch auf dem Dorf und in Gärten persönlich erlebt habe, aber ich weiß genau, wie sie beschaffen waren. Da war zunächst eine viereckige Grube von eineinhalb Meter tiefe notwendig, die man ausheben mußte. Die Grubenränder sollten möglichst fest sein, darüber zimmerte man nun aus einigen Balken das Gerüst für das kleine Häuschen, das den thronenden bei seiner Arbeit vor neugierigen Blicken verbergen sollte. Das Gerüst wurde von außen mit Brettern verkleidet und auch von oben überdacht. In die Vorderfront wurde eine Tür eingepaßt, in die man gelegentlich ein Herz hineinschnit. Es hatte den Zweck, die entstehende Düfte hinauszulassen, oder auch einmal von innen herausschauen zu können, um zu sehen, ob jemand vor der Tür stand, der auch Einlaß begehrte. Die Inneneinrichtung war eine Sitzbank mit einem Loch, wo man seinen Allerwertesten hineinhalten mußte. Das war schon eine ganz gemütliche Bude und hier wurden die ersten Klo-Hocker geboren. Wenn jemand zu lange sich in diesem Häuschen aufhielt riefen Angehörige: "Soll ich mit der Schere kommen und abschneiden?" Es kamen auch die Ausdrücke wie Dauerkacker oder gar noch deftiger Dauersch... auf. Später als Tapeten aufkamen, wurde oft das Stille Örtchen mit den Tapetenresten gemütlich gemacht. Natürlich kannte man das heutige vornehme Toilettenpapier noch nicht. Da wurde ein Nagel in die Wand geschlagen und daran hängte man Zuschnitte aus Zeitungspapier. Oft sah ich auch ganze Zeitungen an diesem berühmten Nagel hängen. Diese inspirierten besonders Erwachsene zum Zeitungslesen. Frauen fanden gelegentlich an einer Fortsetzung eines in der Zeitung abgedruckten Romans ihre Befriedigung. So wurde das gute alte Plumpsklo zu einem kulturellen und bildenden Ort. Schwierig wurde es oft, wenn der Trost im Winter kam, dann wuchsen die Exkremente zu Türmen hoch und wenn man nicht wollte, daß man eines schönen Tages mit ihnen Berührungskontakt bekam, mußt man sie mittels einer Stange umwerfen, aber das war nicht so einfach. Manche Konstruktionen waren auch so, daß das Häuschen hinten über der Grube so zwei- his bis drei Brettbreiten offen gelassen waren. In diesem Falle konnten gelegentliche Windstöße den Aufenthalt auf dem Plumpsklo recht ungemütlich gestalten. Wenn sich nun die Grube ansehnlich gefüllt hatte, wurde ein Platzwechsel vorgenommen. Man hob eine neue Grube aus und setzte das Häuschen auf die neue Grube. Nun konnte das Spiel von neuem beginnen, bis sie wieder voll war. Den Aushub aus der neuen Grube benutzte man um die alte Grube einfach damit abzudecken. Ich bin in späteren Zeiten einmal durch Zufall, als ich eine Grundmauer setzen wollte, auf eine solche verlassene Einrichtung gestoßen. Was ich da so alles gefunden habe, außer dem noch nach vielen Jahren vorhandenen Gestank nach Amonjak. Da waren Scherben von Küchen-Töpfen bis abgebrochene Messer und Löffeln aus Zinn zu finden. Eine wahre Kultur-Fundgrube. Wie alles auf der Welt sich verändert und auch verbessert, so auch das Plumpsklo. In der jetzt folgenden Entwicklungsstufe blieb es allerdings noch ein Plumpsklo, aber es wurden jetzt gemauerte Gruben hergestellt, die ein viel größeres Fassungsvermögen hatten und wo auch der flüssige Teil nicht mehr einfach ins Erdreich versickerte. Da es flüssiger blieb, roch es auch mehr. Man konnte nun mehrere "Sitzungszimmer nebeneinander, über den nun größeren Gruben aufstellen. Nun brauchte auch keiner mehr auf den anderen warten. Jeder hatte nun sein eigenes Klo. Außerdem standen diese Klos nicht mehr direkt im Freien, sie wurden in Hofgebäuden, überdacht ein gebaut. Die Türen waren allerdings wegen der Belüftung durch das eingeschnittene Herzchen in den Hof ausgerichtet. Es wurde nun noch viel gemütlicher auf dem kleinen Häuschen. Ein Deckel über dem Klo-Sitzloch entzog dem Betrachter das Würstchenparadies und es miefte auch nicht mehr von unten aus dem Loch. Das Zeitungspapier blieb noch eine lange Zeit ein bevorzugtes Mittel für hinterlistige Zwecke und der wunderbare literarische Nutzen blieb auch noch erhalten. Teurer wurde diese Anlage allerdings, nicht nur wegen er aufwendigeren Bauweise, sondern die Grube mußte nun regelmäßig entleert werden. Dazu gründete sich ein neuer Berufsstand. Der Aufwand bestand in einem Kesselwagen auf Rädern wurde mittels Schläuchen vom Klo zum Kesselwagen wurde mittels einer Benzin-Explosion, die einen Ventildeckel zum ansaugen in Gang setzte.

Dieses wummern dieses Ventildeckels oben auf dem Kesselwagen, brachte dem Väkalien-Fahrer den Spitznamen "Balliken Rums" ein. Der Inhaber dieser Firma hieß Berthold Kohlstruck, er wohnte auf den Schloßplatz. Er hatte ein blendendes Geschäft, denn alle Häuser in Osterode hatten noch bis nach dem letzten Weltkrieg ihr Plums-Klo und Balliken-Rums war ohne jede Konkurrenz. Als die Plums-Klos durch die heutigen Wasserspül-Toiletten ersetzt war es mit der alten Gemütlichkeit auf dem kleinen Häuschen vorbei.

Ein eigenes Erlebnis kommt mir noch in den Sinn aus dieser schönen alten Zeit, wo unsere beiden Plumpsbuden noch unter dem Schuppen auf dem Hof standen. Da feierten wir in der ... gerade ein tolles Fest. Wir waren sogar in den Kellergewölben am feiern, denn da war der Weg bis zu den Weinregealen nicht so weit. Wir waren schon alle ein bischen angesäuselt, da platzte der alte Robert S... über die Kellertreppe in die untersten Gefilde, wo wir tagten, mit einer Schreckensnachricht. Er suchte mein Ohr und flüsterte, Pappi mir ist ganz was furchtbares passiert, meine Zähne sind mir in die Sch... gefallen. Was soll ich nur machen? Ich in meinem angedudelten Kopf sagte: "Opa S..., ist doch alles halb so schlimm." Ich ging mit ihm nach oben und suchte mir eine Gartenharke aus der Waschküche. Ich sagte ihm, daß wir auch ein Licht benötigen um in das Inferno hinunter zu schauen. Er holte eine kleine Taschenlampe und unser Blick war schon getrübt. Ich senkte die Harke durch, das Loch und er beleuchtete die unheimliche Landschaft, wohin man ja sonst nie mehr zurückblickt. So erhielten wir den auch einen richtigen würzigen Eindruck von der Sachlage. Wir hatten unwahrscheinliches Glück, das Gebiß war noch nicht in den Fluten versunken. Ich angelte nur ein einziges mal und ich hatte die Zähne auf der Harke. Nun noch langsam hochziehen und Opa Robert seine Protese war gerettet. Als wir nun die Zähne direkt vor uns sahen, bemerkten wir erst so richtig, worin die eigentlich gebadet waren. Normalerweise kommen die Zähne im Mund, nicht mit den Bereichen in Berührung mit den Substanzen, in denen sie gerade gelegen hatten. Oper Robert grauste es ob dieses Anblicks, die Zähne wieder in den Mund zu nehmen. Wie ich erfahren habe, hat er die Zähne eine Woche lang in einer Reinigungslösung liegen gehabt und selbst danach konnte der den Anblick des vorherigen Zustendes nicht vergessen. Es grauste ihn, wenn er nur daran dachte.

Das waren wohl Zeiten, als wir noch die Plumps-Klos hatten.

Ueber die Entstehung und Entwicklung der Eisensteinsgnadenkasse zu Lerbach in den ersten Jahren ihres Bestehens ist ein ausführlicher Bericht erhalten: „Articul von der Gnadenkasse, welche den 26. 11. 1770 von den Eisensteinsbergleuten zu Lerbach unter sich errichtet und wie die Articul in der Folge verbessert worden." Darnach sind am 26. 11. 1770 sämtliche Lerbacher Eisensteinsbergleute, d. h.; alle Steiger und Hauer mit Genehmigung der Herren Bergschreiber Meyer und des Eisensteinsgeschworenen Beermann, und zwar alle, welche ihren Büchsenpfennig dazu geben wollten, zusammengekommen und haben die Gründung der Kasse beschlossen. Am 20. Juni 1772 sind dann wiederum in Gegenwart und mit Genehmigung des Geschworenen Beermann die nötigen Artikel verabredet, beschlossen und schriftlich verzeichnet worden. Der Bericht gibt dann noch Einzelheiten darüber, wie man in den ersten Jahren verfahren mußte, solange. in der Kasse noch nicht genügend Geld angesammelt war, er vierzeichnet weiter Ratschläge des Hüttenschreibers Stisser und die Einarbeitung dieser Ratschläge in die Statuten. Als Rechnungsführer wurde der Eisensteinschreiber H. Länge eingesetzt, die Frau Faktorin Eichhorn nahm die Beiträge  in Empfang und lieferte sie alle Vierteljahre an die Kasse ab.

Man kann also feststellen, daß sich alle zuständigen Stellen und Beamten bemühten, dieser Genossenschaft behilflich zu sein, damit sie über die verschiedenen Schwierigkeiten hinwegkam, die nun einmal die Buchführung und die Listeinführung für die Eisensteinsbergleute hatte, von denen ein Teil kaium mehr als seinen Namen schreiben, konnte. 

Als Vorsteher der Gnadenkasse wurden vom Bergschreiber Meyer und Geschworenen Beermann „ernannt": Steiger Johann Heinrich Ebeling, Steiger Andreas Heinrich Sauerbrey, Steiger Johann Heinrich Mecke. Der Vorstand setzte sich also aus den „Pächtern", den Arbeitgebern der, kleinen Eisensteingruben zusammen, die im ganzen folgende Belegschaft aufwiesen: 

Name d. Grube Steiger Hauer Grubenj.
Oberer Neuer Weg 1 2 -
Unterer Neuer Weg - 5 1
Oberer Clausberg - 1 1
Oberer Blauer Busch 1 3 1
Neuer Blauer Busch 1 1 1
Gülden Kirche 1 2 1
Mühlental - 1 -
Neues Glück 1 - -
Hohe Bleek 1 1 -
Sonnenkopf 1 6 1
Schernberg alte Str. 1 - -
Breiter Busch 1 2 -
Sonnenschein 1 - 1
Mühlenberg - - -

Ob es sich um die gesamte Belegschaft handelte, die der Genossenschaft beitrat, kann nicht einwandfrei festgestellt werden, es wird aber wohl kaum eine wesentliche Zahl gefehlt haben.

Außer einer Aufnahmegebühr zahlten die Mitglieder der Genossenschaft:

Steiger (oder 1. Klasse) wöchentlich einen Mariengroschen, Hauer (oder 2. Klasse) wöchentlich sechs Pfennig, Strossenhauer und Grubenjungen (3. Klasse) wöchentlich vier Pfennig.

Kassengeld sollte gegen 5 Prozent nur an Mitglieder ausgeliehen werden, die Zinsen kamen in die Kasse, hypothekarische Sicherung müßte gestellt werden, wenn ein Mitglied ein Darlehn haben wollte.

Als Leistungen dieser - Genossenschaftskasse wurden 1778 festgesetzt: Versicherungsfall: 1) arbeitsunfähig infolge Krankheit oder Unfall, wöchentlich: Steiger (1. Klasse) 12 Groschen, Hauer (2. Klasse) 9 Groschen, Strossenhauer und Junge 6 Groschen; 2) Sterbegeld: Steiger (1. Klasse) 6 Taler, Hauer (2. Klasse) 4 Taler, Strossenhauer und Junge 3 Taler; 3) Witwenpension (einmalige Zahlung): Steiger (1. Klasse) 5 Taler, Hauer (2. Klasse) 3 Taler, Strossenhauer und Junge 2 Taler.

Über die weiteren Schicksale der Eisensteingnadenkasse (Gnaden = Pension, Rente, Zuschuß) ist wenig zu ermitteln. Im Jahre 1812 wird sie in einem Bericht an die Verwaltungsbehörde in Osterode mit folgenden Einzelheiten angeführt: „Bergmannsgnadenkasse: Unterstützungen für kranke und beschädigte Eisensteinsbergleute und deren Witwen." Das Vermögen besteht ungefähr in 300 Rt Kapital, das ausgeliehen ist. Für Bestreitung der vorfallenden Ausgaben ist ein ganz unbedeutender Vorrat vorhanden. Einteilung in drei Klassen, wobei die 1. wöchentlich 8, die 2. wöchentlich 6 und die 3. Klasse wöchentlich 4 Pfennig steuert. Leistungen für beschädigte Bergleute, solange sie krank sind, 12-9-6 Ggr.; Gnadengeld für invalide Bergleute zu 10 - 7, 4 - 5 Ggr., nach den Klassen. Pensionen für Witwen der verunglückten Bergleute 5 -3-2 Rt einmalige Leistung und für Begräbniskosen sowohl für Männer und Frauen 6-4 und 3 Rt. — Mitglieder 137 und 14 Witwen.

Diese „Gnadenkasse" ist wahrscheinlich später in eine Bergmannssterbekasse umgewandelt worden. Diese Bergmannssterbekasse wurde am 3. November 1845 mit der Sterbekasse Lerbach vereinigt.

Als eigentlicher Begründer der Eisensteinsbergmannsgnadenkasse von 1770 dürfte der Eisensteinsgeschworene Caspar Heinrich Beermann anzusehen sein. Er ist am 3.4.1710 in Clausthal als Sohn des Pochsteigers Caspar Kilian Beermann geboren und starb am 7. 12 1786 in Clausthal. C. H. Beermann war Mitglied der Clausthaler Bürgerbegräbnissozietät und kannte auch durch seine Laufbahn als Bergmann die Leistungen und Beiträge der Knappschaftskasse für die Silberbergleute im Oberharz. In gewissem Sinne hat, er mit der Gnadenkasse eine Knappschaftsversicherung für die  Eisensteirisbergleute im Lerbacher Revier eingeführt.

Sein Wirken ist aus verschiedenen Gründen wichtig für die Einrichtung einer allgemeinen Sterbekasse in Lerbach im Jahre 1783 gewesen.

Herbert Lommatzsch

 

Es war an einem Sommermorgen, der beginnende Tag versprach gut zu werden. Vater, von Beruf Bauer, traf Vorbereitungen zum Pflügen. Als die Pferde im Geschirr standen bat ich ihn, mitfahren zu dürfen. Mein Wunsch wurde erfüllt. Da ich noch nicht schulpflichtig war, stand dem nichts im Wege. Der zu pflügende Acker lag auf welligem Gelände. Die Flurbezeichnung ist der »Mittelberg«. Er hat den Namen mit Recht, denn er liegt wirklich in der Mitte zweier bewaldeter Bergzüge. Alles ist hier in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, der Bach, das Wiesental, die sogenannten Hardegser Köpfe (Höhe 400 m) im Osten. Im Westen, in einer Entfernung von 2 km, der Walberg, in seiner Verlängerung zum Hengstrücken ansteigend von 330 auf 425 m. Die beiden Höhenzüge im Osten wie im Westen tragen Buchen-Eichen-Mischwald, unterbrochen von Fichten. Auch unser Acker wird in Nord-Süd-Richtung bearbeitet.

Mein Vater führte an den Sterzen den Pflug, und ich ging nebenher. Am Ende mag ich wohl Müdigkeit bekundet haben, vielleicht auch nur vorgetäuscht. Vater rief mir, mich am Ackerrand ins Gras zu setzen, um mich ein wenig auszuruhen, und wenn ich Langeweile hätte, dann sollte ich die Vögel zählen. Ich wußte wohl, daß dieses ein Scherz war. Ich zählte die Vögel nicht, sondern lauschte ihrem Gesang. Ich muß wohl einer Lerche nachgeschaut haben, die singend »gen Himmel« stieg. Plötzlich tauchte in gleicher Richtung über dem Walberg eine goldglänzende Scheibe auf, im Aussehen vergleichbar mit dem Vollmond am Nachthimmel, bezogen auf den Durchmesser jedoch nur etwa halb so groß, oder gar weniger. Dieses Projektil aus dem All schien in Auflösung begriffen, denn es verlor scheinbar an Masse. Das, was es in seiner Bahn verlor, war nicht sprühend und nicht lang wie ein Kometenschweif, sondern verlor sich mehr zerbröckelnd in nur etwa vierfacher Länge des Durchmessers der vermeintlichen Scheibe. Diese Teilchen behielten die Goldfarbe bis zum Verfall. Die Flugrichtung war horizontal von Süd nach Nord. Die Fluggeschwindigkeit würde ich heute nach rund 76 Jahren mit einem Überschallflugzeug vergleichen. Im Gegensatz zu einem Flugzeug glitt der Gegenstand vollkommen geräuschlos dahin, was darauf schließen läßt, daß der Abstand zwischen mir und dem Objekt sehr groß gewesen sein muß. Zeitlich gesehen war der Körper nur wenige Sekunden sichtbar. Die Zeit reichte aber aus, um das Geschehen so fest in meinem Gedächtnis zu verankern, als sei es eben erst gewesen. Als Laie kann ich das Geschehen nur so wiedergeben wie ich es gesehen habe, nicht wie es wirklich war. Mit Ursache und Wirkung des Gesehenen konnte mein kindliches Gemüt seinerzeit wohl noch nichts anfangen.

Noch nach langer Zeit, wenn ich an dieses sonderbare Ereignis dachte, bekam ich das Gefühl, der goldglänzende Ball müsse in den Hochlagen des Sollingwaldes auf die Erde gefallen sein. Heute, nach rund 76 Jahren, weiß ich, daß dieser Körper ein Meteorit gewesen sein muß, der beim Eintauchen in die Erdatmosphäre aufsprühte und noch aus großer Entfernung am hellen Tag sichtbar war. Die Entfernung von Mitteleuropa bis zu seiner wirklichen Flugbahn muß sehr groß gewesen sein, so daß für mich alles vollkommen geräuschlos ablief.

Vor wenigen Jahren bekam ich in einer Arztpraxis eine Illustrierte in die Hand, die über einen Meteoriten berichtete, der im Jahre 1908 in den riesigen Wäldern Sibiriens niedergegangen sei. Wissenschaftler begaben sich, begleitet von Einheimischen, in diesem fast menschenleeren Raum auf die Suche nach der Stelle, an der der Himmelskörper die Erde berührte. Sie stellten fest, daß er mehrere Quadratkilometer des Waldes zerstört hatte. Auch die Flugrichtung war noch erkennbar, und zwar dadurch, daß der Wald in dem hängigen oder bergigen Gelände an den Südhängen weniger gelitten hatte als an der Nordseite. Der Körper war also aus nördlicher Richtung gekommen. Er hatte die Erde im spitzen Winkel angeflogen, überall Brandspuren hinterlassend. Die Wissenschaftler nahmen unter anderem auch Strahlenmessungen vor, man nannte Werte, die verglichen wurden mit denen von Hiroshima und Nagasaki nach der Zerstörung dieser Städte durch Atombomben.

Heute, im 82. Lebensjahr, frage ich mich, ob ich denn nur der einzige Mensch war, der dieses so seltene Geschehen beobachtet hat. Für mich waren es nur glückliche Umstände, die darin bestanden, daß mein Blick durch eine singende Lerche nach oben gelenkt wurde, und zwar genau in dem Augenblick, als diese rotglühende Kugel in meinem Blickfeld erschien. Die besagte Illustrierte brachte die Meldung, daß an dem genannten Morgen oder Tag der Himmel über Spanien plötzlich so hell gewesen sei, »heller als die Sonne« (so die Aussagen von Augenzeugen in Spanien). Als ich den Himmelskörper sah, hatte er wohl gerade Spanien hinter sich gelassen und befand sich bereits über dem Atlantik in Richtung Eismeer bzw. Sibirien, wo er dann zerschellte. Also war ich doch nicht der einzige, der dieses einmalige oder seltene Ereignis beobachtet hat.

Die jüngste Bestätigung dieser in ihren Ausmaßen einzigartigen Begebenheit vermittelte mir der Dipl.-Geologe F. Vladi (Osterode) aus dem Buch von Dr. F. Hamm, erschienen im »Landbuch-Verlag G.m.b.H. Hannover«. Daß Herr Vladi für mich Partei nahm, hat folgende Vorgeschichte: Im Sommer 1982 war ich mit zwei jungen Wissenschaftlern unterwegs in den Solling. Der eine war der genannte Dipl.-Geologe Firuz Vladi, der andere war Dr. Klappauf, Archäologe, angestellt beim Niedersächsischen Verwaltungsamt Hannover. Herr Vladi war einer der ersten, dem ich die Stelle zeigte, an der sich später herausstellte, daß dort das Zentrum des alten wüsten Dorfes Dunede lag. Herr Vladi ist angestellt als Beauftragter des Kreises Osterode für Denkmalschutz. Durch Bohrungen hat Herr Vladi wertvolle Aufschlußarbeit geleistet. So wollte ich beide Herren auch einmal für ein ähnliches Objekt im Solling interessieren, das sich auf die Wüstung »Rebek« bei Delliehausen bezog. Auf der Rückfahrt über den Hauberg, Höhe 415 m, am Sendeturm, erinnerte ich mich daran, wenn wir Geschwister mit unserem Vater den gleichen Weg nahmen von Nienhagen nach Delliehausen. Natürlich nicht mit einem Auto, sondern mit den Pferdegespann. An einem solchen späten Sommerabend hatten wir das Glück, ungezählte Sternschnuppen zu beobachten. Angeregt durch diese Erinnerung, erzählte ich den oben genannten beiden Herren von meiner Beobachtung als knapp sechsjähriger Jungen am hellen Tag.

Eine ganze Weile war Stille im Auto, dann aber nahm Herr Dr. Klappauf das Wort und stellte die Frage, ob ich an »Ufos« glaube. Ich verneinte und erinnerte mich an Zeitungsberichte, die in diese Richtung gingen. Ich antwortete in dem Sinne, daß dieses doch Erfindungen der Neuzeit seien. Von Ufos hatte im Jahre 1908 noch kein Mensch gehört. Ich merkte wohl, daß Herr Dr. Klappauf nichts von Ufos hielt, darin waren wir uns einig. In Herrn Vladi bekam ich dann einen Verbündeten, denn er sagte: »Ich habe in einem Buch über den Fall gelesen, ich bringe es Ihnen mit, dann können Sie sich überzeugen.« Ich las das Buch; es meldete etwa 25 Fälle aus den letzten Jahrhunderten, in denen Reste von Meteoriten die Erde erreichten. Der von mir gesehene unterschied sich von den übrigen nur durch die Größe. Die Größe war es auch, die es erlaubte, den Körper auf so große Entfernung am hellen Tag zu sehen.

Herr Vladi machte mir eine Ablichtung vom Bericht über den besagten Himmelskörper. Ein genaues Datum für dieses Geschehen konnte ich vorher nicht angeben, ich weiß jetzt aber, daß es der 30. Juni 1908 war.

Einige Auszüge aus der »Naturkundlichen Chronik Nordwestdeutschlands« von Dr. F. Hamm: Im Jahr

1240: Zur Zeit Ottos von Braunschweig werden Ur und Wisent erwähnt.

1278: Der Roggen erfriert in der Blüte.

1361: Thüringer belagern die Burg Salzderhelden.

1368: Es fällt ein 200 Pfund schwerer Meteor vom Himmel.

1378: Ein in Celle erlegter Bär wird erwähnt.

1379: Fall eines Meteoriten bei Hann. Münden.

1397/98: Erste Erwähnung der Herstellung von Glas im Solling.

1525: Zwei Elbingeroder (Stadt am Ostharz) fangen am Brocken drei Bären.

1525: Die Belagerung der Burg Hohenstein wird mit Bienenstöcken abgewehrt.

1530: Der Bär ist im Harz noch nicht ausgestorben.

1532: Herzog Heinrich wendet sich gegen die »wilde Köhlerei« im Solling.

1538: Am Brockenhang werden wiederum drei Bären erlegt.

1549: Am 6./7. Juli fällt nachts bei Mansfeld ein schwärzlicher Meterorit vom Himmel.

1557: Erstmals werden Sollinger Platten als Dachbedeckung erwähnt.

1558: Die Eisenhütte bei Relliehausen im Solling wird erwähnt.

1584: Die Papiermühle bei Relliehausen im Solling wird erwähnt.

1600: Im Solling werden 15.000 Schweine gemästet (Weidemast im Wald).

1636: Älteste Erwähnung der Einhornhöhle bei Scharzfeld.

1656: Am Brocken werden noch Bären beobachtet.

1675: Im Raum Osterode werden viele Rehe und Rotwild von Wölfen gerissen.

1905: Am 5. Juli bringt ein furchtbarer Gewittersturm mit Hagel in Düna eine Scheune zum Einsturz.

Diese 21 Einzelmeldungen sind aus 5000 herausgenommen. Dreimal wird der Absturz von Meteoriten belegt. Dazu gesellt sich nun ein weiterer Fall vom 30. Juni 1908, Absturz eines Meteoriten, der in Sibirien niederging und in Niedersachsen gesichtet wurde, von einem Jungen, der knapp sechs Jahre alt war.

Nach diesem Ereignis am 8. Juni 1908 hat sich der blaue Sommerhimmel verdunkelt, »farbige Dämmerungserscheinungen«, so sagen die Leute vom Fach. Ich erinnere mich, daß mein Vater und die Nachbarn im Dorf das auch festgestellt hatten, das gab es ja nicht alle Tage! Man sprach von »Her-roak«, was in hochdeutscher Sprache »Höhenrauch« bedeutet. Dieser Höhenrauch sollte von Moorbränden aus der Lüneburger Heide zu uns gekommen sein. Für die Menschen am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es scheinbar keine andere Erklärung. Da drängt sich aber auch die Frage auf, ob der Aufschlag des Meteoriten auf die Erde die alleinige Ursache für die Staubentwicklung war. Vielleicht kommt dem Umstand der Verbrennung von Materie beim Eintritt in die Atmosphäre eine wenigstens ebenso große Bedeutung zu. Asche in feinster Verteilung, die sich langsam als »kosmischer Staub« auf die Erde niederließ; geschehen im Sommer 1908.

Erst jüngst, und zwar am 19. Dezember 1985 im 2. Programm, wurde in der Sendung »Hallo der Komet kommt« von Joachim Bublath (»Aus Forschung und Technik«) neben anderem auch der am 30. Juni 1908 in Sibirien niedergegangene Komet genannt. Wohl der größte, der je in geschichtlicher Zeit aus dem All auf die Erde kam.

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