Osterode am Harz

Ich werde in meiner Beschreibung über das Plumpsklo bei den einfachsten Formen beginnen. Die wohl ältesten Überlieferungen, wie Menschen ihre Exkremente beseitigten, finden wir in der Bibel, es wir darin berichtet, daß die Israeliten bei ihrer vierzigjährigen Wüstenwanderung besonderen wert auf eine hygenische Beseitigung ihrer Exkremente legten. Dies war notwendig um Krankheiten und Epedemien zu vermeiden. es wurde allgemein angeordnet, daß jede Person einen Grabestock ständig bei sich zu tragen habe. Bei Bedarf der Notdurft, sollte man sich außerhalb des gesamten Lagers begeben und mit dem Grabestock ein entsprechendes Loch in den Wüstensand graben und nach verrichteter Notdurft, diese mittels des Grabestabes wieder mit Sand zuzudecken. Wie wir aus der Bibel wissen hat diese Vorkehrung erfolgreich funktioniert.

Aus frühen Überlieferungen aus dem soldatischen Bereich kann man erfahren, daß auch bei diesen wegen Seuchengefahren und Krankheiten, eine verordnete Verhaltensweise bestanden hat. Es wurde ein nicht sehr tiefer und auch nicht sehr breiter Graben ausgehoben, über den man sich einfach hockte. Hier bestand die Kunst darin, die Exkremente in den Graben zu befördern. Ungeübte sollen die unerwünschten Dinge in ihrer Hose wiedergefunden haben, was äußerst peinlich war. Später wird berichtet, daß man einen metertiefen Graben ausgehoben habe und darüber ein Sitzgerüst errichtet hat. Das Gerüst bestand aus nur wenigen Holzstangen. Die Oberstange war so angeordnet, daß wenn man sich mit seinem Hintern sitzend über die Stange reckte, die Exkremente genau in den Graben fielen. Des weiteren war eine Fußstütze in Form eines Holzes angebaut, wo man seine Füße draufstellen konnte. Da man nun Beine und Hose nach vorn ausstreckte, konnte nichts mehr ungewollt in der Hose landen. Dies betraf jedoch nur die festeren Ausstöße, die flüssigen konnten bei ungünstiger Stellung durchaus noch einmal das Beinkleid befeuchten. Man kann durchaus davon ausgehen, daß dies schon Entwicklungen waren, die im Plumpsklo ihre weitere Entwicklung fanden. Nur von den Zigeunern behauptete man, daß sie eine natürlichere Form bevorzugt haben. Man sagt von ihnen, sie haben sich nach getaner Arbeit, einen mit Gras bewachsenen Abhang runterrutschen lassen und so Befreiung von den lästigen Rückständen am Hinterteil gesucht. Ich vermochte diese Lebensart nicht nachzuvollziehen, mir fehlte einfach der Mut dazu.

Kommen wir nun zu den frühesten Ausführungen von Plumpsklos. Ich gestehe, daß  ich diese Modelle nur noch auf dem Dorf und in Gärten persönlich erlebt habe, aber ich weiß genau, wie sie beschaffen waren. Da war zunächst eine viereckige Grube von eineinhalb Meter tiefe notwendig, die man ausheben mußte. Die Grubenränder sollten möglichst fest sein, darüber zimmerte man nun aus einigen Balken das Gerüst für das kleine Häuschen, das den thronenden bei seiner Arbeit vor neugierigen Blicken verbergen sollte. Das Gerüst wurde von außen mit Brettern verkleidet und auch von oben überdacht. In die Vorderfront wurde eine Tür eingepaßt, in die man gelegentlich ein Herz hineinschnit. Es hatte den Zweck, die entstehende Düfte hinauszulassen, oder auch einmal von innen herausschauen zu können, um zu sehen, ob jemand vor der Tür stand, der auch Einlaß begehrte. Die Inneneinrichtung war eine Sitzbank mit einem Loch, wo man seinen Allerwertesten hineinhalten mußte. Das war schon eine ganz gemütliche Bude und hier wurden die ersten Klo-Hocker geboren. Wenn jemand zu lange sich in diesem Häuschen aufhielt riefen Angehörige: "Soll ich mit der Schere kommen und abschneiden?" Es kamen auch die Ausdrücke wie Dauerkacker oder gar noch deftiger Dauersch... auf. Später als Tapeten aufkamen, wurde oft das Stille Örtchen mit den Tapetenresten gemütlich gemacht. Natürlich kannte man das heutige vornehme Toilettenpapier noch nicht. Da wurde ein Nagel in die Wand geschlagen und daran hängte man Zuschnitte aus Zeitungspapier. Oft sah ich auch ganze Zeitungen an diesem berühmten Nagel hängen. Diese inspirierten besonders Erwachsene zum Zeitungslesen. Frauen fanden gelegentlich an einer Fortsetzung eines in der Zeitung abgedruckten Romans ihre Befriedigung. So wurde das gute alte Plumpsklo zu einem kulturellen und bildenden Ort. Schwierig wurde es oft, wenn der Trost im Winter kam, dann wuchsen die Exkremente zu Türmen hoch und wenn man nicht wollte, daß man eines schönen Tages mit ihnen Berührungskontakt bekam, mußt man sie mittels einer Stange umwerfen, aber das war nicht so einfach. Manche Konstruktionen waren auch so, daß das Häuschen hinten über der Grube so zwei- his bis drei Brettbreiten offen gelassen waren. In diesem Falle konnten gelegentliche Windstöße den Aufenthalt auf dem Plumpsklo recht ungemütlich gestalten. Wenn sich nun die Grube ansehnlich gefüllt hatte, wurde ein Platzwechsel vorgenommen. Man hob eine neue Grube aus und setzte das Häuschen auf die neue Grube. Nun konnte das Spiel von neuem beginnen, bis sie wieder voll war. Den Aushub aus der neuen Grube benutzte man um die alte Grube einfach damit abzudecken. Ich bin in späteren Zeiten einmal durch Zufall, als ich eine Grundmauer setzen wollte, auf eine solche verlassene Einrichtung gestoßen. Was ich da so alles gefunden habe, außer dem noch nach vielen Jahren vorhandenen Gestank nach Amonjak. Da waren Scherben von Küchen-Töpfen bis abgebrochene Messer und Löffeln aus Zinn zu finden. Eine wahre Kultur-Fundgrube. Wie alles auf der Welt sich verändert und auch verbessert, so auch das Plumpsklo. In der jetzt folgenden Entwicklungsstufe blieb es allerdings noch ein Plumpsklo, aber es wurden jetzt gemauerte Gruben hergestellt, die ein viel größeres Fassungsvermögen hatten und wo auch der flüssige Teil nicht mehr einfach ins Erdreich versickerte. Da es flüssiger blieb, roch es auch mehr. Man konnte nun mehrere "Sitzungszimmer nebeneinander, über den nun größeren Gruben aufstellen. Nun brauchte auch keiner mehr auf den anderen warten. Jeder hatte nun sein eigenes Klo. Außerdem standen diese Klos nicht mehr direkt im Freien, sie wurden in Hofgebäuden, überdacht ein gebaut. Die Türen waren allerdings wegen der Belüftung durch das eingeschnittene Herzchen in den Hof ausgerichtet. Es wurde nun noch viel gemütlicher auf dem kleinen Häuschen. Ein Deckel über dem Klo-Sitzloch entzog dem Betrachter das Würstchenparadies und es miefte auch nicht mehr von unten aus dem Loch. Das Zeitungspapier blieb noch eine lange Zeit ein bevorzugtes Mittel für hinterlistige Zwecke und der wunderbare literarische Nutzen blieb auch noch erhalten. Teurer wurde diese Anlage allerdings, nicht nur wegen er aufwendigeren Bauweise, sondern die Grube mußte nun regelmäßig entleert werden. Dazu gründete sich ein neuer Berufsstand. Der Aufwand bestand in einem Kesselwagen auf Rädern wurde mittels Schläuchen vom Klo zum Kesselwagen wurde mittels einer Benzin-Explosion, die einen Ventildeckel zum ansaugen in Gang setzte.

Dieses wummern dieses Ventildeckels oben auf dem Kesselwagen, brachte dem Väkalien-Fahrer den Spitznamen "Balliken Rums" ein. Der Inhaber dieser Firma hieß Berthold Kohlstruck, er wohnte auf den Schloßplatz. Er hatte ein blendendes Geschäft, denn alle Häuser in Osterode hatten noch bis nach dem letzten Weltkrieg ihr Plums-Klo und Balliken-Rums war ohne jede Konkurrenz. Als die Plums-Klos durch die heutigen Wasserspül-Toiletten ersetzt war es mit der alten Gemütlichkeit auf dem kleinen Häuschen vorbei.

Ein eigenes Erlebnis kommt mir noch in den Sinn aus dieser schönen alten Zeit, wo unsere beiden Plumpsbuden noch unter dem Schuppen auf dem Hof standen. Da feierten wir in der ... gerade ein tolles Fest. Wir waren sogar in den Kellergewölben am feiern, denn da war der Weg bis zu den Weinregealen nicht so weit. Wir waren schon alle ein bischen angesäuselt, da platzte der alte Robert S... über die Kellertreppe in die untersten Gefilde, wo wir tagten, mit einer Schreckensnachricht. Er suchte mein Ohr und flüsterte, Pappi mir ist ganz was furchtbares passiert, meine Zähne sind mir in die Sch... gefallen. Was soll ich nur machen? Ich in meinem angedudelten Kopf sagte: "Opa S..., ist doch alles halb so schlimm." Ich ging mit ihm nach oben und suchte mir eine Gartenharke aus der Waschküche. Ich sagte ihm, daß wir auch ein Licht benötigen um in das Inferno hinunter zu schauen. Er holte eine kleine Taschenlampe und unser Blick war schon getrübt. Ich senkte die Harke durch, das Loch und er beleuchtete die unheimliche Landschaft, wohin man ja sonst nie mehr zurückblickt. So erhielten wir den auch einen richtigen würzigen Eindruck von der Sachlage. Wir hatten unwahrscheinliches Glück, das Gebiß war noch nicht in den Fluten versunken. Ich angelte nur ein einziges mal und ich hatte die Zähne auf der Harke. Nun noch langsam hochziehen und Opa Robert seine Protese war gerettet. Als wir nun die Zähne direkt vor uns sahen, bemerkten wir erst so richtig, worin die eigentlich gebadet waren. Normalerweise kommen die Zähne im Mund, nicht mit den Bereichen in Berührung mit den Substanzen, in denen sie gerade gelegen hatten. Oper Robert grauste es ob dieses Anblicks, die Zähne wieder in den Mund zu nehmen. Wie ich erfahren habe, hat er die Zähne eine Woche lang in einer Reinigungslösung liegen gehabt und selbst danach konnte der den Anblick des vorherigen Zustendes nicht vergessen. Es grauste ihn, wenn er nur daran dachte.

Das waren wohl Zeiten, als wir noch die Plumps-Klos hatten.

 

Es war an einem Sommermorgen, der beginnende Tag versprach gut zu werden. Vater, von Beruf Bauer, traf Vorbereitungen zum Pflügen. Als die Pferde im Geschirr standen bat ich ihn, mitfahren zu dürfen. Mein Wunsch wurde erfüllt. Da ich noch nicht schulpflichtig war, stand dem nichts im Wege. Der zu pflügende Acker lag auf welligem Gelände. Die Flurbezeichnung ist der »Mittelberg«. Er hat den Namen mit Recht, denn er liegt wirklich in der Mitte zweier bewaldeter Bergzüge. Alles ist hier in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, der Bach, das Wiesental, die sogenannten Hardegser Köpfe (Höhe 400 m) im Osten. Im Westen, in einer Entfernung von 2 km, der Walberg, in seiner Verlängerung zum Hengstrücken ansteigend von 330 auf 425 m. Die beiden Höhenzüge im Osten wie im Westen tragen Buchen-Eichen-Mischwald, unterbrochen von Fichten. Auch unser Acker wird in Nord-Süd-Richtung bearbeitet.

Mein Vater führte an den Sterzen den Pflug, und ich ging nebenher. Am Ende mag ich wohl Müdigkeit bekundet haben, vielleicht auch nur vorgetäuscht. Vater rief mir, mich am Ackerrand ins Gras zu setzen, um mich ein wenig auszuruhen, und wenn ich Langeweile hätte, dann sollte ich die Vögel zählen. Ich wußte wohl, daß dieses ein Scherz war. Ich zählte die Vögel nicht, sondern lauschte ihrem Gesang. Ich muß wohl einer Lerche nachgeschaut haben, die singend »gen Himmel« stieg. Plötzlich tauchte in gleicher Richtung über dem Walberg eine goldglänzende Scheibe auf, im Aussehen vergleichbar mit dem Vollmond am Nachthimmel, bezogen auf den Durchmesser jedoch nur etwa halb so groß, oder gar weniger. Dieses Projektil aus dem All schien in Auflösung begriffen, denn es verlor scheinbar an Masse. Das, was es in seiner Bahn verlor, war nicht sprühend und nicht lang wie ein Kometenschweif, sondern verlor sich mehr zerbröckelnd in nur etwa vierfacher Länge des Durchmessers der vermeintlichen Scheibe. Diese Teilchen behielten die Goldfarbe bis zum Verfall. Die Flugrichtung war horizontal von Süd nach Nord. Die Fluggeschwindigkeit würde ich heute nach rund 76 Jahren mit einem Überschallflugzeug vergleichen. Im Gegensatz zu einem Flugzeug glitt der Gegenstand vollkommen geräuschlos dahin, was darauf schließen läßt, daß der Abstand zwischen mir und dem Objekt sehr groß gewesen sein muß. Zeitlich gesehen war der Körper nur wenige Sekunden sichtbar. Die Zeit reichte aber aus, um das Geschehen so fest in meinem Gedächtnis zu verankern, als sei es eben erst gewesen. Als Laie kann ich das Geschehen nur so wiedergeben wie ich es gesehen habe, nicht wie es wirklich war. Mit Ursache und Wirkung des Gesehenen konnte mein kindliches Gemüt seinerzeit wohl noch nichts anfangen.

Noch nach langer Zeit, wenn ich an dieses sonderbare Ereignis dachte, bekam ich das Gefühl, der goldglänzende Ball müsse in den Hochlagen des Sollingwaldes auf die Erde gefallen sein. Heute, nach rund 76 Jahren, weiß ich, daß dieser Körper ein Meteorit gewesen sein muß, der beim Eintauchen in die Erdatmosphäre aufsprühte und noch aus großer Entfernung am hellen Tag sichtbar war. Die Entfernung von Mitteleuropa bis zu seiner wirklichen Flugbahn muß sehr groß gewesen sein, so daß für mich alles vollkommen geräuschlos ablief.

Vor wenigen Jahren bekam ich in einer Arztpraxis eine Illustrierte in die Hand, die über einen Meteoriten berichtete, der im Jahre 1908 in den riesigen Wäldern Sibiriens niedergegangen sei. Wissenschaftler begaben sich, begleitet von Einheimischen, in diesem fast menschenleeren Raum auf die Suche nach der Stelle, an der der Himmelskörper die Erde berührte. Sie stellten fest, daß er mehrere Quadratkilometer des Waldes zerstört hatte. Auch die Flugrichtung war noch erkennbar, und zwar dadurch, daß der Wald in dem hängigen oder bergigen Gelände an den Südhängen weniger gelitten hatte als an der Nordseite. Der Körper war also aus nördlicher Richtung gekommen. Er hatte die Erde im spitzen Winkel angeflogen, überall Brandspuren hinterlassend. Die Wissenschaftler nahmen unter anderem auch Strahlenmessungen vor, man nannte Werte, die verglichen wurden mit denen von Hiroshima und Nagasaki nach der Zerstörung dieser Städte durch Atombomben.

Heute, im 82. Lebensjahr, frage ich mich, ob ich denn nur der einzige Mensch war, der dieses so seltene Geschehen beobachtet hat. Für mich waren es nur glückliche Umstände, die darin bestanden, daß mein Blick durch eine singende Lerche nach oben gelenkt wurde, und zwar genau in dem Augenblick, als diese rotglühende Kugel in meinem Blickfeld erschien. Die besagte Illustrierte brachte die Meldung, daß an dem genannten Morgen oder Tag der Himmel über Spanien plötzlich so hell gewesen sei, »heller als die Sonne« (so die Aussagen von Augenzeugen in Spanien). Als ich den Himmelskörper sah, hatte er wohl gerade Spanien hinter sich gelassen und befand sich bereits über dem Atlantik in Richtung Eismeer bzw. Sibirien, wo er dann zerschellte. Also war ich doch nicht der einzige, der dieses einmalige oder seltene Ereignis beobachtet hat.

Die jüngste Bestätigung dieser in ihren Ausmaßen einzigartigen Begebenheit vermittelte mir der Dipl.-Geologe F. Vladi (Osterode) aus dem Buch von Dr. F. Hamm, erschienen im »Landbuch-Verlag G.m.b.H. Hannover«. Daß Herr Vladi für mich Partei nahm, hat folgende Vorgeschichte: Im Sommer 1982 war ich mit zwei jungen Wissenschaftlern unterwegs in den Solling. Der eine war der genannte Dipl.-Geologe Firuz Vladi, der andere war Dr. Klappauf, Archäologe, angestellt beim Niedersächsischen Verwaltungsamt Hannover. Herr Vladi war einer der ersten, dem ich die Stelle zeigte, an der sich später herausstellte, daß dort das Zentrum des alten wüsten Dorfes Dunede lag. Herr Vladi ist angestellt als Beauftragter des Kreises Osterode für Denkmalschutz. Durch Bohrungen hat Herr Vladi wertvolle Aufschlußarbeit geleistet. So wollte ich beide Herren auch einmal für ein ähnliches Objekt im Solling interessieren, das sich auf die Wüstung »Rebek« bei Delliehausen bezog. Auf der Rückfahrt über den Hauberg, Höhe 415 m, am Sendeturm, erinnerte ich mich daran, wenn wir Geschwister mit unserem Vater den gleichen Weg nahmen von Nienhagen nach Delliehausen. Natürlich nicht mit einem Auto, sondern mit den Pferdegespann. An einem solchen späten Sommerabend hatten wir das Glück, ungezählte Sternschnuppen zu beobachten. Angeregt durch diese Erinnerung, erzählte ich den oben genannten beiden Herren von meiner Beobachtung als knapp sechsjähriger Jungen am hellen Tag.

Eine ganze Weile war Stille im Auto, dann aber nahm Herr Dr. Klappauf das Wort und stellte die Frage, ob ich an »Ufos« glaube. Ich verneinte und erinnerte mich an Zeitungsberichte, die in diese Richtung gingen. Ich antwortete in dem Sinne, daß dieses doch Erfindungen der Neuzeit seien. Von Ufos hatte im Jahre 1908 noch kein Mensch gehört. Ich merkte wohl, daß Herr Dr. Klappauf nichts von Ufos hielt, darin waren wir uns einig. In Herrn Vladi bekam ich dann einen Verbündeten, denn er sagte: »Ich habe in einem Buch über den Fall gelesen, ich bringe es Ihnen mit, dann können Sie sich überzeugen.« Ich las das Buch; es meldete etwa 25 Fälle aus den letzten Jahrhunderten, in denen Reste von Meteoriten die Erde erreichten. Der von mir gesehene unterschied sich von den übrigen nur durch die Größe. Die Größe war es auch, die es erlaubte, den Körper auf so große Entfernung am hellen Tag zu sehen.

Herr Vladi machte mir eine Ablichtung vom Bericht über den besagten Himmelskörper. Ein genaues Datum für dieses Geschehen konnte ich vorher nicht angeben, ich weiß jetzt aber, daß es der 30. Juni 1908 war.

Einige Auszüge aus der »Naturkundlichen Chronik Nordwestdeutschlands« von Dr. F. Hamm: Im Jahr

1240: Zur Zeit Ottos von Braunschweig werden Ur und Wisent erwähnt.

1278: Der Roggen erfriert in der Blüte.

1361: Thüringer belagern die Burg Salzderhelden.

1368: Es fällt ein 200 Pfund schwerer Meteor vom Himmel.

1378: Ein in Celle erlegter Bär wird erwähnt.

1379: Fall eines Meteoriten bei Hann. Münden.

1397/98: Erste Erwähnung der Herstellung von Glas im Solling.

1525: Zwei Elbingeroder (Stadt am Ostharz) fangen am Brocken drei Bären.

1525: Die Belagerung der Burg Hohenstein wird mit Bienenstöcken abgewehrt.

1530: Der Bär ist im Harz noch nicht ausgestorben.

1532: Herzog Heinrich wendet sich gegen die »wilde Köhlerei« im Solling.

1538: Am Brockenhang werden wiederum drei Bären erlegt.

1549: Am 6./7. Juli fällt nachts bei Mansfeld ein schwärzlicher Meterorit vom Himmel.

1557: Erstmals werden Sollinger Platten als Dachbedeckung erwähnt.

1558: Die Eisenhütte bei Relliehausen im Solling wird erwähnt.

1584: Die Papiermühle bei Relliehausen im Solling wird erwähnt.

1600: Im Solling werden 15.000 Schweine gemästet (Weidemast im Wald).

1636: Älteste Erwähnung der Einhornhöhle bei Scharzfeld.

1656: Am Brocken werden noch Bären beobachtet.

1675: Im Raum Osterode werden viele Rehe und Rotwild von Wölfen gerissen.

1905: Am 5. Juli bringt ein furchtbarer Gewittersturm mit Hagel in Düna eine Scheune zum Einsturz.

Diese 21 Einzelmeldungen sind aus 5000 herausgenommen. Dreimal wird der Absturz von Meteoriten belegt. Dazu gesellt sich nun ein weiterer Fall vom 30. Juni 1908, Absturz eines Meteoriten, der in Sibirien niederging und in Niedersachsen gesichtet wurde, von einem Jungen, der knapp sechs Jahre alt war.

Nach diesem Ereignis am 8. Juni 1908 hat sich der blaue Sommerhimmel verdunkelt, »farbige Dämmerungserscheinungen«, so sagen die Leute vom Fach. Ich erinnere mich, daß mein Vater und die Nachbarn im Dorf das auch festgestellt hatten, das gab es ja nicht alle Tage! Man sprach von »Her-roak«, was in hochdeutscher Sprache »Höhenrauch« bedeutet. Dieser Höhenrauch sollte von Moorbränden aus der Lüneburger Heide zu uns gekommen sein. Für die Menschen am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es scheinbar keine andere Erklärung. Da drängt sich aber auch die Frage auf, ob der Aufschlag des Meteoriten auf die Erde die alleinige Ursache für die Staubentwicklung war. Vielleicht kommt dem Umstand der Verbrennung von Materie beim Eintritt in die Atmosphäre eine wenigstens ebenso große Bedeutung zu. Asche in feinster Verteilung, die sich langsam als »kosmischer Staub« auf die Erde niederließ; geschehen im Sommer 1908.

Erst jüngst, und zwar am 19. Dezember 1985 im 2. Programm, wurde in der Sendung »Hallo der Komet kommt« von Joachim Bublath (»Aus Forschung und Technik«) neben anderem auch der am 30. Juni 1908 in Sibirien niedergegangene Komet genannt. Wohl der größte, der je in geschichtlicher Zeit aus dem All auf die Erde kam.

Erst 1853 wurde der Ührder Berg bepflanzt

Osterode. Der Wanderer, der die Schönheiten und Ruheplätze Osterodes sucht, der einheimische Osteroder, der in den schönen Anlagen der Stadt Erholung findet, wird immer wieder zum Ührder Berg streben. Er ist wirklich einer der schönsten Punkte der Stadt. In ihrer unmittelbaren Nähe gelegen, sichert er nach einem, — je nach der Konstitution des Einzelnen mühelosen -, einen herrlichen Rundstieg —, einen herrlichen Rundblick. Zu seinen Füßen und von ihm beschirmt liegt unser Städtchcn, und die fernen Harzberge sehen hinein. Immer steht er gleichsam als stilles Wahrzeichen über der Stadt.

Lassen wir seine Geschichte reden, so erfahren wir, daß er noch vor über 100 Jahren ohne sein grünes Kleid war. Er ist ja die direkte Fortsetzung der Gipsberge von Westen her. Immer hat er als eine Höhenscheide die Stadt von der hinter ihm hegenden Feldflur bis zum Kämmereidorf Ührde getrennt. Erst 1853 haben die Stadtväter seine Aufforstung beschlossen. Bewußt sprachen sich damals davon, den Berg zu den Forsten der Stadt zu ziehen und ihn zur „Forstkultur" zu erklären. Stadtförster Seemann hat damals ein umfangreiches Gutachten über die bestmögliche Bepflanzung des Berges liefern müssen, und eine besondere Kommission untersuchte an Ort und Stelle alle Möglichkeiten, den Berg nun wirklich zu einem besonderen Anziehungspunkt zu machen. Sehr wahrscheinlich haben dabei aber auch sehr aufgeschlossene Bürgerkreise mitgewirkt, die schon seit den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts sich mühten, Osterode durch bemerkenswerte Anlagen zuverschönern Aus diesen Bestrebungen war ja schließlich auch der „Verschönerungsverein Osterode" hervorgegangen, auf dessen Anregung hin viele der Osteroder Anlagen, auch die Promenadenwege an der Söse, entstanden sind.

Man hat sich glücklicherweise schon um 1855 im Stadtregiment geeinigt, den Ührder Berg mit einem gemischten Bestand von Eichen und Buchen zu versehen. Auch Birken sollten den Bestand beleben und das Gesamtbild schon in der Vorplanung so anlegen, wie es sich noch heute als besonderer Schmuck bietet. Der Ührder Berg ist dadurch zu allen Jahreszeiten zu einem Ort geworden, der Erholung und Abwechslung in gleicher Weise bietet. Freilich, lesen wir weiter in seiner Chronik, so sehen wir, daß er nicht sofort sein vollständiges Kleid erhielt. Ehedem hat es hier Vorschriften gegeben, an denen neben Bürgern der Stadt auch die Kämmerei beteiligt war. Ausdrücklich mußte 1856 auch der „Raum zwischen dem nach dem Dorfe Ührde führenden Hohlweg" von der Bepflanzung ausgenommen werden, er ist 1884 erst in die Fläche unmittelbar am Nordhang über der Northeimer Chaussee bepflanzt worden. Später liest man von Ablösungen bestimmter Weideflächen, die sich bis zur Höhe der heutigen Schillerstraße hinzogen. Ökonom Bähr, der Pächter der bekannten „Bärenburg", des Gasthofes am Neustädter Tor, ist dabei noch um 1890 abgefunden worden. Ja, 1884 hat der gesamte Ührder Berg noch nicht in seiner ganzen Ausdehnung der Kämmerei der Stadt unterstanden.

Vielfach haben die Bürger der Stadt, mehrfach hat auch ein kurze Zeit in Osterode bestehendes Kur-Komitee, Verbesserungen an der Anlage des Ührder Berges vorgeschlagen. Zu jeder Zeit hat man diesen Vorschlägen Beachtung geschenkt, und es läßt sich sehr wohl verfolgen, daß die Bepflanzung des Berges von Jahr zu Jahr schöner wurde. Die Stadt hat jahraus, jahrein eine größere Summe für ihn angesetzt. Es waren 1854 insgesamt 120 Taler gewesen, schließlich mußten ja auch die Grundbesitzer abgefunden werden, die Ländereien am Ührder Berg „zu Forstzwecken" abtraten. „Kultur und Nutzung" steht nüchtern im damaligen Sprachgebrauch über den „Acta betr. die Bepflanzung des Ührder Berges". Wer seinen Schatten sucht und sich seiner Schönheit erfreut, mag daran denken, daß Bürgersinn ihn bepflanzte. Von mehr als 100 Jahren erzählt heute sein grünes Kleid.

Dr. Granzin

 

 

Das Ehrenmal wurde am 5. September 1954 eingeweiht. Es ist eine Gedenkstätte für die über 100000 Gefallenen der Stadt und des Landkreises Osterode/Harz, der Stadt und des Landkreises Osterode/Ostpreußen, der 131. und 267. Niedersächsischen Divisionen, sowie der in Pommern, Mecklenburg, Westpreußen und Danzig beheimateten Truppenteile.

 Intelligenzblatt der Stadt Osterode 1840

Laufend.
Nummer
Namen Heimath Ursache Strafe
1 Johann George Brauner Weissensee Fälschung des Reisedocuments u. Mangel an Subsistenzmittel Drei Tage Gefängniß, den ersten und letzten bei Wasser und Brod
2 Valentin Höbler Unter Albir
Königr. Sachsen
Betttelei 24 stündige Gefängnißstrafe
3 Johannes Diegmann Dingelstedt Mangelde Reisedocumente u. Subsistenzmittel Drei Tage Gefängniß, den ersten und letzten bei Wasser und Brod
4 Sophie Lehne Duderstadt Desgleichen In die Heimath dirigiert

 

Substantiv, Neutrum - Ware zum Essen oder Trinken, die zum Bedarf des täglichen Lebens gehört

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