Bibliographie

Neues Europäisches Historisches Reise-LEXICON,
Worinnen Die merckwürdigsten Länder und Städte nach deren Lage, Alter, Benennung, Erbauung, Befestigung, Beschaffenheit, Geist- und Weltlichen Gebäuden, Gewerbe, Wahrzeichen und anderen Sehenswürdigkeiten, In Alphabetischer Ordnung auf das genaueste beschrieben werden,
Denen Reisenden und Liebhabern Historischer Nachrichten zum Gebrauch verfasset, aus den neusten Schrifften zusammen getragen, und mit
Einer Vorrede Herrn Martin Hassens, Königl. Pohln. und Churfl. Sächsischen Hofraths, wie auch der Sitten= und Staats=Wissenschaft Prof. Publ. Ordinarii auf der Universität Wittenberg,
Von der Klugheit zu resen, versehen, von Carl Christian Schramm, Hochfürstl. Brandenburg=Bayreuth=Culmbachischen Hofrathe.
LEIPZIG
bey Johann Friedrich Gleditschen, 1744
Nachdruck: Zentralantiquariat der Deutsche Demokratischen Republik, Leipzig 1984
In 2 Bänden, 2510 Spalten

Holzfaserplatten-Werke Herzberg/ Harz
1951
36 Seiten


Auszug:

Baustoffe unserer Zeit

Benjamino Gigli stand auf der Höhe seines Ruhmes, als er sich im damals noch glanzvollen Dresden ankündigte. Um dem zu erwartenden Andrang zu begegnen, wählten die Veranstalter den großen Saal des Städtischen Ausstellungspalastes, der nur den Nachteil einer außerordentlich mangelhaften Akustik aufwies. Es blieb kein anderer Ausweg als der Versuch, diesen Mangel durch die Anbringung von Isolierplatten zu beheben, die in Deutschland in den ersten dreißiger Jahren noch verhältnismäßig unbekannt und wenig erprobt waren. Das Experiment aber endete mit einem vollen Erfolg. Gigli sang und äußerte sich begeistert über die wohltuende Atmosphäre des festlichen Raumes, die ihm von den ersten Takten ab die Herzen seiner Zuhörer erschlossen hatte. Er ahnte nicht, daß sie allein den geschickt in den Deckenkassetten angebrachten Platten aus Holzfasern zu verdanken war. Ein typischer Ausstellungsraum hatte sich fast über Nacht in einen mustergültigen Konzertsaal verwandelt. Die Tatsache bildete eine Sensation in der breiten Öffentlichkeit, so wenig wußte man in jenen Tagen von dem jungen Material, das sich eben erst anschickte, den deutschen Markt zu erobern. Seitdem sind noch keine zwei Jahrzehnte verstrichen, in dieser kurzen Spanne aber gelang es der Holzfaserplatte, sich so sehr durchzusetzen, daß sie aus dem modernen Bauschaffen kaum mehr fortzudenken wäre. Viele vernahmen damals in Dresden zum erstenmal, daß man Schallwellen durch sogenannte Akustikplatten schlucken und steuern lassen könne. Heute werden Isolierplatten nicht nur zur Schallregelung, sondern auch aus zahlreichen anderen Gründen in vielerlei Gestalt in Werkstätten und Verwaltungsbüros, in Montagehallen und in Schreibmaschinensälen eingebaut,- sie haben sich ihrer isolierenden und ihrer akustischen Wirkung wegen in Theatern und Lichtspielhäusern, in Schulen, Vortragsräumen und Kirchen bewährt. Ford in Köln verlegte allein rund 4000 Quadratmeter. Radio Bremen stattete seine Senderäume als eine der ersten Rundfunkstationen mit ihnen aus. Andere folgten. Die Industrie und das Handwerk nahmen das Material begierig auf. Immer neue Anwendungsbereiche gesellten sich hinzu. Es zeigte sich, daß es eine breite Lücke schloß, die vor allem der immer stärker zunehmende Holzmangel schuf. Seit Gigli in der sächsischen Hauptstadt erstmals das Wunder der aus Holzfasern „verwebten" Platte erlebte, erkämpfte sie sich ein so ausgedehntes und weitverzweigtes Feld, daß sie heute schlechthin zu den Baustoffen unserer Zeit gehört. Ähnlich wie Haustein und Marmor, Fachwerkbalken, Sand- oder Ziegelstein das Gesicht vergangener Stilepochen formten, bestimmten im Zuge der Revolutionierung der Künste Beton und Glas die Richtung der Architektur unseres Jahrhunderts. Neben sie aber traten, häufig aus der Not der Zeit geboren, weitere Baustoffe, die der Zweckerfüllung von Beton und Glas den Akzent gaben. Und zu diesen zählen die Holzfaserplatten, die sich nicht nur zu einem erstklassigen technischen Bauelement entwickelten, sondern vor allem auch die ästhetischen Ansprüche des Innenarchitekten und Raumgestalters in überraschend hohem Grade erfüllten. Ihre vorzüglichen Eigenschaften wurden in Deutschland leider erst recht spät erkannt und ausgenutzt. Von der Qualität aus betrachtet, ist der Vorsprung der andern aber inzwischen lange aufgeholt. Ursprünglich das Produkt von Verfahren, die hauptsächlich im Ausland entwickelt wurden, hat sich die Flolzfaserplatte deutscher Herkunft so großartig vervollkommnet, daß sie an nicht wenigen Auslandsmärkten bereits eine Sonderstellung genießt.

Dies trifft insbesondere für die Erzeugnisse zu, die unter den Firmenzeichen homanit, homaton und homasa in den Handel gelangen, das heißt für die lange, bunte Reihe von Fabrikaten der Firma Fritz Homann AG Dissen, Teutoburger Wald, Holzfaserplatten werke Herzberg-Harz, die im November 1951 die Feier des fünfundsiebzigjährigen Bestehens ihres Stammhauses in Dissen begeht. Und die in der Praxis gesammelten Erfahrungen lassen es gewiß erscheinen, daß sie sich aus den errungenen Positionen schwerlich mehr verdrängen lassen werden. Mit der Zahl ihrer Formen vervielfachte sich die ihrer Verwendungszwecke. Millionen Quadratmeter werden in unseren Tagen zu Zwischenwänden von Wohnbauten, Hallen und Schiffen, zu Fußböden, Dächern, Türen und Möbeln verarbeitet und unzählige Einzelartikel aus Faserplatten hergestellt. Formschöne Autokarosserien, elegante Koffer, Ladenschaufenster und Schultafeln entstehen aus ihnen. In Herzberg wurde für Homann-Arbeiter und -Angestellte sogar eine ganze Siedlung aus Holzfaserplatten errichtet, die sich allen Anforderungen gewachsen zeigten. Sie wird fortlaufend den jüngsten Erkenntnissen dieser Technik angepaßt. Keine Außenwand, keine Wandverkleidung, keine Decke und kein Boden, für die ihre Erbauer nicht den neuartigen Baustoff verwandt hätten. Sie ergaben die Grundlage für die neuen Homann-Einzelhäuser, deren fertige Bauelemente in der Fabrik genormt hergestellt werden, so daß ganze transportable Wandflächen ohne Schwierigkeit schnell eingebaut werden können — eine technische Idee von ungeheurer Tragweite, die auf den Seniorchef des Hauses, Hugo Homann selbst, zurückgeht. Auf dem Bauplatz und auf dem Werktisch haben diese Platten mithin ihre Probe bestanden.


Das Werk

Deutschland besitzt keine derartigen Holzreservoire. Aber auch seine Wälder sind reich an geeignetem Rohstoff für die Faserplattenerzeugung. Von dieser Erkenntnis ausgehend, beschloß Hugo Homann, die Holzfaserplattenerzeugung aufzunehmen, denn mit sicherem Blick hatte er, der weltgereiste, erfahrene Industrielle, erkannt, welche unschätzbare Bedeutung sie gerade für das holzarme Deutschland haben mußte, dessen jährlicher Holzeinschlag zurzeit um viele Millionen Kubikmeter über seinem natürlichen Holzzuwachs liegt. Auf zahlreichen Auslandsfahrten verschaffte er sich zunächst Einblick in die mannigfaltigen Fabrikationsverfahren, um die praktischen Vorteile der einzelnen Systeme gewissenhaft gegeneinander abwägen und sich schließlich für das wirtschaftlichste und das den heimischen Verhältnissen günstigste entscheiden zu können. Dann erst traf er seine Wahl. Sie fiel auf das schwedische Defibrator-Fibroplast-Verfahren, das die Fasern ohne Strukturänderung mechanisch aufschließt, zu einer flüssigen Flolzfasermasse aufbereitet und in diesem Zustand der Langsiebmaschine zuführt. Ein im Jahre 1929 in Herzberg am Harzrand übernommenes Sägewerk, in das die Küferei aus Dissen verlegt worden war, bot den Ausgangspunkt. Hugo Homann ließ es entsprechend ausbauen und in einer eigens für den neuen Produktionszweig vorgesehenen Halle schließlich das Holzfaserplattenwerk anlaufen, ein Unternehmen, das dank der Weitsicht seines Gründers in überraschend kurzer Frist eine ungeahnte Entwicklung nahm. Mit seinem jungen Werk eng verwachsen, gelang es Hugo Homann, aus ihm in wenigen Jahren einen modernen Großbetrieb zu schaffen, der mit seinen Holzfaserplatten längst keinen bloßen Ersatz mehr für das fehlende Holz, sondern einen vielbegehrten Baustoff von hohem Eigenwert liefert. Es war, wie der Rückblick auf seine Entwicklung und seine Absatzzahlen lehrt, vom Glück begünstigt. Zunächst nur ein Nebenbetrieb der Kübelfabrik, überflügelte es die Kübelfertigung in überraschend kurzer Zeit, und heute ein in drei Schichten arbeitender Riesenbetrieb mit 600 Arbeitskräften, genießt es in Fachkreisen den Ruf eines der leistungsfähigsten Unternehmen seines Spezialgebietes, dessen Lieferprogramm inzwischen 29 verschiedene Artikel aus Holzfasern umfaßt. Fast ein Sechstel der auf 120000 Tonnen bezifferten Gesamterzeugung der deutschen Faserplattenindustrie stammte 1950 aus diesem Herzberger Werk der Fritz Homann AG. In bewundernswerter Weise hat der Betrieb, der einst ausschließlich Kübel für Margarine herstellte, damit den Anschluß an die Produktion eines der wichtigsten Baustoffe unserer Zeit gewonnen. Schritt für Schritt ging es voran, seit 1943 die erste Holzfaserplatte die Herzberger Presse verließ. Zahlen kennzeichnen diesen Weg: Im Anfangsjahr 1943 wurden 170000 qm verkauft, 1946 etwas mehr als 735000 qm und im Jahre 1950 schließlich fast 3900000 qm. Es war ein Weg, auf den die fünfundsiebzigjährige Firma mit Stolz zurückblicken darf.

Die wenigen Zahlen schon beweisen, daß der Kreis der Holzfaserplattenverbraucher sich ständig erweitert. Die Weltproduktion lag 1950 bei rund 2200000 Tonnen. Davon erzeugten die Vereinigten Staaten allein 1220000 und alle europäischen Werke zusammen, an ihrer Spitze die schwedischen und finnischen Betriebe, 885000 Tonnen. Deutschlands Anteil daran betrug etwa 120000 Tonnen, die einem Verkaufswert von rund 60 Millionen DM entsprechen. Aber dieser Anteil erfreut sich auch jenseits der deutschen Grenzpfähle eines besonderen Rufes. Werden deutsche Platten doch nicht nur in den benachbarten Benelux-Staaten, sondern sogar in England, Frankreich, Südamerika und Australien vielfach anderen Fabrikaten vorgezogen. Es erwies sich, daß der Gedanke, den aufgeschlossenen Holzfasern in Deutschland gewisse Kunstharze zur Qualitätssteigerung hinzuzufügen, erfreuliche Früchte trug. Auch das Inland entschied sich mehr und mehr für die Holzfaserplatte, die ebenflächig und scharfkantig außerordentlich günstige Bearbeitungsmöglichkeiten bietet. Noch immer aber steht der Verbrauch an Holzfaserplatten in der deutschen Bundesrepublik beträchtlich hinter dem Konsum anderer Länder zurück. Während in Schweden jährlich 19 kg auf den Kopf der Bevölkerung kommen, während die Norweger 12 kg, die Amerikaner 5 kg, die Finnen 4 kg und die Australier 3 kg pro Kopf verbrauchen, erreicht der deutsche Kopfverbrauch noch nicht einmal 2 kg. Trotz unserer geschwundenen Wälder haben wir somit die Möglichkeiten, die sich mit der Verwendung von Holzfaserplatten in Fülle bieten, noch lange nicht restlos genutzt.

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