Osterode am Harz

 

Renner, Dr. J.G.Fr.: Aus der Geschichte der Stadt Osterode am Harz, bei August Sorge 1833, Gedruckt bei K.F. Weichelt´s Wittwe, Seite 318-320:

Im Jahre 1831 wurden um die Stadt herum und in der Nähe derselben Spaziergänge angelegt, und Anpflanzungen von Obst= und anderen Bäumen zur Freude aller Derer, welche Sinn für das Gute und Schöne haben, angefangen. Seit dieser Verschönerung trifft man mehr Spaziergänger um die Stadt herum an, als sonst, besonders bei ungewissen Witterung, oder bei eingeschränkter Zeit. Diese neue Schöpfung verdankt man hauptsächlich dem Besitzer der hiesigen Apotheke, Hernn Bornträger, und dem königlichen Amtsassessor, Herrn Stölting (seit kurzem an das königliche Amt Herzberg versetzt). Diese für alles Gemeinnützige beseelte Männer wußten für die neue Anlagen noch andere, ihnen gleichgesinnte Männer zu einem Vereine zu gewinnen, an welche sich bald der größte Theil der Bürger und Einwohner der Stadt anschlossen, und durch freiwillige Beiträge die Mittel zur Verschönerung der Umgebungen der Stadt lieferten.

Dadurch nun, daß fast alle Bürger und Einwohner der Stadt theils durch Geld, theils durch Handdienste und Fuhren für die neue Schöpfung mitwirkten und noch dafür wirksam sind, wird dieselbe mit Recht als ein Gemeingut betrachtet, so daß ein jeder dasselbe nach Möglichkeit zu beschützen sucht, und sich des Bestehens und Gedeihens freut, und dies um so mehr, weil durch diese Anlagen arme elternlose Knaben von 14 bis 16 Jahren eine ihren Kräften angemessene Beschäftigung finden, durch welche sie sich zur Thätigkeit und zum Fleiße gewöhnen und welche ihnen zugleich die Mittel zu ihrer Erhaltung verschafft. Bei diesen Umständen, und wo so viele Augen das werthe Eigentum bewachen, da wird wol keine frevelnde Hand die Anpflanzungen verletzen; sie werden daher immer herrlicher empor wachsen; die lieblichen Blumen werden jährlich unzerknickt blühen, und die aufgestellten Ruhesitze werden unbeschädigt stehen bleiben. Anders kann es ja auch nicht sein, da jeder hier Eingebürgerte in seinem Eigentum wandelt.

Viel Gutes kann also durch vereinte Kräfte gestiftet werden, und für gemeinnützige Zwecke wirksam zu sein, erregt in der Brust des edlen Menschen erhabene und freudige Gefühle. Daher spricht Schiller, der herrliche Dichter unseres Volkes: "Streeb immer zum Ganzen, und kannst Du selbst kein großes Ganze werden, so schließ als ein dienendes Gild an das große Ganze Dich an." - Viel, in der That sehr viel ist für den Anfang geschehen. In den Jahren 1831 und 1832 wurden 13007 Fuß Wege gelegt, 274 Stück Obstbäume und über 1000 Stück andere Bäume angepflanzt. Ein Bestreben zum Bessern geht hieraus recht sichtbar hervor. 

 

Archiv für Landes u. Volkskunde von Niedersachsen, Band 1942, Heft 11 / Ausgegeben April 1942, Seite 76-87

 

Grundlagen und Aufgaben.

Mit 6 Abbildungen.

Von Paul Martins - Osterode/Harz.

Das Stadtbild von Osterode a. H. ist in seinem alten Zustande verhältnismäßig sehr viel besser erhalten geblieben als in den meisten anderen Städten Niedersachsens. Die Handwerker- und Ackerbürgerstadt hat schon früh ein reges gewerbliches Leben entfaltet, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts galt sie neben der Hauptstadt als die wichtigste Industriestadt des Königreiches Hannover. Aus den Anfängen dieser Entwicklung enthält die Stadt noch zahlreiche Bauten. Die Entwickelung der letzten Menschenalter hat zwar viele Neubauten hinzugefügt, den Stadtkern aber von größeren Eingriffen unberührt gelassen. Die natürlichen Beziehungen der Stadtsiedlung zu ihrem Hinterland, der Harzrandlandschaft, spielen für das Wirtschaftsleben noch heute eine sehr wichtige Rolle, während der Fernverkehr und von außen herangebrachte Beziehungen bisher verhältnismäßig geringen Einfluß hatten. Diese besonderen Verhältnisse rechtfertigen eine Darstellung des heutigen Stadtbildes auf Grund seiner natürlichen und geschichtlichen Grundlagen.

Die Grundlagen des Stadtbildes.

Die Lage der Stadt.

Die Lage von Osterode erscheint für eine größere städtische Siedlung nicht günstig. Von den natürlichen Verkehrslinien berührt nur die Harzrandstraße den Raum von Osterode, während die wichtigen Süd-Nord- und Ost-West-Straßen im Leinetal und nördlich und südlich des Harzes in 10 bis 20 km Entfernung bleiben. Trotzdem hat es sich früh zur bedeutendsten Stadt am Harz zwischen Nordhausen und Goslar entwickelt. Als die Erzlager des Harzes erschlossen wurden, kreuzte die erstgenannte Straße in Osterode die direkte Verbindung vom Oberharz nach dem Leinetal bei Northeim. Die neuzeitliche Entwicklung, die im Zuge der alten Hauptverkehrslinien wichtige Bahnbauten brachte, die Strecke am Südwest-Harz aber bedeutungsarm bleiben ließ, stellte Osterode in den Verkehrsschatten. Der Oberharz erhielt nur nach Goslar Bahnanschluß, lediglich eine Postkraftwagenlinie verbindet ihn mit dem südwestlich vorgelagerten Gebiet.

Die alte Harzrandstraße führte nicht wie die heutige Reichsstraße und die Bahnlinie im sumpfigen Einschnitt zwischen dem Harz und der ihn begleitenden Zechsteinkette, sondern auf der Höhe derselben entlang und stieg erst bei Osterode in das Tal hinab, dessen von der Söse aus dem Harz herabgeführter Geröll- und Kiesboden trocknen Untergrund bot. Die Siedlung Osterode entstand an der Stelle, wo die Söse den Harz verläßt, auf einem hochwasserfreien Rücken zwischen der am Fuß der Zechsteinkette entlang fließenden Apenke im Südwesten und der Söse im Nordosten gegenüber der Mündung des Lerbachtals. Die Feldmark der Stadt, früh durch die einiger Wüstungen vergrößert, breitet sich zum überwiegenden Teil auf der nach Süden abfallenden, größtenteils guten Ackerboden bietenden Höhe der Gipsberge aus. Die harzseitigen Abhänge nordöstlich der Söse werden vorwiegend als Grünland genutzt.

Die wirtschaftlichen Grundlagen der Stadtentwicklung.

Die Lage an den Verkehrsstraßen hat die Entwickelung der Siedlung zum Marktort günstig beeinflußt. Für das gewerbliche Leben der Stadt war die Wasserkraft von Bedeutung, die durch Abzweigung eines Mühlengrabens aus der Söse gewonnen wurde. In der näheren Umgebung kam der Eisenbergbau im 16. Jahrhundert auf. Damals entstanden eine große Anzahl von Eisenhütten, denen auch die Nachbarorte Petershütte, Katzenstein und Lerbach ihr Dasein verdanken. Seit dem 18. Jahrhundert entwickelte sich das Textilgewerbe in Kleinbetrieben, die allmählich zu einigen größeren zusammenschmolzen. Sie nutzten die günstigen Wasserverhältnisse ebenso aus wie die Sägemühlen, die den Holzreichtum des Gebirges verwerteten. Sie bildeten die Grundlage für weitere Holzverarbeitung in zahlreichen Eimer-machereien. Aus ihnen entstanden später einige größere Betriebe. Die Verwertung des Gipses der Zechsteinkette führte zur Anlage von Gipsmühlen und Brennereien.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt im Mittelalter — sie gehörte auch einige Zeit der Hanse an — machte sie als Residenz der Linie Grubenhagen des Hauses Braunschweig-Lüneburg und nach deren Aussterben 1598 als Sitz der Regierung dieses Landesteils bis 1689 zum Verwaltungsmittelpunkt eines größeren Gebietes. Seitdem mußte sie sich damit begnügen, nur ein Amt von geringem Gebietsumfang zu beherbergen — mit kurzer Unterbrechung in der westfälischen Zeit —, bis die Schaffung des Kreises Osterode a. H. 1885 ihr die alte Bedeutung größtenteils wiedergab. Versuche, die landschaftlich hervorragend schöne Lage zu einer Belebung des Fremdenverkehrs auszunutzen, haben bisher nur zu geringem Erfolge geführt.

Die Einwohner der Stadt und ihrer Umgebung gehören dem niedersächsischen Volksstamm an, dessen Grenze im Südosten mit der des Kreises zusammenfällt. Seit der Einführung der Reformation sind sie weitaus überwiegend evangelisch. Die Zuwanderung erfolgte in der Hauptsache aus der ländlichen Nachbarschaft und erst in den letzten Jahren infolge der neuen wirtschaftlichen Entwickelung aus allen Teilen des Reiches. Die Einwohnerzahl beträgt nach der letzten Zählung 9485 einschließlich der beiden in der Bebauung ineinander übergehenden Nachbargemeinden Freiheit und Petershütte rd. 10 500.

Die geschichtliche Entwicklung des Stadtbildes.

Die Entstehung von Osterode ist nicht klar zu übersehen. Der Name läßt darauf schließen, daß die Besiedlung von einer westlich gelegenen Ortschaft erfolgt ist. Orte der näheren Umgebung werden seit 889 genannt. Die später zu Osterode gehörende Wüstung Möttlingerode taucht 990 in einer Urkunde Ottos III auf. Damals war also jedenfalls schon ein Teil der heutigen Feldmark von Osterode besiedelt. Die Entstehungszeit der ebenfalls auf Stadtgebiet gelegenen Wüstungen Bunenrode und Besingen ist unbekannt.

1130 wird ein Vogt von Osterode genannt, also war damals die Burg schon vorhanden. Nach der Namengebung muß aber die Burg für jünger gelten als die Siedlung. Es ist anzunehmen, daß ihr Grund und Boden altes ludolfingisches Herzogs- und Königsgut war. 1152 wird Osterode als villa opulentissima bezeichnet, sie dürfte also damals schon Marktrecht besessen haben. In den zwanziger Jahren des 13. Jahrhunderts erhielt sie Stadtrecht, gleichzeitig werden bereits die Vorstädte zu St. Johannis — diese als suburbium der Burg wohl schon älter — und zu St. Marien genannt. Und um dieselbe Zeit erfolgt auch die Gründung des Cistercienser-Nonnen-Klosters St. Jacobi. 1234 werden die Stadtmauern zuerst erwähnt, 1238 legte Herzog Otto das Kind auf der Höhe des Hügelrückens neben der Altstadt die Neustadt an. Das Kloster dürfte für die Urbarmachung weiteren Geländes gesorgt, auch die Teiche im Tal der Apenke angelegt haben. Wann die der heutigen Feldmark angehörigen Wüstungen aufgegeben und ihre Bewohner in die Stadt aufgenommen wurden, ist nicht bekannt. Eine Erweiterung der Stadt fand für diesen Zweck nicht statt, vielmehr muß angenommen werden, daß bis dahin einzelne Straßen, besonders die Neustadt, nur sehr weiträumig bebaut waren.

Die gewerbliche Entwicklung, die Eisenhütten des 16. und 17. Jahrhunderts und die Wasserkraft aufsuchenden Säge- und anderen Mühlen fügten dem Stadtbild neue Teile an. Da diese Entwicklung früh einsetzte, in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts aber kaum zunahm, blieb die Stadt von den unerfreulichen Straßenzügen anderer Städte aus jenen Jahrzehnten nahezu verschont. Die einzige zusammenhängende Bebauung dieser Zeit ist die Folge eines Brandunglücks. Der wirtschaftliche Niedergang nahm in der Nachkriegszeit bedenklich zu, die Verschuldung der Stadt wuchs, zahlreiche Betriebe gingen ein. Erst nach der Machtübernahme durch den Führer hörte die rückläufige Bewegung auf und geriet nach einigen Jahren in die entgegengesetzte einer starken Aufwärtsentwicklung.

Der Stadtgrundriß.
(S. Abb. 5 u. 6.)

Die Altstadt.

Die älteste Siedlung Osterode haben wir in der heutigen Altstadt zu suchen, ihr Kern dürfte die Straße Am Schilde sein, nach Südwesten schloß sich um die älteste Kirche St. Aegidien ein Dorfanger an. 1304 wurde das Word-, später Rathaus errichtet, bis dahin mag also dieser Platz unbebaut geblieben sein. Der Anger hat sich wohl bis an die heutige Aegidienstraße, deren westlicher Teil bis vor wenigen Jahren Jöddenstraße hieß, das frühere Judenviertel, ausgedehnt. Wann neben dem kleinen Marktplatz an der Kirche der große Kornmarkt angelegt ist, ist unbekannt. Daß er bei Errichtung der Stadtmauer vor 1234 schon vorhanden war, ist anzunehmen. Auf der Ostseite der Altstadt ist der Rollberg ein Teil der alten Harzrandstraße. Sie kreuzte das Tal der Apenke am heutigen Südbahnhof und führte ursprünglich in gerader Linie in die Siedlung. Erst infolge der Anlage des Klosters nach 1218 wurde die Straße im Bogen weiter nach Osten verlegt und das Jacobitor im Zuge der Stadtmauer errichtet — das läßt sich noch dem heutigen Stadtplan ablesen. Die Grundstücke an der Südseite der Wagestraße scheinen die Begrenzung der Dorfsiedlung gebildet zu haben. Die Bezeichnung Krummer Bruch für die Straßen zwischen Alt- und Neustadt läßt darauf schließen, daß hier eine sumpfige Niederung einen gewissen Abschluß bot. Die Johannistorstraße als Verbindung zur Burg dürfte ebenfalls schon früh bestanden haben. Zwischen diesen Straßen und der Befestigung, die wohl vor Errichtung der Stadtmauer schon in einfacherer Art vorhanden war, lagen einzelne Höfe. Vorhanden ist heute noch als Gebäude der Sattelhof an der Petersilienstraße, der einst adliger Besitz war. Eine geschlossene Bebauung dürften diese Nebenstraßen erst im späteren Mittelalter erhalten haben.

Die Neustadt.

Die Anlage der Neustadt erfolgte planmäßig 1238, zwei parallele Straßen münden auf einen langgestreckten dreieckigen Marktplatz aus. Beide Straßen beginnen am Rollberg sehr schmal, die dortige Bebauung ist demnach älter. Besonders auffallend ist die Verengung und Knickung der Oberen Neustadt an der Grenze des Klosterbezirks. Alt- und Neustadt wurden mit dem Kloster in einen gemeinsamen Mauerring zusammengefaßt. Die volle Ausfüllung des Mauerbereichs dürfte sich auf einen langen Zeitraum hingezogen haben. Insbesondere hat es den Anschein, als sei das Gebiet zwischen Alt- und Neustadt, der Lange und der Kurze Krumme Bruch erst spät bebaut. Er hat sehr kleine Grundstücke. Verhältnismäßig sehr große Gärten haben sich noch in dem Winkel zwischen Petersilienstraße und Unterer Neustadt und an der Südseite des Kornmarkts erhalten. Ob die großen Brände, besonders der von 1545, den Grundriß der Innenstadt verändert haben, ist nicht mehr festzustellen. Nach Bränden neuerer Zeit ist vielfach die Straßenfront zurückverlegt, vielleicht schon 1826 an der Südseite des Kornmarkts, dann um 1873 am Schilde, vor der Marktkirche 1882, in der Unteren Neustadt 1896, am Rollberg 1901. An der Brauhausstraße ist durch einen Brand 1912 ein ganzer, allerdings sehr kleiner Baublock verschwunden. Ein größerer Eingriff in den alten Baubestand erfolgte 1933 durch den Abbruch eines Teiles der Stadtmauer und der davorliegenden Gebäude für den Durchbruch der Schlageter-Straße aus dem Stadtinnern nach Osten. Seit 1928 entstand eine Neuanlage im früheren Kiosterbereich, dem späteren Wirtschaftshof der Domäne, die 1917 von der Stadt angekauft war. Hier wurde eine neue Wohnstraße, der Amtshof, in geschlossener zweistöckiger Bauweise geschaffen.

Die alten Vorstädte.

Die Johannisvorstadt zu Füßen der Burg an der Mündung des Lerbachs in die Söse und die Marienvorstadt im Westen der Stadt bestehen beide nur aus einer Hauptstraße und einer bzw. zwei Seitengassen. Die Johanniskirche lag seitlich der Straße an der Stelle der heutigen Friedhofskapelle. Neben der Marienkirche befindet sich noch heute ihr ehemaliger Meierhof, das spätere Rittergut Lindenberg. Die Verlängerung der Johannisvorstadt außerhalb des Stadtgebiets, die Freiheit, dürfte ebenfalls schon im Mittelalter vorhanden gewesen und im 16. und 17. Jahrhundert weiter ausgebaut worden sein.

An der Stelle des heutigen Siechenhofes befand sich schon im Mittelalter das Hospital St. Eobaldi mit einer Kapelle. Weitere Bebauung vor der Innenstadt erfolgte zunächst zwischen Johannis-, Marien- und Neustädter Tor. An der Söse wurde schon 1719—21 das Harzkornmagazin gebaut, nicht viel später entstanden Häuser an der heutigen Dörgestraße, dem Dielenplan und der Eisensteinstraße zwischen Innenstadt und Marienvorstadt. Eine gründliche Veränderung brachte diesem Stadtteil der Brand von 1895. Die Häuser an der Nordseite der Marienvorstadt wurden nicht wieder aufgebaut, sondern statt ihrer an der Bahnhofstraße eine zusammenhängende Bebauung durchgeführt und der Mühlengraben eingewölbt.

Das Außengebiet.

Der Bau der Bahnstrecke Seesen-Herzberg wirkte sich auf die städtische Bebauung wenig aus. Im Südwesten wurde längs der Bahn die Seesener Straße angelegt und im Anfang des neuen Jahrhunderts teilweise mit Wohnhäusern bebaut. Sonst entstanden in dem Gebiet südwestlich der Bahn nur einzelne Neubauten zwischen den älteren Mühlen und anderen Betrieben. Zur größten Anlage wurden aus kleinen Anfängen seit den 70er Jahren die Westharzer-Kraftwerke. Im Süden wurde die alte Ührder Straße und ihre Umgebung seit der Jahrhundertwende mit Landhäusern bebaut. Größere Bauvorhaben brachte die Zeit nach dem Weltkrieg, in der Hauptsache auf dem 1917 angekauften Domänenland. Gleich nach dem Kriege setzte die Bebauung der Siedlung Dreilinden nach Plänen der Hannoverschen Siedlungsgesellschaft ein. Die Grundstücke für Einzel- und Doppelhäuser wurden den damaligen Anschauungen entsprechend sehr groß vorgesehen. Im Anfang der 30er Jahre wurden dort weitere Straßen mit einheitlichen Doppelhäusern der Stadtrandsiedlung bebaut. Seit dem Jahre 1927 erfolgte die Bebauung des Schäferbergs, und zwar zum größten Teil durch eine Baugenossenschaft mit größeren Doppel- und Gruppenhäusern. Dem Südbahnhof gegenüber waren schon um die Jahrhundertwende Bauten für gewerbliche Betriebe und einige Landhäuser entstanden.

Im Osten der Innenstadt bestanden schon seit dem 17. Jahrhundert einige Betriebe, zu denen im Anfang des 19. weitere längs des Mühlengrabens und der Apenke kamen. Vor 1900 wurden auf der Höhe des Rückens vor der Stadt zwei öffentliche Bauten, anschließend einige Wohnhäuser errichtet. Die Einzelbebauung wurde bis in die neueste Zeit nach Osten fortgesetzt. Weiter im Norden waren längs der Straße im Sösetal seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts einzelne Häuser errichtet, weiter draußen entstand 1812 der Scherenberg, 1832 die Eulenburg als größere Anlagen. Am Abhang des Butterbergs baute um 1900 eine Baugenossenschaft eine Anzahl von Arbeiterhäusern, später kamen zahlreiche weitere Einzelhäuser längs des Rotenhäuser Weges, am Schützenpark und der Bleichestelle hinzu.

Eine Verbindung zwischen der Johannisvorstadt und dem Bahnhofsgebiet wurde 1927/28 durch den Bau der Hindenburgstraße längs der Söse geschaffen, sie entlastet die Innenstadt von einem Teil des Durchgangsverkehrs. Das Gelände oberhalb des Siechenhofs und des Bahnhofs wurde seit 1912 für Bebauung aufgeschlossen und mit Einzel- und Doppelhäusern bebaut. Eine mit gewerblichen Betrieben durchsetzte Wohnbebauung erfolgte gleichzeitig an der Petershütter Allee. Mit Ausnahme der der Innenstadt direkt benachbarten Bahnhof Straße ist es zu einer geschlossenen Bebauung nirgends gekommen. Dafür wurde aber die räumliche Ausdehnung durch den zerstreuten und ungeregelten Anbau an vorhandenen Wegen sehr groß. Verhältnismäßig dicht bebaut wurde nur die Adolf-Hitler-Straße mit dem Rotenhäuser Weg, das Siechenfeld und die neuen Straßen in Freiheit, das sich seit etwa 1900 auf dem nordwestlichen Hang ausdehnte. Zahlreiche Neubauten entstanden in den letzten Jahrzehnten auch in den westlichen Nachbarorten Petershütte, Lasfelde und Katzenstein.

Als bewußte Anlage zur Verschönerung der Stadt war schon im 18. Jahrhundert die Petershütter Allee angelegt, um 1830 wurden weitere Spazierwege und Alleen, auch als Privatpark der heutige Kurpark geschaffen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Aufforstung des Uehrder Berges, des Röddenberg-Steilhangs und des Schützenparks. Damit erhielt die Stadt einen fast lückenlosen wertvollen Grüngürtel. Durch die Verkoppelung der Feldmark in den 90er Jahren büßten andererseits weite Teile der näheren Umgebung ihren bisherigen Charakter ein, die den natürlichen Verhältnissen angepaßten Wege wurden durch schematisch gerade Straßen ersetzt.

Der Stadtaufbau.

Die Befestigung.

Von der alten Befestigung Osterodes sind noch sehr bedeutende Teile erhalten. Zwar verschwanden die vier Stadttore Marien-, Johannis-, Jacobi-und Neustädter Tor schon um 1800 und machten offenen Gittertoren mit Wachgebäuden Platz. Von diesen haben sich das am Neustädter und Johannistor noch erhalten. Auf den alten Stadtansichten erscheinen die Tore als einfache Rechteckbauten ohne hohe Türme. Das Marientor bestand aus zwei, das Neustädter Tor gar aus drei Torbauten. Von den zahlreichen Mauertürmen stehen heute noch sechs ziemlich unversehrt aufrecht, von einigen weiteren sind Reste vorhanden. Am besten erhalten sind die beiden Türme südlich des Neustädter Tores. Die meisten Türme sprangen halbkreisförmig vor die Mauerflucht vor und waren ursprünglich stadtseitig offen, später mit Fachwerkswänden geschlossen und für Wohnzwecke ausgebaut. Die Mauer selbst steht noch zum größten Teile, das ursprüngliche Mauerwerk ist allerdings vielfach erneuert und stellenweise nur noch von geringer Höhe. An einzelnen Stellen finden sich noch die Löcher für die Balken des Wehrgangs und die als Schießscharten eingebrochenen Öffnungen. Von Wall und Graben sind nur noch geringe Reste vorhanden.

Die alte Burg ist seit dem 16. Jahrhundert, nachdem sie zeitweise Sitz der Landesherren gewesen, Ruine. Der mächtige Bergfried steht noch heute, wenn auch gespalten, etwa 30 m hoch aufrecht (Abb. 1). Von der Ringmauer und der Toranlage haben sich noch Mauerreste erhalten, die Mauerstärke des Turmes beträgt über 2 m, an den Vertiefungen für die Balkenköpfe lassen sich noch jetzt fünf Stockwerke erkennen. Eine Verbindung der Burg mit der Stadtbefestigung hat nicht bestanden. Die Lage der Stadt im Tal machte den Bau von zwei Warttürmen zum Schutz vor feindlichen Überfällen von Süden her notwendig. Beide sind noch als Ruinen erhalten. Eine äußere Befestigungslinie hat als Landwehr nur an zwei Stellen, an den Landstraßen nach Förste und Badenhausen-Seesen bestanden.

Die Kirchen.

Die Kirchen Osterodes sind im Stadtbild von bedeutender Wirkung, als Baudenkmäler jedoch nicht besonders eindrucksvoll. Die Marktkirche St. Aegidien ist nach dem Stadtbrand von 1345 in einfachen Bauformen ohne Gewölbe neu errichtet. Das Innere birgt als wertvollste Kunstwerke des 16. Jahrhunderts die Grabplatten der letzten Herzoge von Braunschweig-Grubenhagen. Der Turm stammt in seinem unteren Teil noch aus dem Mittelalter. Nach dem Brande wurde er erhöht und durch ein Satteldach mit kuppeiförmigem Turmaufbau, der die Wächterstube enthielt, gekrönt. Dieser Aufbau ging durch Brand 1882 zugrunde und wurde durch einen schlankeren in neugotischen Formen ersetzt. Die heutige Schloßkirche ist ein nahezu vollständiger Neubau von 1751. Die Strebepfeiler gehen noch auf den Bau der alten Klosterkirche zurück. An der Südseite der Kirche befindet sich unter einem Schleppdach die sogenannte Klus, vielleicht entstanden aus einer alten Wegklause an der Harzrandstraße und demnach das älteste Gebäude der Stadt. Die Marienkirche ist 1659 auf teilweise mittelalterlichen Grundmauern neu erbaut und im Äußeren 1902 durchgreifend erneuert. Der kräftige Dachturm ist 1820 neu mit Blei gedeckt. Die 1926 abgebrochene Johanniskirche war noch der unveränderte mittelalterliche Bau mit eingezogenem, aus drei Seiten des Achtecks geschlossenem Chor, Strebepfeilern und Spitzbogenfenstern mit Maßwerk. Die katholische Kirche an der Grenze von Freiheit ist ein Backsteinbau von 1902.

Rathaus und sonstige öffentliche Bauten.

Vom Rathaus stammen Keller- und Erdgeschoß noch aus der Zeit vor dem Brande von 1545. Der Neubau des Obergeschosses wurde 1552 in Fachwerk errichtet. Davon blieb der große Giebel mit seinem Erkerturm unverändert erhalten, während das Geschoß später größtenteils massiv erneuert wurde. Die Freitreppe mit der Vorhalle wurde 1843 neu errichtet. Das aus den Gebäuden des Nonnenklosters 1558/61 entstandene Schloß, das mit drei Flügeln einen Hof südlich der Schloßkirche umfaßte, ist nur noch in seinem südlichen Längsbau, dem heutigen Amtsgericht, erhalten, ein Fachwerkbau von sehr schlichten Formen. Wesentlich monumentaler als das Schloß ist das Kornmagazin von 1719/21, das die Regierung zur Versorgung des Oberharzes mit Brotgetreide errichten ließ. Es ist ein mächtiger, verputzter Bruchsteinbau, der noch heute als Kornspeicher benutzt wird. Seinen einzigen wirkungsvollen Schmuck bildet das riesige in Sandstein gehauene Wappen des englisch-hannoverschen Königshauses. In der Marienvorstadt befindet sich als ganz einfaches Reihenhaus noch das Hospital zum Hl. Geist von 1611. Das Siechenhaus am Abhang des Röddenbergs ist ein schlichter Fachwerkbau von 1863. Ein öffentliches Gebäude alter Zeit ist auch die Ratswage, ein Giebelhaus, als hus für hochziter 1653 eingerichtet. Die sonstigen früher städtischen Bauten wie Ratsapotheke, Brauhaus und Mühlen sind wesentlich umgebaut oder stammen aus neuerer Zeit. Die Schulen sind teilweise in früheren Wohnhäusern untergebracht, einen Neubau erhielt 1891/92 die Bürgerknabenschule vor dem Jacobitor. Gleichzeitig entstand der Neubau der Reichspost am Kornmarkt, einige Jahre später das Landratsamt, alle drei sind Backsteinbauten, die auch mit ihren Dächern als Fremdkörper im Stadtbild wirken. Schlichtere Backsteinbauten sind Hauptbahnhof und Schlachthof.

Die Wohnhäuser.

Das bürgerliche Wohnhaus in Osterode ist das südniedersächsische Traufenhaus. Giebelhäuser sind Ausnahmen und kommen nur an Straßenecken vor. Das Ackerbürger-, das Handwerker- und das Kaufmannshaus älterer Zeit können infolge zahlreicher Umbauten nicht mehr klar voneinander unterschieden werden. Die ältesten Häuser stammen aus der Zeit von etwa 1550—1650. Die unteren Geschosse enthielten die große durchgehende Diele, seitlich Küche und Wohnraum, darüber Schlafkammern im Zwischen -stock. Das vorspringende Dachgeschoß wurde nur zu Lagerzwecken benutzt, erst in jüngerer Zeit ist es vielfach für Wohnungen ausgebaut. Die durchgehenden Stiele der beiden Untergeschosse sind häufig durch neuere Konstruktionen ersetzt (Abb. 2 u. 4). Die vorspringenden Balkenköpfe des Dachgeschosses, ebenso die Balkenlage sind durch Knaggen unterstützt. Das Einfahrtstor ist meist im Rundbogen geschlossen. Der Schmuck beschränkt sich in der Hauptsache auf die Brüstungsbohlen der oberen Geschosse, die mit Sonnenrosen geziert sind. Dazu kommen an einzelnen Häusern Flechtbänder und geschnitzte Leisten unter der Fensterbrüstung. Einige Häuser zeigen auch sinnbildliche und andere geschnitzte Darstellungen, wie Brauhausstraße 1, Rollberg 26 und die Ratswage. Im allgemeinen aber bleibt der Schmuck sparsamer als in anderen Städten, besonders wenig ist an alten Inschriften erhalten.

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts tritt eine Änderung der alten Bauweise ein, die große Diele verschwindet, die beiden unteren Geschosse werden mehr voneinander getrennt, die Ausladung des Dachgeschosses wird geringer, dafür springt aber auch das Obergeschoß ebensoweit vor. An Stelle der alten derben Knaggen erscheinen Konsolen mit volutenartigen Profilen, ein häufiger Schmuck sind Zahnschnittleisten, die Brüstungsbohlen machen kleinen Fußstreben Platz, der geschnitzte Schmuck schwindet fast ganz, die Geschosse selbst werden höher, die Fenster größer. Im 18. Jahrhundert hört der Überstand allmählich ganz auf, und damit wird der Charakter des Hauses immer nüchterner. Gegen 1800 kommt die Ausmauerung der Gefache in Ziegelsteinen an Stelle des alten Lehmwerks oder der Bruchsteinaussetzung in Gipsmörtel auf, an einigen Häusern ist er unverputzt geblieben. Die Aufteilung des Fachwerks wird immer schlichter, aber die Sprossenteilung der Fenster und die Gestaltung der Haustür — an manchen Häusern hinter einer offenen Laube mit Freitreppe — und die Gesamthaltung der Bauten bleiben bis etwa 1880 handwerklich gut und einwandfrei. Vom Oberharz war in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die waagerechte Verbretterung der Fachwerkbauten in Osterode eingedrungen. Innerhalb der Stadt ist die heutige Bürgermädchenschule in der Neustadt (Abb. 3) das beste Beispiel dieser Bauweise, das sogar die Architekturformen der damaligen Berliner Bauschule in Holz übersetzt. In der Hauptsache aber wurde die Verbretterung bei den vor der Stadt neu entstehenden Bauten angewandt. Am bedeutendsten ist die heutige Oberschule am Kurpark, ein Zentralbau mit stattlicher Freitreppe, Säulenvorhalle und mittlerem von oben belichteten Treppenhaus, als Landsitz einer Fabrikantenfamilie errichtet.

Den Fachwerkbau behielt man selbst noch bei den meisten nach Bränden um 1900 neu errichteten Häusern bei. Den baupolizeilichen Vorschriften wurde durch Errichtung von Brandmauern Genüge getan. Als völlig massive Bauten entstanden in der Innenstadt außer der Reichspost und einem Bankgebäude nur ganz wenige Wohnhäuser. Die Neubauten am Amtshof wurden als Putzbauten ausgeführt, der Übergang zur alten Bebauung der Oberen Neustadt geschickt vermittelt. In der Bahnhof Straße überwiegen unverputzte Verblendbauten, sonst herrscht in der Bebauung der äußeren Stadtteile der Putzbau, z. T. in Verbindung mit Fachwerk vor.

Die Innenstadt hat bis heute als Wohnstadt ihren Charakter behalten. In der Gegend um Kornmarkt und Schild wohnen noch heute die Kaufleute, die das Erdgeschoß ihrer Häuser zu Läden ausbauten. Ladengeschäfte sind auch schon zum Rollberg und in die Scheffelstraße vorgerückt, in den übrigen Straßen aber bleiben sie auf wenige für den täglichen Bedarf der Nachbarn beschränkt. Die Handwerker verteilen sich auf alle Straßen der Innenstadt, die Ackerbürger wohnen zum größten Teil in der Neustadt. In den zwei letzten Menschenaltern haben sich eine Anzahl von ihnen bereits im Außengebiet angesiedelt. Die Wohnungen am Kornmarkt, am Schilde, am Rollberg und an den Torstraßen gelten noch heute als bevorzugt. Das Bestreben, außerhalb der Innenstadt in freierer Lage zu wohnen, ist bei der Bevölkerung noch nicht allgemein geworden.

Die gewerblichen Bauten.

Die gewerblichen Betriebe der älteren Zeit schließen sich in den Bauformen den Wohnhäusern an. Von den in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts errichteten Fabriken stehen noch zahlreiche Bauten, die größtenteils waagerechten Holzbeschlag, z. T. auch noch die alten, an Wohnhäusern nahezu verschwundenen Schiebefenster mit Kreuzsprossen haben. Mit ihren Pfannendächern fügen sie sich dem Stadt- und Landschaftsbild genau so ein wie die Wohnbauten, mit denen sie durch Gärten und Baumpflanzungen verbunden sind. Das stattlichste dieser Gebäude, die früher Dieckhoffsche Fabrik an der Herzberger Straße, ist noch fast unverändert, wenn auch im Äußeren verwahrlost, erhalten. Sie vereint in einem großen Baukörper Betriebsräume und Wohnungen unter einem abgewalmten Dach mit ganz schwach vortretenden Risaliten. Die Neubauten der Fabriken seit etwa 1880 lassen den Anschluß an die überlieferten Bauformen vermissen. Erst in den letzten Jahren ist ein Bemühen um einwandfreie bodenbeständige Baugestaltung festzustellen, auf die bei der freien Lage der meisten Anlagen in der Landschaft besonders Wert gelegt werden muß. Der Ansiedlung ihrer Arbeiter und Angestellten wandten die Betriebe früher nur geringes Interesse zu. Einige besitzen jedoch schon seit langem einige Werkswohnungen, die z. T. in früheren Betriebsgebäuden eingerichtet sind. Die Wohnung des Eigentümers befand sich früher stets neben dem Betrieb und ist es vielfach bis heute geblieben.

Bauform und Baustoffe.

Die Häuser der Innenstadt haben meist drei Geschosse, in den Außengebieten finden sich solche nur an der Bahnhofstraße. Eingeschossige Häuser sind selten und stammen meist erst aus der Siedlungstätigkeit der Nachkriegszeit. Die überwiegende Dachform ist das Satteldach, in älterer Zeit von ziemlich steiler Neigung, um 1800 flacher und oft mit halbem Walm. Um 1800 drang auch das Mansardendach ein, blieb aber vereinzelt. Durchbrechungen der Dachfläche sind bei den älteren Häusern selten und auf Schleppgauben beschränkt. Als Dachdeckung herrscht die rote Hohlpfanne. Schiefer hatte der alte Marktturm und das Kornmagazin, heute noch die Oberschule. Auch die Giebelflächen der Häuser haben Pfannenbehang, der Schiefer des Rathauses bildet eine Ausnahme. Erst in neuerer Zeit ist der Schiefer mehr eingedrungen, ebenso der Biberschwanz und der Falzziegel. Pappdächer dagegen kommen fast nur bei Fabriken und Schuppen vor. Die älteren Fachwerkbauten sind mit Gips geputzt, an den Straßenfronten der Innenstadt ist in jüngerer Zeit vielfach Ölfarbenanstrich darüber gebracht, sogar über den Bruchsteinsockel vieler Häuser. Einen vorzüglichen Putz älterer Zeit hat das Kornmagazin. An gutem Werkstein ist die nähere Umgebung arm, für die Mauern der Kirchen, die Stadtmauern und die Grundmauern der Häuser ist meist das Geröll des Sösebetts, die Käserlinge genannt werden, dazu teilweise Dolomit, der in der südlichen Feldmark gebrochen wird, verwandt. Die Herstellung von Ziegeln erfolgte früher in der näheren Umgebung, jetzt sind alle Ziegeleien eingegangen.

Ausblick.

Die künftige Weiterentwicklung des Stadtbildes wird sich der noch heute als bodenständig anzuerkennenden Baustoffe, d.h. des Bruchsteins, der roten Hohlpfanne und dazu des Holzes bedienen müssen. Besonders wichtig ist die Schaffung eines wetterbeständigen und schönen Außenputzes. Als Bauform wird das zweigeschossige, am Stadtrand auch das eingeschossige Haus anzuwenden sein, da die überlieferte, wenn auch nicht ursprüngliche dreigeschossige Bauweise der Innenstadt eine zu starke Zusammendrängung der Bevölkerung verursacht. Wird doch sogar eine gewisse Sanierung der Innenstadt angebahnt werden müssen, deren Wohnverhältnisse teilweise unzureichend sind. Entsprechend der verhältnismäßig engen Bauweise auch der Dörfer der Umgebung der Stadt wird bei der Neuschaffung von Wohngebieten das Einzelhaus, das in den letzten Jahrzehnten vorherrschte, gegenüber den Reihen- und Gruppenhäusern zurücktreten müssen. Ganz besonders aber muß die Stadterweiterung auf die Gegebenheit der landschaftlichen Lage Rücksicht nehmen, damit sie sich dem heute noch in seiner Geschlossenheit sehr eindrucksvollen Bilde der alten Stadt am Fuße der Harzberge ebenbürtig erweisen kann. Eine weitgehende Zusammenfassung der künftigen Bebauung im Gegensatz zu der Zersplitterung in den vergangenen Jahrzehnten wird dabei angestrebt werden müssen.

 

aus 1968 - Osterode - Tor zum Harz - Begleitheft zur Ausstellung und Verkaufsmesse 5.-13.Oktober 1968, Seite 19-35


Im Jahre 1952 hat die Stadt Osterode am Harz die Feier ihres 800. Bestehens festlich begangen. Zum Jahre 1152 berichtet nämlich die Chronik des St. Peter-Klosters zu Erfurt (Chronica S. Petri Erfordensis moderna), daß in dem zwischen Heinrich dem Löwen und Markgraf Albrecht dem Bären ausgebrochenen Streit der „blühende Ort" Osterode (villa opulentissima) zerstört worden sei. Auch zwei andere zeitgenössische Quellen dieser Zeit erwähnen den Ort, bzw. die Burg O. Die Erfurter Quelle berichtet erstmalig von einer Siedlung O. Sie mag damals schon über den Umfang eines kleinen Dorfes hinausgewachsen gewesen sein, sicher ist, daß sie sich einreiht in die Reihe der „rode"-Orte des westlichen Harzrandes. Schon Ende des 10. Jahrhunderts treten hier Dörfer mit dieser Namensendung auf, die z. T. aber heute nur noch in urkundlich genannten Namen längst verschwundener Orte aufklingen. So in nächster Umgebung der Stadt O. die Orte Bunenrode, Möttlingerode, Emmikenroth. Nicht eine sagenhafte Gottheit hat dem Ort O. den Namen gegegeben, sondern jene Siedlungsperiode der deutschen Geschichte, die im 9. bis 12. Jahrhundert durch Rodung neues Wohn-, Siedlungs- und Ackerland erschloß. Und zu diesen „rode"-Orten tritt nun auch O., das sicher viel älter ist als die erwähnte chronikalische Erwähnung von 1152. Der Grund und Boden aber, auf dem sich die Siedlung O. erhob, gehörte vielleicht mit zu altem Hausgut der Liudolfinger, das seit der Wahl Heinrichs I. (919) zum deutschen König in die Hand des Reiches gekommen ist.

Die Siedlung O., an dem Harzfluß Söse dort gelegen, wo Apenke und Lerbach sie erreichen, kann, gemessen an der Entwicklung anderer Siedlungsformen der damaligen Zeit, nicht die sumpfige Niederung gesucht, sondern nur die trockene Anhöhe erstrebt haben. Wo ihre ersten Anfänge zu suchen sind, bleibt vorläufig noch immer unsicher. Vieles spricht dafür, daß sie dort lag, wo ein alter Höhenweg, auf der erhabenen Höhe des heutigen Rollberges, bzw. an dessen Ende, ganz naturgemäß den Platz zu einer späteren Marktsiedlung anwies. Die heutige Burg O, deren Ruinen heute noch jenseits dieser ersten Siedlung aufragen, war aber nicht der Beginn der Siedlung, sondern ist vielmehr zu deren Schutz errichtet. Seit 1151 finden sich auch Burgmannen von O. erwähnt (in einer Urkunde Bischofs Bernhards von Hildesheim), vielleicht die Vorfahren der im 13 Jahrhundert blühenden Ritterfamilie „von Osterode", die in zahreichen Urkunden bezeugt ist.

Auch alte, z. T. erst jetzt gründlich erforschte Wege- und Straßenverbindungen haben die Entwicklung des Ortes beeinflußt. Es ist vor allem die alte Verbindung, die von Westen her bis Thüringen laufend den Harzrand suchte und in zwei parallelen Abzweigen O. erreicht. So erlebte der Ort dann im 12. und 13. Jahrhundert rasch einen Aufschwung, aus welcher Zeit auch die ersten, stadteigenen Urkunden zu sprechen beginnen. 1203 hatten die Söhne Heinrichs des Löwen, Heinrich, Otto und Wilhelm das väterliche Erbe geteilt, so daß Otto IV. 1217 die Burg O. erhielt und sein eigen nannte. Es sind die Grafen von Katlenburg gewesen, die bis 1006 das alte Grafenrecht im Lisgau innegehabt hatten und deren Gut in die Hände Heinrichs des Löwen gelangt war.

Das alte Dorf O., nach Meinung neuerer Forscher zwischen der Unteren Neustadt, der Petersilienstraße und der Auenstraße gelegen (der heutige Lange und Kurze Krumme Bruch deuten noch heute auf eine Niederung vor ihm hin), hatte einen Markt nicht besessen. Die erste Urkunde des Stadtarchivs von O. von ca. 1238 spricht bereits von der Anlage einer „neuen Stadt" und einer „Rückverlegung" des Marktes nach St. Jacobi. Schon damals stand also an wichtiger Straße eine Kirche inmitten eines nun wieder an sie zurückgegebenen Marktes. Die Altstadt zog mithin den Markt an sich, und als „Neustadt" ist der Ort dann unter Einbeziehung der ältesten Marktsiedlung ummauert worden. 1233 nennen die Urkunden zum ersten Mal eine Stadtmauer. Von ihrem neuen Mittelpunkt aus hat sich dann die neue Stadt erweitern können, bis sie im heutigen Kornmarkt und seiner Umgebung einen neuen Mittelpunkt erhielt, der auch den Mauerring erweiterte und sogar vor sie noch Vorstädte legte.

In der kirchlichen Entwicklung des Ortes ist nach allen vorliegenden Berichten und Quellen eine früher angenommene Missionstätigkeit des Bonifatius im Zusammenhang mit einer ersten Siedlung nicht aufrechtzuerhalten. Wir wissen vielmehr nur, daß der erste Markt auf der Höhe des Rollbergs eine St. Jacob geweihte Kapelle besaß, die erste Pfarrkirche von O. war aber St. Johannes dem Täufer geweiht. 1233 erhielt das Patronatsrecht über sie das St. Jacobi-Kloster. Mit der Johannes dem Evangelisten in der Vorstadt Johannes geweihten Kirche hat diese Kirche nichts zu tun. Erst später erhielt dann (nach 1236) die bis zum Kornmarkt erweiterte Stadtsiedlung in einer St. Aegidienkirche ihren kirchlichen Mittelpunkt. Daß es zwei Johanniskirchen in der Stadt gab, deutet darauf hin, daß die durch die Söse von der eigentlichen Marktsiedlung getrennte Vorstadt ihre eigene Kirche hatte, wie die im 13. Jahrhundert ebenfalls schon genannte Marienkirche der Marienvorstadt, nach Westen zu gelegen. Diese Johanniskirche der Vorstadt hatte das Bild einer mittelalterlichen Kirche bis auf unsere Tage noch sehr rein bewahrt, ein Bild, das auch ältere Einwohner noch kennen, bis sie leider 1926 abgebrochen wurde. Ein Teil ihrer Ausstattungsstücke gelangte in die Marktkirche. Bis heute ist die Marktkirche von O. mit ihrem imponierenden Turm, den bürgerlicher Gemeinschaftssinn neu errichtete, das eigentliche Wahrzeichen der Stadt. Dieser Turm, aus festen Steinen der heimischen Landschaft errichtet, wie viele Untergründe der Häuser und Straßen unserer Stadt, war immer stadteigen. Leider hat der große Stadtbrand von 1545 das alte Gefüge der Marktkirche sehr verändert, im Laufe der Jahrhunderte hat ihr Bild manche neue Veränderung erfahren. Diese Kirche besaß im Mittelalter eine große Reihe von Altären. Wir kennen sie und die mit ihnen verbundenen Seelengeräte aus den Urkunden. Sie war damit zugleich ein Abbild bürgerlichen Wohlstandes und Gemeinschaftssinnes. Aufschlußreiche und frühe Urkunden liegen auch für die seit 1258 bezeugte Marienkirche vor, über deren enge Verbindung zum nahe gelegenen Hospital, einem der schönsten alten Gebäude der Stadt, wir schon seit dem 13. Jahrhundert wissen. Die mit der Kirche und dem Hospital verbundene Laienvereinigung, die später unter dem Namen „Kaland an St. Marien in der Vorstadt" erscheint, ist eine sonst nirgendwo in der Stadt vorhandene Vereinigung von Laien zur Ausübung christlicher Liebestätigkeit gewesen. Wir kennen solche Vereinigungen aus Mitteldeutschland, vor allem aus Thüringen.
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Eine klösterliche Niederlassung in O., die sicher der Bedeutung der schnell gewachsenen „neuen Stadt" entsprach, war mit der Gründung eines Klosters, vermutlich eines Stifts, gegeben, dessen Gründungsjahr nicht bekannt ist, das aber in einer Urkunde des Mainzer Erzbischofs Siegfried von 1233 als bereits bestehend erwähnt wird. Das Stift St. Jacobi, dort errichtet, wo sich die alte Marktkapelle gleichen Namens erhob, war nach der Regel des Zisterzienserordens errichtet, ohne selbst wohl dem Orden anzugehören. Es unterstand Mainz und hat sich durch die Gunst des Welfenhauses rasch zu einem bedeutenden geistlichen Stift entwickelt. Wir kennen nach seinen, seit 1217 vorliegenden Urkunden die Reihe seiner Pröbste, Äbtissinnen und auch die Namen vieler Insassinnen, seit dem ebenfalls bekannten Stifter, des Priesters Ambrosius. Es waren unter ihnen Frauen fürstlicher Herkunft. Daneben stellten der Adel der Umgebung und das Stadtpatriziat die Mitglieder des Konvents. Durch reiche Stiftungen wurde die Niederlassung ausgestattet, ebenso wurde ihr Anteil an der alten Marktkapelle gesichert, die dann zur Klosterkirche erweitert wurde. Ihre Ausstattungsstücke, wie neu aufgefundene Tafelbilder, deuten auf kunstgeschichtliche Beziehungen zu Thüringen. Die Kirche hat, wenn auch in veränderter Form, die Jahrhunderte überdauert, ihr Name Schloßkirche St. Jacobi deutet auf die Errichtung eines Schlosses der Grubenhagener Fürsten (1561) auf der Stelle der abgebrochenen Klostergebäude hin. 1751 wurde sie umgebaut, ihre Fundamente wurden in neuester Zeit gründlich erforscht.

Als im Jahre 1289 das Haus der Weifen und das Erbe Heinrichs des Löwen einer Teilung unterzogen wurde, wurde Heinrich der Wunderliche (1267-1322) der erste Fürst des neuen Fürstentums Grubenhagen, benannt nach einer heute nur noch als Ruine vorhandenen Burg in der Nähe von Einbeck. Das Fürstenhaus wurde damit Landeshaus der Stadt O. Es erhielt in Einbeck, Salzderhelden, Osterode und in Herzberg Mittel- und Schwerpunkte, die sich auch später noch in dem Sitz fürstlicher Verwaltungen (Regierungen) ausdrücken sollten. Die Geschichte des Hauses ist durchzogen von mancherlei Teilungen und Gebietsveränderungen. Wichtig war stets dabei auch der Besitz des nahen Harzrandes, seines Forstes und seiner Bergwerke. So sehr wurde aber die Einheit mit dem gesamten weifischen Herrscherhause noch betont, daß sich die Bezeichnung Fürstentum von Grubenhagen erst seit dem Jahre 1567 findet. Auf den nahe gelegenen Burgen saßen die angesetzten Ritter nun als Vögte und Amtmänner, und die Entwicklung der späteren Ämter und Gerichte (Lauterberg, Scharzfeld, Herzberg, Osterode usw.) folgte historischen Gegebenheiten. Die Forsten umfaßten dabei als Randgebiete Stücke an den Grenzen des alten Harz- und Reichsvogteiforstes. Auch Osterode und Herzberg wurden der Sitz grubenhagenscher Vögte. Später dienten die Burgen vielfach als Witwensitz weifischer Fürstinnen.

Osterode hat unter dem regierenden Hause der Grubenhagener im ganzen eine glückliche Entwicklung genommen. Leider sind wir nach den eigenen Stadtgeschichtsquellen über die inneren Vorgänge in der Entwicklung unseres städtischen Gemeinwesens nicht gut unterrichtet. Der große, schon mehrfach erwähnte Stadtbrand von 1545, der nach chronikalischen Berichten nur 40 Häuser in der Stadt übrig ließ, hat auch den gesamten älteren Aktenbestand vernichtet. Zum Glück blieben wenigstens die 400 Originalurkunden der Stadt erhalten. Die innere Entwicklung der bürgerlichen Selbstverwaltung jedoch, die Ausbildung der Ratsverfassung, mögliche Auseinandersetzungen um ihre Verwirklichung, hätten wir gern genau gewußt. Es wird auch in Osterode ohne innere Kämpfe nicht abgegangen sein.

Bei dem sich entwickelten Marktrecht der Handels- und Verkehrsstadt Osterode, die schnell auch Anschluß an die mit dem Erzabbau im Harz sich ergebenden Möglichkeiten fand, müssen Markt und Gericht, Zoll und Wegegeld eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die Stadt tritt auch selbst als beachtlicher Handelsfaktor in Erscheinung. Die Beleihung der Stadt Osterode mit Goslarer, nicht mit Braunschweiger Recht, wobei das Bergrecht sicher eine Rolle mitspielte (1293), läßt Rückschlüsse auf bestehende, innere Verbindungen zum Harz zu, der Abschluß von Bündnissen mit den Nachbarstädten und ein, wohl sicher zu vermutender, wenn auch nur lockerer Anschluß an die Hanse, deutet auf Wahrung eigener Rechte. Er deutet auch auf wirtschaftliches Vermögen. Da bis 1450 der größte Teil der Westharzer Waldgebiete von Grubenhagen verwaltet wurde, hat das wirtschaftliche Leben im Westharz und im Oberharz bis an die Stadtgrenzen und bis in das Weichbild der Stadt hinein seine Ausstrahlungen gezeitigt. Herzberg und Osterode sind dabei Sitze Gru-benhagenscher Vögte gewesen, und auch die Burg Osterode, die ebenfalls in den Auseinandersetzungen der Grubenhagener Fürsten mit den benachbarten Thüringern eine Rolle spielte, war später ein bevorzugter Witwensitz. Hinsichtlich des kirchlichen Forstbesitzes ist auf Wald- und Hüttenbesitz des Jacobi-Klosters seit 1235 bis in den Bereich der Lonau und Steinau, auf einen Meierhof von St. Marien und auf ein Vorwerk der Johanniskirche hinzuweisen. Der Stadt Osterode war es nach 1400 schließlich möglich, einen eigenen Forstbesitz zu erwerben und auch abzurunden. Das sollte seine Bedeutung bis in die Gegenwart hinein haben, zumal 1513 ein sehr bedeutendes fürstliches Forstprivileg den Forst genau abgrenzte. Mancherlei Hinweise gibt es auch für eine ständige Nutzung der am Harzrand liegenden Weide- und Waldgebiete für Hut und Mast. Bis in das 18. Jahrhundert hinein erstreckte sich das Weidegebiet bis an die Grenzen, die sich Clausthal gesetzt hatte. Man mag auch an die alten Holzrechte der Reihehäuser (Brauhäuser) von Osterode erinnern. Für die Ausnutzung der in den Bergen vorhandenen Erzvorkommen spielt aber eine Reihe von Eisenhütten rings um die Söse oberhalb und unterhalb der Stadt eine gewichtige Rolle. Schon 1460 besitzen Osferoder Bürger im Sösetal Eisenhütten, und der Vertrieb von Roheisen, aber auch von Kupfer, war ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor im städtischen Leben. Osterode war auch eine alte Münzstätte. Schon 1290 werden Osteroder Münzen bekundet. Die Tatsache, daß der aus dem Eichsfeld nach Osterode zugewanderte Vater des großen Würzburger Bildschnitzers Tile Riemenschneider 1468 und 1483 in Osterode urkundlich nachgewiesen werden konnte, wo er Münzmeister und Bürger war, begründete in der Stadt eine Riemenschneider-Tradition, die das Werk des Schnitzers auch in eigenen Forschungen pflegt. Riemenschneider hat selbst Osterode als seine Heimat bezeichnet.

Holzreichtum und die Ausnutzung der Wasserkraft förderten in der Stadt manchen Wirtschaftszweig. Sicher spricht auch der alte Name des Kohlmarktes für die Nutzung und den Vertrieb der wichtigen Holzkohle aus den Meilern des Harzes. Die Urkunden nennen schon 1402 drei Mühlen in der Stadt, zu denen später noch eine ganze Reihe anderer Mühlen mit den verschiedensten Nutzungsmöglichkeiten hinzutraten. Eine eigene Wasserleitung nutzte aber das Wasser der Apenke, ihre alten Holzrohre brachte letzthin die Anlage der Kanalisation zu Tage. Im Jahre 1460 trat zu den Eisenhütten eine eigene, freie Hüttenstätte vor dem Scheerenberge, sie war von allen Diensten und Abgaben befreit worden. Die frühe Nutzung der Gipsvorkommen durch städtische Kalkmühlen bedeutete ebenfalls schon im Mittelalter für die Stadt eine wichtige Erwerbsquelle. Der Untergrund der Bürgerhäuser und der Verbund von Stadtmauer und Burg zeigen noch heute den Gips als seit alters genutztes Baumaterial. Auch kulturell hatte die Stadt ihr Gewicht erhalten. Die alte mittelalterliche Lateinschule, vermutlich hervorgegangen aus einer alten Klosterschule, wurde durch herzogliches Dekret zur Stadtschule, der Rat ihr Patron (1420). Im Fürstentum Grubenhagen erlangte sie eine besondere Bedeutung. Noch in den schlimmen Zeiten des 30jährigen Krieges verminderte sich nicht ihr Ansehen, die Zahl ihrer Schüler stieg sogar noch an. Der Theologenschaft stellte sie in der Landschaft, ja in ganz Niedersachsen, einen beachtlichen Nachwuchs, ihre Lehrerschaft genoß Ruf und Ansehen.

Die Entwicklung der Stadt war im übrigen begleitet von den Faktoren, die sich aus dem Gewerbebetrieb ihrer Bürger und der Entwicklung der Stadt zu einem Ort der Ackerbürger ergaben. Noch heute lassen das die Ackerbürgerhäuser rings um die Obere und Untere Neustadt deutlich erkennen. Auch die gewerbetreibenden Bürger hatten Anteil am Ackerland und erwarben in der Umgebung der Stadt davon immer mehr, während die Kämmerei der Stadt den alten Gemeinschaffsbesitz erweiterte. Der Erwerb des Kämmereidorfes Uhrde sicherte der Stadt neues Ackerland, während gerade die Anlage der Neustadt mit der Wüstlegung von Dörfern in der Umgebung und demzufolge mit dem Erwerb von neuem Grundbesitz verbunden war (Beierfelde, Möttlingerode). Noch heute lassen alte Streifenfluren im Norden und Süden der Stadt auch nach der Verkoppelung die alten Verhältnisse erkennen. Diese Erkenntnisse aus den Lagerungen der alten Fluren und Marken lassen wichtige Schlüsse auf die Entwicklung der Stadt zu, die in dieser Beziehung den in der Landschaft gegebenen Naturbedingungen folgen mußte.

Das mittelalterliche Osterode ist in seinem größten Teil 1545 in Asche gelegt worden. Gerade der neue Mittelpunkt um den Markt war in Mitleidenschaft gezogen worden. Es ist aber für Osterode bezeichnend, daß es sich auch über die Verheerungen der Kriegszeiten hinaus das unversehrte Bild einer niedersächsischen Stadt am Harzrand bewahren konnte, daß sich die Stadt nach vielen Bränden in allen Jahrhunderten beim Wiederaufbau ihrer Häuser an den alten, vorgezeichneten Stadtgrundriß hielt. Das betrifft auch das äußere Kleid ihrer Häuser, das alten Vorbildern folgte. Dieses bauliche Bild macht die Stadt zu einer „alten Stadt" voller Schönheiten und baulicher Eigenformen. Um Rollberg, Neustadt, Kornmarkt und Rathaus stehen noch heute die alten Harztraufenhäuser, die der Stadt ein charakteristisches Gepräge verleihen. Im Ständerwerk und Balkenwerk, im Schnitzwerk und ornamentaler Verkleidung offenbart sich der Reichtum bürgerlichen Bauens. Das im Stadtbrand von 1545 mit vernichtete Rathaus (bereits 1338 erwähnt) wurde 1552 neu aufgebaut, um die gleiche Zeit schuf sich die Stadt ein eigenes Hochzeitshaus (1550). Häuser, wie das 1650 aufgeführte „Ritterhaus" und sein Nachbar am Rollberg zeigen die bauliche Form des großangelegten Bürgerhauses mit hochgezogenem Giebel, im Inneren sogar noch mit rein erhaltener Oberdiele.

In die Zeit der Regierung des Grubenhagener Fürstenhauses fällt die Einführung der Reformation in Osterode. Sie ist das Werk und Verdienst des von Goslar nach Osterode berufenen Pfarrers Andreas Do-meyer (1537). Die Marktgemeinde von Osterode erhielt damit im kirchlichen Leben der Stadt ein neues Gewicht, zumal auch St. Johannis in der Vorstadt mit ihr vereinigt wurde, während die Klöster von St. Jacobi und das damals erst kurze Zeit bestehende Barfüßerkloster der Franziskaner säkularisiert wurden. Das letztgenannte Kloster steht in einem merkwürdigen geschichtlichen Zusammenhang mit einem die Stadtgemeinde nachdrücklich bewegenden Ereignis: mit der Ermordung des Osteroder Bürgermeisters Heise Freyenhagen (1510), die vermutlich in einem tiefer greifenden inneren Zusammenhang mit der Verwaltung der Stadt und ihrer Regierung steht, als bisher angenommen wurde. Sie war ein Ausdruck der spannungsgeladenen Atmosphäre innerhalb der Bürgerschaft der Stadt am Vorabend der Reformation. Zu den der Stadt vom Landesherren auferlegten Sühnemaßnahmen zählte auch die Lieferung von Baumaterial für das genannte Kloster. Es kam aus den nahen Kalkbrüchen der Stadt und aus den Gipsbergen. Mehrfach ist in dieser Zeit v. größeren u. kleineren Kalklieferungen der Stadt an Nachbarstädte die Rede. Auch die Fischzucht in mehreren Teichen unmittelbar vor der Stadt wurde erwerbsmäßig betrieben.

Die 1544 erlassene Kirchenordnung Herzog Philipps d. Ä. hatte auch für das kirchliche Leben von Osterode Bedeutung. Sie regelte die Beziehungen zwischen Stadt, Kirche und Schule, ohne daß die Patronatsrechte der Stadt immer ungefährdet bleiben konnten. Stadt und Landschaft waren auch noch in den Regierungsjahren der letzten Grubenhagener Fürsten im Aufblühen, eine Entwicklung, die aber etwas jäh mit dem Aussterben des Hauses (1596) abbrach. Die Stadt Osterode darf sich jedoch glücklich schätzen, in ihren Mauern die Grabmäler der letzten Grubenhagener Fürsten und ihrer Frauen, die in der Marktkirche ruhen, zu besitzen. Es sind Arbeiten bedeutenden kunstgeschichtlichen Wertes (zwei Grabmäler in Schiefer voll ausgebildet) darunter. Die mancherlei unheilvollen dynastischen Verwicklungen im Weifenhause, Rechtsstreite und Besitzwechsel haben sich aber auch für die Stadt und ihren Umkreis unheilvoll ausgewirkt. Im Kern war sie noch immer durch eine Mauer gesichert, die Vorstädte hatten sich gedehnt, dazu schirmten sie feste Wehrtürme in einem Ring, auch die Anlage zweier Landwehren war bedeutungsvoll. Nicht immer aber vermochte die Stadt den vielen Feuersbrünsten, Krankheiten und sonstigen Notzeiten sicher zu begegnen. Im Stadtregiment, dem außer Schultheiß und zwei Bürgermeistern meist 22 Ratsherren angehörten, waren schon seit 1493 die Viermannen als wichtiges Organ der Bürgerschaft beigegeben. Die älteste vorhandene Abschrift der Statuten der Stadt von 1546 fußte auf älteren Vorbildern, deren Verlust samt dem der Stadtbücher und Stadtrechte besonders zu beklagen ist. Griffen die Statuten z. B. tief in das persönliche Leben des Bürgers ein, so war die alte Braugerechtigkeit der Bürger durch alte Privilegien und Rechte gesichert. Osteroder Bier genoß guten Ruf, sein gutes und heilsames Wasser wurde allenthalben gerühmt und genießt diesen Ruf bis auf den heutigen Tag. Im inneren Leben der Stadt hatten die Gilden längst einen gesicherten Platz inne. Wie anderenorts auch hatten sie sich auch die Plätze im Stadtregiment erobert, und es ist kein Zufall, daß unter dem alten Stadtpatriziat Vertreter des Handwerks erscheinen. Der Kreis der Familien, deren Kreis als Stadtpatriziat anzusprechen ist, läßt sich umgrenzen. Die Familien Everdes, Krome, Schimpf, Lentferd, Cludius, Hattorf u. a. sind darunter. Der Reichtum an Holz aus Landschaft und Forst brachte es mit sich, daß die holzbearbeitenden Handwerke in der Stadt dominierten. Die Kleinbinder (Eimermacher), aber auch die Schuster, Lohgerber und Kürschner und die Gewerbe des Nahrungszweiges gehörten zum Bestand des handwerklichen Lebens, das in feste Regeln gefaßt und seiner Tradition bewußt war und es noch ist. Die Kromes und die Mackensens hatten den ersten Platz bei den Kleinbindern inne, die Harenbergs bei den Schustern, die Schimpfs bei den Lohgerbern. Andere Familien, an denen jeweils ein Gewerbe haftete, kamen später hinzu. Im Stadtregiment, in Schule und Kirche wirkten Männer von Bedeutung, wie die angesehene Juristenfamilie der Cludius, die als Berater der Grubenhagener Fürsten auch der Stadt Ansehen und Gewicht verliehen. Sie haben auch der Stadt eines ihrer schönsten Bürgerhäuser am Markt hinterlassen.

Der Übergang des Fürstentums an die Braunschweigisch-Wolfenbüttelsche und dann an die Lüneburg-Cellesche Linie geschah kurz vor Ausbruch des großen Krieges. Zwar blieb in den ersten Jahren des 30jährigen Krieges der Krieg der Stadt fern, seit dem offenen Eintreten des Herzogs Christian für den Pfälzer Friedrich aber änderte sich auf einmal alles. Niedersachsen wurde zum Kriegsschauplatz. Zwar suchte Herzog Christian von Lüneburg die Neutralität zu wahren (1628), das Land sollten jetzt aber harte Kriegsschläge treffen. In unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt wurden Grund und Zellerfeld, Katlenburg und Eisdorf zerstört. Die furchtbaren Pestjahre (1625-1627) fanden dazu in mehr als 1200 Toteneintragungen der Kirchenbücher ihren furchtbaren Niederschlag. 1632 mußte die Stadt an Pappenheim 10 000 Taler zahlen, um die Plünderung zu vermeiden, aber im selben Jahr noch beschoß Graf von Merdode die Stadt. Es war das Jahr der schlimmsten Plünderung der Stadt, aus der, Berichten zufolge, nur 218 kontributionsfähige Bürger übrig blieben. 1637 bemächtigte sich der bayerische Oberst Truckenmüller der Stadt, lange Kontributionsjahre und Jahre ständiger Einquartierungen hielten Osterode auch noch nach dem Friedensschluß nieder. Die Rettung der Stadt durch Heinrich Wendt, den Stadtsekretär, Syndikus und späteren Bürgermeister der Stadt (seit 1647-1683), bleibt ein Ruhmesblatt. Wendt ist auch der einzige Chronist der Stadt geblieben, dem wir eine Stadt- und Schulchronik verdanken und der damit die chronikalische Überlieferung der Stadt ungemein bereicherte. Mit Ausdauer und zähem Bürgersinn haben die Osteroder Zerstörtes wieder aufgebaut, manchen Notstand lindern und die Stadt bald einem neuen Wohlstand entgegenführen können. Die Gotteshäuser von St. Aegidien und St. Marien wurden wieder aufgebaut, ihre Ratsschule verlegte die Stadt (1690) in eines ihrer größten Gebäude hinter der späteren Ratsapotheke. Diese Apotheke besaß neben der in Einbeck und Katlenburg das einzige Privileg im Fürstentum. Sie wurde 1626 Ratsapofheke. Die Neubürgerlisten lassen schon bald nach dem Kriege einen vermehrten Zuzug von Neubürgern erkennen. Auch die Eisenhütten rings um die Stadt erlebten eine neue Blüte, seit auch ein in Osterode neu gebildetes Bergamt (1656) die Hütten von Petershütte, Schwarzenhütte und Lauterberg zusammenschloß. Erst 1731 ist der letzte Osteroder Hochofen bei der Pulvermühle stillgelegt worden. Eine besondere Blüte sollte auch das Gewerbe der Tuchmacher erfahren. Die Zeug- und Raschmacher hatten seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts eine Neubegründung ihrer Gilde durchgesetzt, seither ernährte das Tuchmachergewerbe und alle seine Nebenzweige bereits fast ein Viertel der gesamten Bevölkerung. Das läßt sich noch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts nachweisen. So begann jetzt für Osterode die Zeit einer Gewerbe- und Wirtschaftsblüte, die die Stadt bis in das 19. Jahrhundert hinein zum größten Gewerbe- und Industrieort in Hannover machte. Auch die Bildung einer Leihhauskasse (Lombard), eine der wenigen Gründungen dieser Art im Lande, geschah unter besonderer Förderung der Landesregierung und des Rates (1738). Sie kam im Zeitalter aufkommender merkantilistischer Unternehmungen der Stadt und ihren Unternehmen zugute. 1793 zählte die Wollfabrikation in Osterode bereits 263 Stühle in 14 Betrieben, noch 1839 gab es 12 Tuchfabriken. Rührige Unternehmer, meist von Süden oder von Thüringen her kommend, hatten an Söse und Mühlengraben neue Unternehmungen begründet. Sie konnten der Wirtschaftsgeschichte der Stadt neue Blätter hinzufügen: Damerahl, Greve, Uhl und Struve. Noch immer gaben im Gewerbe ein Handwerk wie die Eimermacher den Ton an. Sie erreichten 1783 die Zahl von 18 Meistern, während die Lohgerbereien das rasch emporgeblühte Gewerbe der Schuhmacher sehr förderten, das die Bergleute des Oberharzes mit festem Schuhwerk versorgte. Ihre Gilde zählte 1792 sogar über 70 Meister. Noch heute aber schlägt auch ein Kupferhammer in Osterode, seit 1796 im Besitz der Firma Fr. Jörns. Von größter Bedeutung für die Stadt sollte auch die von der Familie Schachtrupp, die im 17. Jahrhundert aus Westfalen zugewandert war, begründete Bleiweißfabrik am Scheerenberge werden. Sie lieferte ihre Erzeugnisse bis weit nach Übersee. Ihre 1812 begründete Fabrik war die bedeutendste dieser Art in Norddeutschland. Schnell hatte die Familie auch im Rat Ansehen gewonnen, ihr schönes, in klassizistische Formen aufgeführtes Herrenhaus inmitten ihres alten Besitzes, des heutigen Kurparkes, ist noch heute ein besonderer markanter Punkt im Stadtbild. Freilich sollten die zeitweiligen Bemühungen, die Stadt zu einem Kur- und Heilbad zu erheben, scheitern. So war Osterode, wie ein Wirtschaftshandbuch 1834 schrieb, die „einzige Stadt im Königreich Hannover, in der die Fabriken den ersten Platz einnehmen". Es spricht für ihre Bedeutung am Rande des Harzes, daß in den Jahren 1719/1720 ein noch heute imponierendes Gebäude am Söseufer aufgeführt werden konnte. Das große Harzkornmagazin, das („Utilitati Hercyniae") der Versorgung des Oberharzes mit Brotgetreide dienen sollte. Man hatte diese Notwendigkeit nach schlimmen Hungerjahren kurz vorher erkannt. Der Berghauptmann Heinrich Albert v. d. Bussche gab die Anregung. Äußerlich fällt es aus dem Rahmen der großen Häuser in der Stadt, und sein mächtiger, mit dem hannoversch-englischen Staatswappen geschmückter Giebel, ist seither ein besonderes Wahrzeichen in der Stadt, die mit ihm dem agrarischen Hinterlande und dem Oberharz angeschlossen blieb.

In den schlimmen Kriegsjahren war das Stadtregiment in die Hände tüchtiger Leiter gelegt gewesen. Neben dem schon genannten Heinrich Wendt ist etwa des Dr. med. Johannes Craul zu gedenken, der einer alten Osteroder Familie entstammte. Neben seiner Tätigkeit als tüchtiger Arzt, stellte er in den Zeiten des Krieges seine Kraft und Erfahrung der Stadt zur Verfügung. Die Sorge der Stadtväter galt besonders auch der Stadtschule. Bis 1689 war Osterode dann für einige Zeit Sitz einer Regierung geworden. Der Siebenjährige Krieg aber brachte noch einmal kriegerische Ereignisse in die Stadt. Nach der Konvention von Zeven besetzten die Franzosen die Stadt, plünderten sie und legten ihr harte Kriegslasten auf (1761/62). Der zu Tilsit abgeschlossene Friede (1807) schuf die Bildung des Königreichs Westfalen unter Napoleons Bruder Jerome. General Mortier hatte schon vorher Hannover und auch die Harzgebiete besetzen lassen. Schwer lasteten Steuer und Abgaben auf der Stadt. Osterode gehörte zum Harzdepartement und wurde Sitz einer Unterpräfek-tur. Im Zuge der von der Landesregierung in Kassel befohlenen staatlichen Neuordnung der Verwaltung in den Städten, wurde auch in Osterode die Stadtverwaltung aufgelöst. Osterode wurde in eine Mairie verwandelt. Kassel entsandte einen Unterpräfekten nach Osterode. Der Magistrat, der bisher 10 Mitglieder gezählt hatte, durfte nur noch aus vier Bürgern bestehen. Auch die eigene städtische Gerichtsbarkeit wurde aufgelöst und ein Ziviltribunal gebildet. Landes- und Staatssprache wurde die französische Sprache. In der Stadt Konskribierte mußten nun französischen Fahnen folgen und auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen kämpfen. Unter den 1808 nach Spanien entsandten Truppen waren auch Söhne der Harzheimat. Ja, sie folgten auch dem Troß Napoleons nach Rußland. Alle Kirchen des Landes, auch die in der Stadt, hatten die Siege Napoleons mit einem Te Deum zu feiern. Erst die Völkerschlacht bei Leipzig zertrümmerte das Reich des Korsen und auch das Königreich Westfalen. In Hannover wurde die alte Ordnung wieder hergestellt. Die Ausrüstung von 30 Landwehrbataillonen hatte nun auch für die Stadt und ihre Umgebung Geltung. Im März 1814 wurde das Landwehrbataillon Osterode aufgestellt, das sich in der Hauptsache aus dem südlichen Harzrand rekrutierte. Im August desselben Jahres trat es den Marsch nach den Niederlanden an. Die Ruhmestat des Osteroder Landwehrbataillons und seine Beteiligung an der Schlacht bei Waterloo ist für immer auf der Waterloosäule in Hannover verzeichnet. Zwei Offiziere und 19 Mann blieben auf dem Schlachtfeld. Herzlich begrüßte die Stadt am 2. 2. 1816 ihre Waterlookämpfer am Neustädter Tor und schmückte sie mit dem Lorbeer und einer Fahne, und ein rasch gebildeter Waterloo-Verein galt der Tradition des Bataillons.

Die französische Besatzungszeit hatte die Stadt in ihren Vermögensverhältnissen schwer zerrüttet. Eine Reihe von Notjahren, Krankheiten und Epidemien, Trockenheit, aber auch schlimme Söseüberschwemmungen, hatten die Einnahmen der Stadt schwinden lassen. Schon hatte man den stadteigenen Forst angreifen müssen, das den Reihehausbürgern zustehende Bauholz hatte kaum noch beschafft werden können. Dazu blieben die Erträge im Forst zurück. Die Schulden der Stadt betrugen noch 1827 weit über 630 000 Taler, hatten doch schon 1803 insgesamt 250 Häuser in der Stadt die Lasten der Einquartierungen und Kriegssteuern nicht mehr aufbringen können. Fast alle Gebühren und Pachteinnahmen waren in der Stadt, was auch ihre Rechnungen ausweisen, im Rückgang begriffen, wenn sie nicht ganz in Fortfall geraten waren. Die 530 Häuser in der Stadt bildeten größtenteils ein Bild drückender Armut. Auch der Haupterwerbszweig der Stadt, die Wollzeugfabrikation, war im Rückgang begriffen. Von 220 Stühlen waren nur noch 125 vorhanden. Doch begann man auch hier bald von neuem. 1832 war die Fabrik „Eulenburg" entstanden, 1838 folgte die im Eichental, 1840 legte der Fabrikant Blum zu seiner Ölmühle eine neue Tuchfabrik an, 1840 entstand die Quentinische Fabrik in der Abgunst und die von Damerahl. Auch das Handwerk der Eimermacher, Lohgerber und Schuhmacher erblühte neu. Neu bildete sich auch 1827 der Magistrat der Stadt. Er umfaßte jetzt zwei gleichberechtigte Behörden. Nach Aufhebung des alten Stadtgerichts (1852) ist dann Osterode Sitz eines Obergerichts geworden. Ihrer Stadtschule konnte Osterode 1867 im Schachtruppschen Anwesen ein repräsentatives Gebäude geben. Die dann 1870 als Realschule anerkannte Anstalt erhielt 1882 den Namen Realgymnasium, und in unseren Tagen hat sie den alten Namen Gymnasium wieder erhalten. Als 1782 der bekannte Philologe Friedrich August Wolf vor seiner Berufung auf den Hallischen Lehrstuhl für kurze Zeit Rektor der Osteroder Schule gewesen war, hatte die Anstalt ihren alten Ruf neu beleben können. Eine Vereinigung der Volksschulen in der Stadt, die z. T. in unzulänglichen Räumen hatten bleiben müssen, kam erst 1852 zustande. Die den ganzen Stadtbezirk umfassende Schule hatte eine Knaben- und eine Mädchenabteilung.

Daß die Stadt in wirtschaftlicher Hinsicht noch immer von den guten Wasserverhältnissen großen Nutzen zog, zeigte sich auch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Eine gleichmäßige Wasserversorgung nach allen Seiten hin, war für Hannover stets eine sehr brennende Frage gewesen. Schon damals tauchten Pläne auf, durch Talsperren in zwei Seitentälern der Söse die Wasserkraft der Harzwasser zu nutzen, ein Plan, der freilich erst in unserer Zeit (1928) endgültig reifen und einer glücklichen Vollendung entgegengeführt werden konnte. Anreger des Planes, oberhalb der Stadt eine Talsperre anzulegen, waren Osteroder Bürger gewesen, die mehrfach dahingehende Pläne und Eingaben an die Regierung richteten. Heute ist der Name der großen Sösetal-sperre mit ihrer Harzwasserleitung bis Bremen ein Begriff für die Stadt und seit ihrer Fertigstellung ein besonderer Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr, seit dort ein Campingplatz in schönster Lage den Bedürfnissen der Erholung entgegenkommt.

Die Stadt hatte inzwischen (1840) auch eine eigene Sparkasse erhalten und 1850 ein eigenes Krankenhaus eingerichtet. Es vollendete eine geschichtliche Entwicklung, doch hatte in früheren Zeiten die Krankenpflege in der Stadt stets einen besonderen Platz gefunden. Unsere Tage konnten, entsprechend der gewachsenen Bedeutung der Stadt, ihrer Bewohnerzahl und der ihrer Umgebung, im Bau eines modernen und vorbildlichen Krankenhauses in schönster landschaftlicher Lage am Fuchshaller Weg, eine Entwicklung der Krankenpflege in der Stadt glücklich abschließen.

Die Entwicklung des Verkehrswesens hatte mit der Begründung der Eisenbahnen einen besonderen markanten Einschnitt erhalten. Seit dem Jahre 1844 bemühte sich die Stadt, der Linienführung der hannoverschen Südbahn sich auf irgendeine Weise anzuschließen. Der Weg dazu war schwer.' Er ist gekennzeichnet durch zahlreiche Verhandlungen und durch die Bildung von Vereinen und Komitees, die den gesamten Südraum des Harzes in das Eisenbahnnetz einzugliedern gedachten. Das Projekt einer großen Linienführung am Westharz entlang ist jedoch gescheitert. Osterode bemühte sich dabei stets, einen Anschluß nach Northeim zu erreichen. Aber auch der Verbindung in den Oberharz, nach Clausthal und weiter nach Goslar, stellten sich zu große Schwierigkeiten in den Weg. 1866 scheiterten auch die Bemühungen, von Northeim über Katlenburg und Herzberg in Richtung Nordhausen eine Verbindung zu schaffen. Erst 1871 kam eine Verbindung von Herzberg über Osterode nach Seesen zustande, und die 1901 in Betrieb genommene Kleinbahn von Kreiensen nach Osterode erschloß wenigstens das Alte Amt dem Eisenbahnverkehr. Heute haben die Probleme um die Straße weithin im Verkehrswesen das engere Heimatgebiet vor neue Probleme gestellt. Die Linienführung und auch die Weiterführung der Autobahn in den Raum Gandersheim und von dort weiter nach Norden, kann wohl auch für die Stadt verkehrsmäßig von großer Bedeutung sein. Zwei mächtige Tangenten werden, mehr noch als bisher, den Harz und seine Randgebiete erschließen. Sie berühren auch Osterode. Zudem bewältigen eine große Zahl von Buslinien den Verkehr nach allen Seiten hin und vor allem in den Harz mit seinen Kurorten. Der 1870 gegründeten eigenen Gasanstalt in der Stadt folgten 1908 für die Versorgung mit Elektrizität die städtischen Betriebswerke, bis es zur Gründung der Westharzer Kraftwerke kam, an der die Thüringer Gasgesellschaft sich beteiligte (1924).

Die Bildung des preußischen Landkreises Osterode mit Osterode als Kreisstadt schloß eine historische Entwicklung zunächst ab. Der Kreis war, historisch gesehen, aus den alten Ämtern zusammengewachsen, die bereits in gruben-hagenscher und nichtgrubenhagenscher Zeit gewisse Verwaltungsbelange ausgeübt hatten. Der Stadt brachte die neue Ordnung auch manche neue Aufgabe. Die Errichtung etwa einer landwirtschaftlichen Winferschule in der Stadt, zu der 1907 der Kreisausschuß ermächtigt wurde, war auch für die Stadt und ihre Beziehungen zum landwirtschaftlichen Hinterland bedeutungsvoll. Neu eingerichtet und geordnet wurden auch die Gesundheits- und die Jugendpflege mit ihren verschiedenen Organisationen. Heute ist das „Haus der Jugend", das in schöner Lage an der Söse errichtet wurde, ein Mittelpunkt für die Jugend aus ganz Niedesachsen und der Bundesrepublik. Turnhallen und Sportanlagen, ein eigenes städtisches Schwimmbad, das die alte Badeanstalt von 1883 ablöste (1928), entstanden. Die im Bau befindliche Schwimmhalle, ein neu gestaltetes Freischwimmbad und die Möglichkeiten für jede Art von Sport haben die Stadt im Rahmen der „Modellstadt des 2. Weges" zu einer für die Leibesübungen vorbildlichen Stadt gemacht. Die Stadt verschönte sich auch in ihren Anlagen um den Kurpark, um den Schützenpark und um die Söseufer. Sie hatte den ührder Berg mit einem reichen Baumbestand versehen lassen, der den Eholungsuchenden mit seinen vielen schönen Aussichtspunkten auf die Stadt immer wieder erfreut. In unseren Tagen entstand auch auf dem Röddenberg die erste großzügig gedachte und ausgeführte Schulanlage.

Noch immer bildeten in der Entwicklung der heimischen Industrie Spinnereien und Baumwollfabriken einen sehr bedeutenden Faktor. Neue Betriebe kamen später hinzu. Die vor der Stadt vorhandenen umfangreichen Gipsbrüche wurden bald Schwerpunkte der Gipsverarbeitung in ganz Norddeutschland. Sie nützen heute das größte Gipsvorkommen in der Bundesrepublik nach allen Seiten hin aus, sie dienen der Dentalindustrie und vor allem auch der Baustoffindustrie. Ihr Exportkreis reicht bis zu den Deichbauten Hollands. Auch zahlreiche Steinbrüche, Sandgruben usw. in nächster Nähe der Stadt dienen der Bauindustrie.

Von der wirtschaftlichen Not des ersten Weltkrieges und der Nachkriegszeit ist insbesondere nach 1918 auch die Stadt Osterode schwer getroffen worden. Die Umstellung auf die moderne Rationalisierung und Mechanisierung in der Industrie, der in einem zu raschen Tempo die heimische Wirtschaft und Industrie nicht immer in gleichem Tempo zu folgen vermochte, machte sich geltend. Krieg und Inflation hatten die heimische Wirtschaft aufs äußerste geschwächt und ihre Industrie fast zum Erliegen gebracht. Noch in den 30er Jahren zählten Stadt und Kreis fast 7000 Arbeitsuchende.

Brände, die alte Not Osterodes, verschonten die Stadt auch in der jüngsten Vergangenheit nicht. So 1875, 1877, 1881. In aller Erinnerung bleibt aber der große Brand vom 6. September 1895, der die Bahnhofstraße und ihre Umgebung vollständig vernichtete. Am 7. Mai 1882 vernichtete ein Feuer auch den Turm der Marktkirche. Er wurde erst in unseren Tagen, nachdem er im letzten Kriege Schädigungen erhalten hatte, neu aufgeführt. In seiner Form ist er der geglückte und sehr gelungene Versuch eines heimischen Architekten, den Marktkirchenturm wieder in den Mittelpunkt der Stadt zu rücken und gleichzeitig dem überkommenen Stadtbild anzupassen. Es blieb von den Verheerungen des letzten Krieges fast gänzlich verschont.

Am Ende des Jahrhunderts hatte die Stadt 6705 Einwohner gezählt. Sie hatte seit der Jahrhundertwende auch manche bauliche Veränderung erfahren. So entstanden ein neues Kleinwohnungsviertel am Siechenfeld (1912), die Siedlung Dreilinden (1928), die Bebauung des Amtshofes (1927), die Bebauung am Röddenberg, die Fortsetzung des Wohnbaues an der Petershütter Allee, an der Scheerenberger Straße, am Butterberg und am Rotenhäuser Weg. Naturgegebene Bedingungen haben auch heute noch im allgemeinen die Stadt in ihren Erweiterungsflächen auf diese genannten Punkte verwiesen. So entstanden nach 1945 das Röddenberg- und Dreilindenviertel neu mit vorbildlichen Siedlungs- und Wohnbauten, Schulen und Kirchen. Betrug die Zahl der Wohnhäuser in Osterode 1900 noch 792, so waren es 1930 schon 1045. Die bereits 1904 für die Stadt errichtete Bauordnung wurde 1909 revidiert, ein Ortsstatut für die Anliegerbeiträge und Anbauer an unfertigen Straßen 1910 erlassen. Ein älterer Bebauungsplan erhielt (1928/29) von fachkundigster Seite eine Revision und Erneuerung. Seit Anfang des Jahrhunderts sind auch die innerstädtischen Verkehrsverhältnisse bedeutend verbessert worden. Das betraf vor allem auch die zahlreichen Brücken und das Straßennetz. Der ständig zunehmende Verkehr schafft noch heute manche Probleme. Zu den beiden Bundesbahnhöfen kam ein Busbahnhof hinzu.

Der Krieg, die Nachkriegszeit und der Zusammenbruch nach dem zweiten Weltkrieg stellten Osterode vor gänzlich neue und vielfach sehr schwerwiegende Probleme. Es galt, einen neuen Bevölkerungsteil mit den Heimatvertriebenen in die Stadt aufzunehmen. Das gab Anlaß zu mancherlei Veränderungen im inneren Gefüge der Stadt und in der Struktur ihrer Bevölkerung. Die Tatsache ferner, daß durch die Zonengrenzziehung die Stadt nunmehr innerhalb der Bundesrepublik dem Zonenrandgebiet zuzuzählen ist, stellte sie auch wirtschaftlich vor neue Tatsachen. Stets hat Osterode sich mit Erfolg bemüht, der neuen Probleme Herr zu werden. Heute zeigt die in lebhafter Aufwärtsentwicklung sich befindende Stadt eine entwicklungsfähige und vielversprechende Bewegung ihres Handels nach allen Seiten hin. In der Stadt sind noch immer leistungsfähige Handwerksbetriebe vorhanden. Es waren 1952 insgesamt 289 in der Stadt und 24 in der angrenzenden Freiheit. Der Ortsteil Freiheit hat seine eigene Entwicklung genommen und bis heute seine Selbständigkeit bewahrt. Er hat auch seine eigene geschichtliche Entwicklung. Schon in früheren Jahrhunderten hing er jedoch wirtschaftlich in vieler Beziehung stets mit der Stadt zusammen. Zu alten Industrien sind in Osterode neue hinzugekommen, z. T. schon aus Verlagerungen seit dem Kriege her. Noch sind für Industrieunternehmen Erschließungsmöglichkeiten durchaus vorhanden. Im allgemeinen hält sich die wirtschaftliche Struktur an bereits geschichtlich gewordene Möglichkeiten. Schuh-, Schürzen-, elektronische Fabriken, grafisches Gewerbe, Fernsprecheinrichtungen und Kunststoffindustrie, Elektromotoren, Ventilatoren und Generatoren, hochfeste Schrauben für Kraftfahrzeugindustrie, Eisengießereien und Maschinenfabriken (u. a. für Straßenbau, Schneidemaschinen für Textil, Druckluftgeräte, Gips- und Dentalgipsfabriken, Sägewerke, Essig- und Lederfabrik, Betrieb für den Rohrleitungsbau, Herstellung von Großbehältern aus Kunststoff, Kupferhammer u. a. m.)

Die Einwohnerzahl erreicht heute fast 19 000 (1938: 9500, 1953: 16 000) Die Stadt ist sich auch ihrer Verpflichtung gegenüber den Heimatvertriebenen sehr bewußt. Sie übernahmen 1952 aus Anlaß der 800-Jahrfeier die Patenschaft für die gleichnamige ostpreußische Stadt und errichtete ihr im Heimatmuseum 1956 eine Heimatstube. Mit der französischen Stadt Armentieres besteht ein gepflegtes Partnerverhältnis.

Das Schulwesen (Gymnasium, Volksschulen und ein Aufbauzug, Handelsschule, Berufsschule, landwirtschaftliche Schule mit Beratungsstelle) bringt günstige Möglichkeiten für den Unterricht. Die Stadt ist kulturell aufgeschlossen. Sie hat sich in dem 1650 gebauten „Ritterhaus" am Rollberg eine Pflegestätte ihrer geschichtlichen Uberlieferung geschaffen (größtes Heimatmuseum am Südrand des Harzes mit bedeutenden vorgeschichtlichen, erdgeschichtlichen, volkskundlichen, handwerksgeschichtlichen Sammlungen und einem Riemenschneider-Gedenkzimmer, mit Archiv und Bücherei). Seit etwa 1950 sind die Ausgrabungen einer zentralen vorgeschichtlichen Siedlungsanlage unter keltischem Kultureinfluß auf der „Pipinsburg" bei der Stadt ein Mittelpunkt süd-niedersächsischer Vorgeschichtsforschung geworden. Die Stadt unterstützt zusammen mit dem Kreis dieses große wissenschaftliche Vorhaben. Ein 1952 gegründeter Heimat- und Geschichtsverein pflegt das geschichtliche Erbe in Landschaft, Volkstum und Heimatforschung. Die als vorbildlich anerkannte Volkshochschule bringt in der Erwachsenenbildung lehrreiche Vorträge und Kurse. Seit jeher hat auch die Musik in der Stadt eine besondere Pflege in einer Musikgemeinde gefunden. Bildende Künstler haben die Stadt zu ihrem Wohnsitz gewählt und die Schönheiten der Umgebung mit Liebe festgehalten (f Emmi v. Lilljeström, Erna Krüger u. a.).

Für Wanderungen in die Umgebung und für ihre Erschließung sorgt der Zweigverein des Harzklubs, zahlreiche Verkehrsunternehmen für Ausflüge. Osterode ist das Einfallstor zum Westharz. Es steht hinter 18 vergleichbaren Fremdenverkehrsorten des Harzer Verkehrsverbandes an 11. Stelle. Fast jede Sportart kann zur Ausübung kommen. Der Fremdenverkehr der gastlichen Stadt ist bei guten Gaststätten, Hotels und Pensionen im Sommer und Winter, besonders auch vom Auslande her, im Ansteigen begriffen. Hier liegen noch viele Möglichkeiten für die Stadt. Von einem reichen Geschäftsleben zeugt heute die Innenstadt mit ihren zahlreichen, gut geleiteten Geschäften. Der Rat und die Verwaltung der Stadt sind mutig an die Lösung schwerwiegender Probleme unserer Tage herangegangen und haben manche emporstrebende Entwicklung, die sich auch von privater Seite findet, gefördert. Das betrifft etwa den sozialen Wohnungsbau und überhaupt die Lösung der zahlreichen sozialen Probleme, wie etwa das der Wohnraumbeschaffung. Die Anlage der Kanalisation, längst eine geschichtliche Forderung, wurde verwirklicht und viele Neubauten (Schulen, Krankenhaus) zeugen von der Erfüllung großer Aufgaben. Eine fortschreitende Verschönerung der Stadt haben die Harzstadt heute zu einem Ort gemacht, deren Tore den mannigfachen Bewegungen der Gegenwart auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens offenstehen.

Osterode fühlt sich seiner großen Vergangenheit verpflichtet. Viele alte Baudenkmäler und zahlreiche geschichtliche Erinnerungen ragen aus ihr in die Gegenwart. Auf ihre Weise sucht die Stadt die Wege in die Zukunft. Möchte diese für sie lange Jahre eines dauerhaften Friedens bedeuten.

60 Seiten

Beinhaltet: Geschichte der Stadt Osterode am Harz

 

KZ-Aussenlager Dachs IV

Hier stand von Oktober 1944 bis April 1945 ein
Lager des KZ Mittelbau-Dora, Nordhausen,
mit bis zu 665 meist politischen Häftlingen aus
Deutschland, Frankreich, den Niederlanden
und der Sowjetunion. Sie mussten beim Bau
einer unfertig gebliebenen, unterirdischen
Raffinerie für Flugbenzin in den Stollen der
gegenüberliegenden Gipsberge Zwangsarbeit
leisten. Viele sind noch im April 1945 durch
Lagerbedingungen, Baurarbeiten, Kampfhandlungen
und auf dem anschließenden Todesmarsch ums
Leben gekommen.

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